Wenn der Fluss plötzlich aufwärts fliesst

In Asien gibt es Flüsse, die bei Monsun die Fliessrichtung wechseln können. Und so wie das Wasser in extremen Situationen die Fliessrichtung wechseln kann, machen auch Menschen allerlei Veränderungen durch. Ansichten und Gewohnheiten verändern sich, Verantwortungsgefühle wandeln sich, Freundschaften werden geschlossen und wachsen, das Kräfteverhältnis wird plötzlich ein anderes. Sicher ist einzig die Veränderung. Nur kümmert das unsere moderne Gesellschaft herzlich wenig: In Industrienationen ist das Bedürfnis nach Sicherheit gross und damit auch das Gefühl, das eigene Leben jederzeit kontrollieren zu können. Je mehr wir mit dieser Kontroll-Erwartung an unser Leben herangehen, desto mehr haben wir Angst vor der unwiederbringlichen Veränderung.

Auf die eine oder andere Art fürchten wir uns also alle vor Veränderungen. So auch in der Liebe. Wer kennt sie nicht, die leise Angst vor  einer neuen Liebe? Wir sagen, wir fürchten uns vor der Liebe – doch eigentlich fürchten wir uns vor der Veränderung, die sie in unserem Leben bewirken könnte. Denn anders als ein paar neue Schuhe oder eine neue Stelle gilt die Liebe in unserer Kultur als jene Kraft, die am meisten Potenzial hat, uns und unser Leben unwiderruflich zu verändern. Vielleicht sitzt uns die Angst im Nacken, nicht mit diesen reissenden Gefühlsströmen umgehen zu können. Dabei vergessen wir häufig, dass die Liebe uns immer nur zu uns selbst führt und nicht von uns weg. Es sollte also zu einer guten Lebensführung gehören, ab und zu ganz bewusst zuzulassen, dass die Fliessrichtung des eigenen Lebensflusses sich ändern kann.

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“Ein hoher Puls und Adrenalinkicks”

Wie war es für euch, als ihr das erste Mal eure Platte “On Air” in den Händen hieltet?
Chris Haffner und Manuel Gut: Das war ein wunderbares Gefühl. Wir haben riesig viel dafür gearbeitet und waren in erster Linie froh, dass es beendet war. Wir waren einfach sehr glücklich.

Wie fühlt ihr euch auf der Bühne?

Es ist ein grandioses Gefühl, wenn die Leute deine Songs mitsingen. Man hat einen sehr hohen Puls und Adrenalinkicks. Es ist viel besser, als wenn man im Studio sitzt und Songs aufnimmt. Und es ist jedes Mal eine grosse Herausforderung.

Seid ihr aufgeregt vor Auftritten?

Ja, und das brauche ich für mich auch. So ein bisschen Nervenkitzel hat noch niemandem geschadet. Ausserdem habe ich dann immer das Gefühl, dass der Auftritt gut wird.

Was waren für euch die Highlights in eurer jungen Karriere?
Jedes Konzert bis jetzt. Und natürlich die fertige CD und das zu machen, was wir jetzt machen: Einfach spielen was wir wollen. Ein anderer Höhepunkt waren sicher die zwei Konzerte mit Laith al Deen. Nun erwartet uns ein Konzert in Locarno, wo wir als Support R.E.M. auftreten. Ich denke, das wird ein Auftritt sein, den wir nie vergessen werden.
 
Warum heisst ihr eigentlich Myron?
Es gibt gar keinen wirklichen Grund. Myron ist ein amerikanischer Vorname und wir dachten, das wäre ein guter Bandname. Scheinbar hat er eine tiefere Bedeutung, aber die kennen wir leider nicht.

Wie lange macht ihr schon zusammen Musik?

Etwa acht bis zehn Jahre werden das schon sein. Wir haben damals beide im Studio gearbeitet und unsere musikalischen Erfahrungen gesammelt und uns auch kennen gelernt. Irgendwann kam der Punkt, an dem wir beschlossen, zusammen Musik zu machen und unsere erste Platte aufzunehmen. Und jetzt geben wir Gas!

