Gesellschaft | 05.05.2008

Zu den Waffen

Text von Marc Vogel | Bilder von Nathalie Kornoski
Der Tink.ch-Kolumnist hat sich schon das ganze Jahr darauf gefreut: Der internationale Tag des Lärms.
Bild: Nathalie Kornoski

Kaum jemand weiss es: Am 16. April war der internationale Tag des Lärms. Ich habe diesen speziellen Tag natürlich ganz klassisch gefeiert: Angefangen hat es mit dem schrillen Klingeln meines Weckers, das ich natürlich schön weiter laufen liess. Das genervte Klopfen meiner Nachbarn unterstrich nur den perfekten Einstieg in diesen, meinen Lieblingstag im Jahr. Denn Lärm kann etwas Wunderbares sein. Natürlich wurde dieser Gedenktag erschaffen, um auf die schädigenden Nebenerscheinungen von Lärm hinzuweisen. Er soll die Bevölkerung mahnen, dass man sich gegen laute, störende Geräusche erheben soll. Aber da ich nicht in der Nähe von Zürichs Flughafen wohne, bin ich in dieser Hinsicht eher tolerant. Deswegen schnallte ich mir auch Tröten unter und Schellen auf die Füsse, bevor ich meine Wohnung verliess.

Das Interessante am Lärm ist ja: Er ist individuell wahrnehmbar. Ob Geräusche als Lärm wahrgenommen werden, hängt von der Stimmung und den Vorlieben jedes Einzelnen ab. Die Einen frohlocken vielleicht einem markerschütternden Kindergeschrei, andere loben dagegen gleich den aktuellen Geburtenrückgang angesichts solchen Krachs. Ich für meinen Teil bin ein wahrer Liebhaber des lauten Geräusches. Ein Symbol für pulsierendes Leben. Der Tag des Lärmes endete für mich im Kino. Natürlich passend zu der italienischen Herkunft des Wortes Lärm („all’arme“, zu den Waffen) bei einem explosionsreichen Actionreisser. Aber als das Pärchen vor mir laut anfing sich gegenseitig abzuknutschen, hörte auch meine Toleranz auf. Bei aller Liebe zum Lärm, das Publikum im Kino hat einfach ruhig zu sein.