Kultur | 16.06.2008

„Als Kind war ich wohl am glücklichsten“

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Die "Guillemots" sind vier Musiker aus Brasilien, England, Kanada und Schottland, die diesen Frühling mit ihrem zweiten Album "Red" im Bereich Pop-Folk-Rock die Welt etwas verbessert haben. Tink.ch traf Sänger Fyfe und Bassistin Aristazabal zu einem Interview über ihre Musik und die Freiheit, nirgends hin zu passen.
"Wir möchten uns nicht wiederholen": Sänger Fyfe und Bassistin Aristazabal von den "Guillemots".
Bild: Martin Sigrist

Wie geht es euch?

Fyfe: Wir sitzen in der Sonne, das ist schön.

Aristazabal: Es ist der erste Tag unserer Tour. Endlich können wir unsere Musik vor Leuten spielen, denn dafür machen wir sie ja. Nur gibt es immer viel zu tun, um zu diesem Punkt zu kommen.  

War der Weg zu eurer neuen CD härter als bei eurer ersten Scheibe?

Fyfe: Ja, aus verschiedenen Gründen. Die Situation war diese Mal anders als bei den Aufnahmen für die erste CD. Beim letzten Mal habe ich die Songs schon vorher geschrieben und hatte somit bereits eine Idee, wie sie klingen sollten. Diesmal sind die Songs erst gemeinsam mit der Band entstanden und waren für uns alle anfangs ganz neu. Aber wir haben es geschafft.

Aristazabal: Es ist ein so langer Prozess. Mal macht Fyfe einen Song, mal machen wir einen alle zusammen. Man lebt und lernt und der Prozess funktioniert immer besser. Hoffentlich dauert es beim nächsten Mal nicht wieder zehn Monate.  

In eurem Video zu „Trains to Brazi“ spielt ihr in einer Schule vor Kindern, die euch nicht zuhören.

Fyfe: Ich wollte schon immer mal ein Video mit Kindern machen. Bei „Trains to Brazil“ hat es thematisch sehr gut gepasst, denn der Song handelt von der Einfachheit des Lebens wenn man noch Kind ist.  

Aber die Kinder interessieren sich überhaupt nicht für euer Konzert.

Fyfe: Das war die Idee. Wir singen davon, wie früher alles gut war und nun alles ein bisschen scheisse ist und wie wir trotzdem versuchen, das Leben zu geniessen. Kinder sind viel spontaner und ehrlicher gegenüber dem, was man ihnen vorsetzt. Sie denken nicht darüber nach, was sie tun, sind unbekümmert. Das ist ein Unterschied zwischen der Welt der Kinder und der Welt der Erwachsenen.  

Vermisst du deine Kindheit?

Fyfe: Ja, manchmal. Ich war wohl als Kind am glücklichsten. Ich lebte in einer Blase, hatte nicht so viele Freunde und machte einfach mein Ding. Als Kind hat man noch alles vor sich, hat noch Träume ohne konkrete Pläne aber auch ohne die Befürchtung, man hätte Dinge anders machen sollen. Ich war noch jung und wollte nicht erwachsen werden. Da das aber halt passiert, muss man schauen, dass man trotzdem noch sich selbst bleibt und nicht von der Gesellschaft und den Medien korrumpiert wird.  

Wofür ist eure Musik?

Fyfe: Unsere Musik ist um zu flüchten, um woanders zu sein. Dafür ist Musik da, um von der Realität weg zu kommen. Unsere Musik ist eine zufällige Sammlung von Träumen und Erinnerungen.

Aristazabal: Das ist zu allgemein. Bei uns stecken so viele unterschiedliche Elemente in der Musik.

Fyfe: Wir machen viele Sachen. Man muss schon alles von uns hören, um sich wirklich ein Bild davon zu machen. Das stört die Leute vielleicht, weil sie uns somit nicht einfach einordnen können. Wir langweilen uns einfach schnell und machen daher sehr unterschiedliche Dinge. Wir möchten uns nicht wiederholen. Für die Tour gibt es für uns aber natürlich Wege, die eigene Musik weiterhin zu mögen. Wir ändern ständig etwas, mal hier, mal dort. Wir möchten einfach nicht Musiker werden, die immer ihr Ding durchziehen, nur weil es funktioniert.  

Jeder von euch Vieren kommt aus einem anderen Land. Ist das sehr prägend für eure Musik?

Fyfe: Ich denke, dass es uns hilft. Es kommen so ganz unterschiedliche Welten zusammen. Wir machen uns darüber aber nicht so viele Gedanken. Wir haben uns einfach gefunden. Es funktioniert gut so. 

Aristazabal: Wir mögen unterschiedliche Musik, wir haben verschiedene Hintergründe. Wenn ich nicht hier wäre, würde ich jetzt wohl in einer Jazz-Band spielen.

Fyfe: Damit inspirieren wir uns gegenseitig und es entsteht dabei ein Gemisch von Stilen, ein immer wieder neues Gemisch.    

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