Warum versucht ihr euch nicht mal in Mundart?

Für mich ist es irgendwie schwierig einen mundartdeutschen Text zu schreiben. Ich habe immer gewusst, dass es für mich Englisch sein muss und das ist es jetzt halt auch. Ich werde auch immer von sehr vielen internationalen Stars inspiriert, die ebenfalls auf Englisch singen. Ausserdem: Als Basler hätten wir es sowieso nicht so einfach in der Mundartszene.

Denkt ihr auch an eine Auslandkarriere?

Sicher. Obwohl nsere erste Priorität die Schweiz ist, würden wir sehr gerne ein bisschen Erfolg im Ausland haben.

Eure Musik ist ja ziemlich kommerziell, schreibt ihr bewusst nur Songs fürs Radio?
Nein. Die meisten unserer Songs sind zufälligerweise einfach gerade drei Minuten lang. Viele unserer Songs auf dem Album sind auch schon etwa sieben Jahre alt, und dazumal hat man ja nicht so auf die Länge eines Songs geschaut! Auf jeden Fall gefallen uns unsere Lieder und wir sind sehr zufrieden mit der Auswahl auf der Platte. Bis auf zwei Stücke haben wir sie ja auch selbst bestimmt.

Plant ihr schon ein zweites Album?
Die Hoffnung auf ein zweites Album ist sicher da. Wir wissen noch nicht genau, wie es aussehen wird, aber an ein paar Songs haben wir schon vorgearbeitet.

Was erhofft ihr euch für die Zukunft?

Wir hoffen das es so weiter geht wie bisher, das wir mehr Konzerte spielen können, mehr Leute für uns gewinnen können, und wie bereits gesagt, vielleicht irgendwann im Ausland Fuss fassen können.

Wettbewerb


Tink.ch verlost zweimal das Album "On Air" von Myron. Einfach bis zum 4. Juli ein E-Mail an fabe2@gmx.ch schreiben und die Postadresse angeben. Viel Glück!

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“Ich wäre gern ein Feuerwehrmann”

Hallo Newton, wir haben ein paar Kärtchen für dich. Du kannst zwischen vier verschiedenen Farben wählen. Jede Farbe gehört einer bestimmten Art von Fragen. Mit welcher Farbe willst du Anfangen: Rot, Blau, Gelb oder Weiss?

Ok, Rot.

Hat dich ein Film schon mal zum weinen gebracht?

Ja klar, mehrere sogar.

Kannst du uns ein Beispiel geben?

“Inside I’m dancing”, ein Film über zwei gelähmte Jungs die ein Abenteuer wagen.

(wir wechseln zu den weissen Kärtchen) Wie überlebt man ein Festival? 

Mein persönlicher Tipp? Ich denke, sobald die Sonne scheint, ist Alles einfacher. Du musst dich nicht mehr durch drei Meter Schlamm durchkämpfen.

Und wie machst du das am Glastonbury Festival in England?

Dort werde ich Morgen sein! Wenn du ans Glastonbury gehst, ist es am besten, wenn du diese Fischerhosen trägst, deren Stiefel bis zur Hüfte reichen.

Welche Musik hörtest du, als du jünger warst?

Greenday.

Hast du schon immer an dich gegelaubt?

Nein, überhaupt nicht. Auch jetzt nicht.

Jetzt kommt eine interessante Frage: Wenn du eine Frucht wärst, welche wärst du und wieso genau diese Frucht?

Ich denke ich wäre eine Zitrone.

Wieso ausgerechnet eine Zitrone?

Das kann ich gar nicht erklären, aber ich denke ich wäre eine gute Zitrone.

Was machst du, um glücklich zu sein?

Ich mache schlicht und einfach Musik und Gigs. Das alleine Erfüllt mich voll und ganz.

Nenne uns ein Lied, das dich dein Leben lang begleitet hat und es immer noch tut.

Ich habe natürlich viele, aber wenn ich eins nennen muss dann wird es “Still be here” von Tom Waits sein.

Was ist dein Ritual vor den jeweiligen Auftritten?

