Gesellschaft | 13.05.2008

Randständige und Anständige

Text von Lena Tichy
Vom 5. bis zum 10. Mai war das Luzerner Alternativ-Radio 3Fach auf dem Bahnhofsplatz Luzern präsent und sensibilisierte die Öffentlichkeit für das Abfallproblem der Stadt. Tink.ch interviewte 3Fach-Mitarbeiterin Julia Stirnimann.
Treff- und Informationspunkt in einem: Jugendliche bei der Stadtlounge auf dem Bahnhofsplatz Luzern. Fotos: 3Fach Für eine Woche stand er direkt unter dem Triumphbogen vor dem Luzerner Bahnhofsgebäude: Der Übertragungswagen von Radio 3Fach. Natürlich bot die Stadtlounge auch Getränke an -“ und profitierte vom schönen Wetter.

Warum habt ihr euren schönen gelben Übertragungswagen eine Woche lang auf dem Bahnhofsplatz Luzern parkiert?
Wir betreiben noch bis zum 15. Juni eine Stadtlounge, um Jugendlichen eine Plattform und einen Treffpunkt zu geben und zugleich auf die verschiedenen Probleme aufmerksam zu machen, die es rund um den Banhofsplatz gibt: Vandalismus, Littering (Abfall, der achtlos auf den Boden geworfen wird, Anm. d. Red.), Schlägereien und überall Betrunkene, die vor allem am Wochenende recht ausfällig werden. Vom 5. bis zum 10. Mai sendeten wir direkt vom Bahnhofsplatz aus, deswegen der Übertragungswagen.

Wie reagieren die Passantinnen und Passanten auf den Ü-Wagen und das Projekt Stadtlounge?
Die Leute sind überraschend neugierig! Viele kamen zum Übertragungswagen oder zur Bar und fragten, wer wir sind und was wir denn machen. Oft blieben sie dann an der Bar, tranken etwas und schauten dabei zu, wie aus dem Übertragungswagen Radio 3Fach moderiert wurde.

Gibt es auch negative Reaktionen?
Nein. Ausser, dass ab und zu Leute wieder fort gehen, weil sie merken, dass sie für die Getränke etwas bezahlen müssen.

Gabs bis jetzt witzige oder überraschende Vorkommnisse?

Sehr schön war es am Montagabend, als sich das Publikum für einige Momente völlig durchmischt hat. Jugendliche 3Fach-Hörerinnen und Hörer standen mit sogenannt Randständigen an der Bar und diskutierten. Dies ist ja unter anderem das Ziel der Stadtlounge.

Welche anderen Ziele verfolgt ihr mit diesem Projekt?

Wir von Radio 3Fach wollen durch die Stadtlounge mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen und einen Treffpunkt anbieten, an dem sich die Jugendlichen äussern und austauschen können. Eine Umfrage, die in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern für Soziale Arbeit erstellt wird, solle während dieser Zeit die Motive und Gedanken der Jugendlichen aufzeigen. Zudem solle die Stadtlounge auf das Litteringproblem in Luzern aufmerksam machen. Wir verteilen zum Beispiel leere Abfallkübel, die man uns gefüllt zurückbringen kann. Als Goodie bekommt man zum Beispiel Merchandising-Artikel von Radio 3Fach, Gutscheine für den Nachtbus und so weiter. Den Besucherinnen und Besuchern soll so aufgezeigt werden, wieviel Abfall stets auf dem Bahnhofplatz liegt und dass jeder dazu beitragen kann, die Bahnhofsgegend sauber zu halten.

Gibt es Vorbilder für Anti-Littering Projekte aus anderen Städten?
Nein, die Kampagne ist in dieser Form einmalig. Schön wäre es natürlich, wenn wir so erfolgreich wären, dass die „Stadtlounge“ von anderen Schweizer Städten übernommen würde!

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