Meistens mache ich zuerst ein kleines Warm-up. Dann geh ich raus und schwatze ein wenig mit den Leuten am Set. Das ist so in etwa alles was ich vor den Gigs mache.

So, jetzt kommt die nächste und letzte Runde. Wir geben dir jeweils 2 Auswahlmöglichkeiten von denen du eine wählen kannst. Also los gehts: Camping oder Hotel?

Camping!

LPs oder MP3s?

Für jemanden wie mich, der viel herumreist sind MP3s natürlich unglaublich praktisch. Aber ansonsten eher LP.

Wärst du lieber ein Astronaut oder ein Feuerwehrmann?

Ein Feuerwehrmann!

In deinem CD-Booklet sehen wir abgesehen von einigen anderen Abbildungen aber nur den Astronauten.

Ja, der Feuerwehrmann wäre zu seriös gewesen. (lächelt)

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Volksdroge zum Kauen

Diese Droge muss man mehrere Stunden kauen und in der Wange lagern bis man aussieht wie ein Hamster, damit sich ihre Wirkung entfaltet. In einem Land, in dem man verhaftet werden kann, wenn man sich in betrunkenen Zustand auf der Strasse zeigt und Alkohol nur in den Bars der teuersten Hotels konsumiert werden kann, ist sie allgegenwärtig: die jemenitische Volksdroge Qat.

Qat “lagern”
Den besten Qat kauft man morgens frisch vom Markt, die Zweige sind dann erst wenige Stunden zuvor von den zahlreichen Qatsträuchern im Hochland abgeschnitten und in die Hauptstadt gebracht worden. Konsumiert wird das Kraut aber erst nach dem Mittagessen, entweder zusammen mir Freunden in einer Qatrunde oder ganz einfach während der Arbeit. Man nimmt dazu einige der bitteren Blätter in den Mund, kaut sie ein wenig und lagert sie in der Wange. Das ganze wiederholt man so lange, bis die Wange aussieht, als würde sie gleich platzen. Die Jemeniten nennen das „Qat lagern“.

Diäten, Prüfungsstress und Manneskraft

Die Wirkung der Wunderpflanze entfaltet sich während Stunden und kann je nach Stadium sehr unterschiedlich sein, deshalb kauen die Jemeniten die Blätter aus verschiedensten Gründen: Frauen schätzen den Qat wegen seiner appetitthemmenden Wirkung während Diäten, Studenten konsumieren ihn während Prüfungen, weil er in einem bestimmten Stadium ähnlich wie Kaffee wachhält und angeblich gut für die Konzentration ist. „Richtige“ Männer schwören auf den Qat, weil er ihnen angeblich grössere Potenz verleiht. Viele aber kauen die Blätter auch ganz einfach, um für einen kurzen Moment glücklich zu sein und die Alltagssorgen zu vergessen.

Wildgewordene Ziegen
Wie die berauschende Wirkung der Pflanze entdeckt wurde und wieviele andere Kräuter, Gräser, Büsche und Bäume zuvor gekaut werden mussten, ist unbekannt. Eine jemenitische Legende besagt, dass ein Hirte die Droge entdeckte, als er seine Ziegen im Hochland weiden liess. Eines Tages frassen diese die Blätter eines Qatstrauchs und legten sich am Abend nicht wie erwartet schlafen, sondern sprangen wie wahnsinnig geworden die ganze Nacht umher. Der Hirte fand die Ursache für das ungewöhnliche Verhalten seiner Herde und entdeckte so den Qat.

Das Qatkauen hat allerdings seine Schattenseiten: viele Jemeniten geben einen beträchtlichen Teil des ohnehin knappen Einkommens für die Droge aus, und das teilweise täglich. Gleichzeitig werden zu viele der wenigen fruchtbaren Flächen des Landes für Qat-Anpflanzungen benutzt, was den Jemen abhängig macht von Nahrungsmittelimporten und in jüngster Zeit sogar in eine Ernährungskrise führte.

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“So freundlich, so fussballverrückt”

Nun ist es entschieden: Die Spanier sind Europameister. Das Team unter Luis Aragones zeigte sich beim Finalspiel in Bestform und gewann gegen Deutschland 1:0. “Xavi” Hernandez, der schon 2006 mit dem FC Barcelona die Champions League gewann, zog die Fäden im Mittelfeld und gestaltete das Spiel der Spanier dynamisch.  So dynamisch, dass die Deutschen glatt das Nachsehen hatten. Obwohl Fernando Torres die einzige Sturmspitze der Spanier war, hätte man meinen können, dass zehn Stürmer gleichzeitig auf dem Feld stehen. Kein Wunder also, dass das entscheidende Tor in der 33. Minute von Torres kam.

Deutsche scheitern am Torhüter
Dem deutschen Team gehörte zwar ganz klar der Luftraum, doch das nützte den Spielern unter Trainer Jochaim Löw nicht viel: Die Spanier spielten den Ball meistens so flach und schnell, dass es den Deutschen kaum gelang, ihn in ihren Besitz zu bringen. Nach der Einwechslung von Kevin Kuranyi in der zweiten Spielhälfte wurde das deutsche Spiel nochmals aggressiver. Die Mannschaft suchte das Ausgleichstor, scheiterte aber immer wieder am Captain der Spanier, dem Torhüter Ilker Casillias. Nach 90 Minuten und drei Minuten Verlängerung war es klar: Nach 44 Jahren ohne EM-Pokal Jahren haben es die Spanier wieder einmal geschafft, Europameister zu werden. Zu Recht.

Auch Tink.ch hat die Euro 08 mitverfolgt, mal mit Tipps zum Abschalten vom Fussballtrubel, mal mit Kommentaren zu den holländischen Fans in der Berner Altstadt. Für das Finalspiel besuchte Tink.ch-Reporter Mehmet Coskun die Public Viewing-Zone in Olten und fragte drei Besucher nach ihrer Prognose für das Spiel.

Ein Tauchgang ins Europa von Gestern

In das Buch “Die Welt von Gestern” von Stefan Zweig (1881 – 1942) einzutauchen, ist wie ein Tauchgang in ein Korallenriff, in dem die schönsten Seepferdchen herumschwimmen. Wie ein Seepferdchen, ganz optimistisch eingestellt und mit Schönheit bestechend, zeigen sich die klaren Gedanken Zweigs: Ein Europa ohne Grenzen, ohne Krieg, ohne Menschenverachtung. Und doch: Wer weiss, dass Zweig während der Zeit der beiden grossen Kriege Europas lebte, wird folgerichtig vermuten, dass auf dem Tauchgang nicht nur herzige Tiere zu entdecken gibt. Wer sich in die Weltmeere wagt, sieht sich ebenso schnell von giftigen Seeschlangen umzingelt.

Melancholischer Blick

So ist denn auch der Blick auf das Schöne und Gute, das Zweig in seiner Jugendzeit erlebt, getrübt. Mit melancholischem Blick schaut Zweig zurück auf eine der wichtigsten Phasen seines Lebens, die stellvertretend für die Jugendzeit einer ganzen Gruppe von intellektuellen Personen steht. Deren Leben findet in den bürgerlichen Institutionen Wiens statt: in erster Linie in den Kaffeehäusern, wo aktiv diskutiert und debattiert wird, im Theater, den Konzertsälen und den Bibliotheken.

Ein Zitat aus dem autobiografischen Werk zeigt den kulturellen Heisshunger von Zweig und seinen Gefährten: “Wir schlichen uns in Proben der Philharmoniker, wir stöberten bei den Antiquaren, wir revidierten täglich die Auslagen der Buchhändler, um sofort zu wissen, was seit gestern erschienen war. Und vor allem, wir lasen, wir lasen alles, was uns zu Händen kam. Aus jeder öffentlichen Bibliothek holten wir uns Bücher, wir liehen einander gegenseitig, was wir auftreiben konnten. Aber unsere beste Bildungsstätte für alles Neue blieb das Kaffeehaus.”

Künstler, Literaten und Musiker

Bliebe man bloss bei den Erinnerungen an die Jugendzeit, würde man dem Charakter der “Erinnerungen eines Europäers” nicht annähernd gerecht werden. Die Vielschichtigkeit des Werkes ist allerdings nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: So erinnert sich Zweig in seinem autobiografischen Werk an seine Freunde aus Künstler-, Literaten- und Musikerkreisen, sodann wird er politisch und kommentiert mit der für eine Pazifisten obligaten Portion von Bitterkeit die Anfänge des Nationalsozialismus und deren Auswirkungen auf den kleinen Bürger und Bauer.

Aus den Schilderungen der Freundschaft ist immer eine Bewunderung für das Schaffen oder die Menschlichkeit herauszulesen, die nicht bloss unkritisch reflektiert wird, sondern auch in eine Abneigung umschlagen kann. Als Beispiel einer Freundschaft der uneingeschränkten Bewunderung soll hier Rilke genannt sein, zu dem Zweig in Paris eine intensive Freundschaft pflegte, die im Laufe des Buchs immer wieder erwähnt wird.

Perle im Korallenriff

Sucht man ein zusammenhaltendes Band des fünfhundert Seiten starken Buches, so findet man dieses sicher eher im sprachlichen Können als in der thematischen Einheit. Man würde auch nicht erwarten, dass ein Buch, dessen Untertitel den Inhalt mit “Erinnerungen” gleichsetzt, unter einen anderen Hut gesteckt würde als eben die Erinnerungen. Wie ein Strudel aber vereinnahmt einen der Rhythmus der Sprache, die als Perle im Korallenriff den Takt angibt, in dem die Seepferdchen Europas zu tanzen haben und den Leser dazu verführen, an einer Zeit und einer Welt teilzuhaben, die nach ganz anderen Regeln funktioniert als diejenige, welche die heutige Leserschaft kennt. Der Strudel der Sprache ist es denn auch, der laut gelesen dem Getöse des Alltags seine Kraft nimmt. Es ist aber auch die Sprache, die ein zusammenhängendes Europa entstehen lässt während einer Zeit, in der Europa alles andere als eine Union darstellte.

Info


Zum Autor: Stefan Zweig lebte vom 28. November 1881 bis zu seinem Freitod im Februar 1942. Zu seinen frühen Werken gehören Übersetzungen von den französischen Dichtern Verlaine, Baudelaire oder Verhaeren. Bekannt ist er vor allem für seine epischen Werke und Miniaturen geworden.

 

Zum Buch: Das Buch "Die Welt von Gestern": Erinnerungen eines Europäers sind bereits in ihrer 37. Auflage. Als Taschenbuch ist es beim Fischer Verlag für zirka 22 Franken erhältlich.

“Unsere zweite Platte war Schrott”

Hey Nicky, alles ok?

Alles im grünen Bereich soweit. Ich konnte gestern zeitig ins Bett gehen. Ich habe zwar deshalb den Match verpasst, aber das macht mir nichts aus. In England hätte ich jetzt aber wahrscheinlich ernste Probleme am Hals.

Magst du Fussball?

Ja, sehr sogar! Aber gestern entschieden wir uns dennoch, in Zürich ein wenig spazieren zu gehen statt das Spiel zu gucken.

Die letzten paar Monate waren sicher aufregend euch. Ihr habt vom New Musical Express (NME) den “Godlike Genius Award” verliehen bekommen. Hättet ihr euch das vor 10 Jahren erträumen lassen?

Das ist sicher eine grosse Ehre für uns, denn als wir jünger waren, lasen wir oft den NME. Hättest du uns vor 20 Jahren prophezeit, dass wir einst Besitzer dieses Awards sein würden, dann hätten wir dir wohl nicht geglaubt. Auch diesen Januar, als wir den Award tatsächlich bekam, haben wir überhaupt nicht damit gerechnet. Wir sind im Moment sehr, sehr glückliche Jungs.

Wenn wir gerade von Veränderungen reden: Nachdem die Single “You Love Us” 1982 erschien, schien es, als ob ihr das Spiel mit der Presse fast ebenso gut beherrscht wie zuvor die Sex Pistols. Doch die Manipulationen kamen seither auch immer wieder von Seiten der Presse, vor allem wenn man eine noch junge Band ist, hat man es zum Teil schwer. Ein gutes Beispiel dafür wäre der NME, der neue Bands in Hypes verwandelt um sie später niederzuschlagen.
Ich denke das ist dann aber eher die Schuld der Bands, die heute einfach an Nichts mehr interessiert sind. Es geht ihnen nicht mehr genug um Leben und Tod. Eine Band unserer Generation kümmerte sich noch um solche Sachen. Und es ist nicht einfach eine Show die wir aufsetzen. Wir haben immer an das geglaubt, was wir sagen. Ich denke, unsere Generation von Musikern wie Oasis, Blur, wir machen immer noch gute Musik. Wir haben noch Etwas zu sagen.

Würdest du sagen, dass junge Bands mittlerweile zu angepasst sind, und ihre Meinungen nicht mehr laut genug äussern?

Oh ja! Vor allem in England waren die letzten zehn Jahre sehr dekadent. Bands beschäftigen sich zurzeit nur damit, sich zu verlieben, Drogen zu konsumieren und Party zu machen. Das kann ich verstehen, denn die letzten zehn Jahre ging es unserem Land wirtschaftlich sehr gut. Aber jetzt ist es an der Zeit,  ins Studio zu gehen und anständige gute Musik zu machen. (lacht)

Was ist mit The Enemy? Könnten die eure musikalischen Nachfolger sein?

Ich bin ein grosser Fan von ihnen! Sie haben uns letztes Jahr auf unserer Tournee begleitet und sie waren einfach fabelhaft, jede einzelne Nacht!

Tom (Clarke, Sänger) ist sehr intelligent. Er gesellte sich während dem NME Award Konzert zu uns. Nun hoffe ich, dass ihr zweites Album so gut sein wird wie ihr Erstes. Unsere zweite Platte war es nicht, sie war Schrott! (lacht)

Ihr habt verschiedene Phasen durchgemacht, von Punk zu Glamrock. Was steht als Nächstes an?

Das Album, das in unseren Köpfen herumschwirrt, besteht aus schnellen und harten Riffs und zugleich ruhigen akustischeren Stücken. Ein sehr kontrastreiches Album. Ob wir es aber tatsächlich so realisieren werden, steht in den Sternen.

Was hast du nach all diesen Jahres des Musikmachens gelernt?

Die Sache, die mir wirklich bewusst wurde, ist, dass wir drei (Nicky, Sänger James Dean Bradfield und Schlagzeuger Sean Moore, Anm. d. Red. ) die besten Freunde sind und es immer bleiben werden. Wir kennen uns schon so lange. Ich ging zusammen mit James zur Schule, als ich vier war. Genauso mit Richey (Richey James Edwards war der Gitarrist der Band. Er verschwand 1995 spurlos, Anmd. d. Red.) . Wir vier, wir haben einander wirklich lieb gewonnen. Es ist sehr selten, dass du über so lange Zeit befreundet bleibst. Das ist die Hauptlehre die ich aus den letzten zwanzig Jahren ziehen kann.

Gibt es ein Motto, das dich über die Jahre begleitete?

Ja, Richey wiederholte immer wieder: “Be Pure, Be Vigilant, Behave.”

(“Sei echt, sei aufmerksam und benimm dich.”)

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Blasse Stimme, geniale Musik

Dass Scarlett Johansson eine talentierte Schauspielerin ist, steht ausser Frage. Jetzt hat sie ein neues Hobby: Das Singen. Und covert ausgerechnet Songs von Tom Waits. Eine Herausforderung, der sie nicht gewachsen ist.

Neun der zehn Stücke auf dem Album “Anywhere I lay my Head” stammen aus der Feder von Waits. “Songs for Joe” hat Johansson selber geschrieben. Das
ändert jedoch nicht viel am Gesamtbild der Scheibe. Die Musik ist genial, ihre Stimme aber ist nicht kräftig genug, um den SonAny whes gerecht zu werden. Zudem tönt es nicht wie Scarlett Johansson.

Die Voraussetzungen für ein tolles Album wären vorhanden gewesen. Als Produzenten hat sie sich David Sitek geangelt. Zudem sangen im Studio David Bowie und Nick Zinner (Yeah Yeah Yeahs) mit.

Eine Perle beinhaltet die CD dennoch – den von Johansson selbst geschriebenen Song “Songs for Joe”. Scarlett zeigt damit, dass sie Talent hat, Texte selber zu schreiben. Alles in allem reiht sich die CD von Scarlett Johansson aber nahtlos in die Ruhmeshalle der Möchtegern-Sängerinnen ein. Sie sollte sich weiter auf die Schauspielerei konzentrieren. In diesem Metier ist sie top.

Das Holland-Wunder endet im russischen Roulette

Die im Vorfeld der Euro 08 vorbereiteten Extra-Campingplätze im Raum Bern machten sich bezahlt. Rund 200 000 Holländer kamen in die Bundeshauptstadt und die umliegenden Regionen. Das grosse Fest konnte beginnen.

Die holländische Nationalmannschaft enttäuschte ihre Fans nicht und siegte im Startspiel gegen Weltmeister Italien mit 3:0, klar und trocken.

Nach dem Spiel waren die Meinungen gespalten. Viele Experten sagten, die Holländer könnten nicht nochmals solch einen Exploit zeigen. Doch lagen sie falsch. Auch im zweiten Spiel gegen die Franzosen zeigten die Holländer, wer der Platzhirsch ist und verteidigten die Führung in der so genannten “Todesgruppe” klar. Spätestens nach diesem Spiel waren sich alle einig, dass Holland Favorit auf den Europameistertitel sein würde.

Die Fans tobten weiter, der Bundesplatz gehörte den Holländern und Bern war für einmal die Fussballmetropole Europas. Im dritten und letzten Gruppenspiel war Holland nicht mehr unter Zugzwang. Der Gegner hiess Rumänien. Mit einer Niederlage hätte man Italien und Frankreich mit einem Schlag aus dem Turnier werfen können. Weil aber die Holländer nicht gerne verlieren, spielten sie auch in dieser Partie auf Sieg und gewannen schliesslich 2:0.

Im Viertelfinale wartete Russland, der Fussballriese aus dem Osten, der sich in der Gruppe mit England und Kroatien durchgesetzt hatte und sich somit für diese Europameisterschaft qualifiziert hatte. Auch in den Gruppenspielen zeigte das vom Holländer Guus Hiddink trainierte Russland Tempofussball der Extraklasse und zog in die Viertelfinals ein.

Holland stieg als haushoher Favorit in die Partie. Die Fans, diesmal in Basel, waren ausser Rand und Band. Die Partie war von der ersten Minute an spannend und unterhaltsam. Das bessere Ende fanden jedoch die Russen, die kaltblütig und abgeklärt ihr Fussball-Roulette spielten und sich letztlich souverän durchsetzen konnten.

Es war eine schöne Zeit mit den Holländern, die viel tranken und in der Schweiz für ausgelassene Stimmung sorgten. Danke allen Oranje-Fans, die sich mit dem EM-Titel im Feiern trösten können.

“Ich habe meine Ohren immer offen”

Wie fühlt man sich als Aargauer in einer Mundart-Szene die von Bernern dominiert wird?

Manchmal habe ich das Gefühl, ich sei total akzeptiert und niemand mache einen Unterschied zwischen Bern, Aargau oder Basel. Doch manchmal kommen halt auch Sprüche von Leuten, die sagen, sie fänden mich wohl gut, wenn ich in Berndeutsch singen würde. Dieses Land wird immer wieder noch kleiner gemacht wird, als es eh schon ist. Ich bin der Meinung, dass der “Röstigraben” genug ist. Mehr braucht es nicht.    

Wie fühlst du dich, wenn du eine Platte raus bringst und die direkt in die Top 10 der Charts einsteigt?

Ich freue mich sehr. Ich habe ein Album gemacht, das ein bisschen anders ist als die anderen. Es ist trotzdem sehr gut angekommen. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, denn vorher hatte ich einen riesen Bammel.    

Was ist dir wichtiger, eine tolle Liveshow oder eine gute Chartplatzierung?   Am Ende des Tages ist eine geile Liveshow schon schöner. Aber es ist auch toll, wenn man über längere Zeit Platten verkauft, nicht viele aufs Mal, aber dann eben trotzdem im Ganzen 100 000 Stück. Eigentlich mache ich mir aber gar keine Gedanken über den ganzen Kommerz. An Liveshows hingegen, da sind Leute, die dir zuhören. Dann fühle ich mich am wohlsten.    

Schreibst du all deine Lieder selbst?

Ja, ich schreibe all meine Songs selbst und arrangiere sie auch selbst. Es war eigentlich schon immer so: In erster Linie bin ich Gitarrist. Aber ich habe gemerkt, dass man um die Stücke, die ich am besten kann, auch noch Songs drum herum machen kann. Die singe ich dann auch gleich. Darum bin ich während der Entstehung der Lieder ein Alleinunterhalter.

Welches deiner drei Alben magst du am liebsten?

Während der Entstehung einer Platte, gefällt mir immer das Album, das ich gerade aufnehme, am besten. Sobald es aber draussen ist, erinnere ich mich an die älteren CDs und denke: Diese Platte war auch ziemlich gut. Dann höre ich wieder öfters die Älteren und dafür das Neue kaum mehr, weil ich mich damit ja auch so lange herumgeschlagen habe. Es wird sehr wahrscheinlich auch bei meiner vierten Platte wieder so sein, dass ich dann plötzlich wieder “Lieber Lieder” höre.

Wer inspiriert dich musikalisch?

Ich bin einer, der unbewusst immer die Ohren offen hat. Wenn beim Autofahren das Radio läuft, höre ich meist gar nicht bewusst zu, wenn mir aber was gefällt, merke ich mir den Song. Die Sachen in diesem Speicher kommen von überall her, unbewusst.

Hast du irgendwelche Rituale bevor du auf die Bühne gehst?

Das einzig echte Ritual ist, dass wir vor dem Konzert noch einmal alle Lieder, vor allem die Refrains, durchsingen und die ganze Band zusammen ist. Dann gehen wir auf die Bühne und spielen.

Wann hast du mit dem Singen begonnen?

Schon sehr früh, etwa mit fünf Jahren. Mit Acht habe ich immer Pfadfinderlieder gesungen, beschloss dann aber erst einmal Gitarrist zu werden. Singen hat mich gar nicht so interessiert, es war einfach da.   

Du hast ja mit “Unhaltbar” einen EM-Song geschrieben, wem hilfst du jetzt an der EM?

Ich bin ziemlich sprunghaft. Wenn ich mir einen Match anschaue und es hat eine Mannschaft dabei, bei der man die Energie spürt, dann habe ich einfach Freude an denen. So wie zum Beispiel die Holländer, als sie gegen Frankreich spielten. Die haben mich total fasziniert. Spiele wie Griechenland gegen Russland finde ich nicht so inspirierend, und am Schluss taten mir die Griechen ein bisschen Leid.

Wie wichtig sind dir deine Fans?  

Es ist natürlich klar, dass ich ohne die Leute, die meine Musik hören und mir ein Feedback geben, gar nicht wüsste, woran ich bin. Darum bin ich sehr froh, dass ich Fans habe. Das ist nicht selbstverständlich.

Ist deine vierte Platte schon in Planung?

Ja, klar. Ich habe mir schon Songs überlegt, schreibe mir ganz viele Stichworte auf und arbeite an Texten. Im Moment sieht es so aus, als würde die Platte sehr rockig. Ein Gegenpol zur eher popigen CD “Lieber Lieder”. Doch was dann wirklich daraus wird, werden wir noch sehen. Sie soll auf jeden Fall im Herbst 2009 herauskommen.   

Was erhoffst du dir von der Zukunft?

Es wäre schön, wenn ich noch sehr viele Jahre Musik machen und davon leben könnte. Es ist mir sehr wichtig, dass ich mit der Musik alt werden kann.

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