Gesellschaft | 19.05.2008

Ein paar Häftlinge weniger

Text von Rick Noack | Bilder von Nathalie Kornoski
Seit 2002 halten die Vereinigten Staaten von Amerika in der Buch von Guantánamo eine unbekannte Anzahl sogenannter "ungesetzlicher Kombattanten" fest. Die internationale Kritik ist seither enorm, doch über die 500 Personen, die seit 2002 wieder freigelassen wurden, berichtet kaum jemand.
Bild: Nathalie Kornoski

In den Nachrichten war es nur eine Randbemerkung – wenn überhaupt: Die USA lassen neun Häftlinge aus dem Gefangenenlager Guantánamo südlich von Kuba frei. Ironische Bemerkungen sind angesichts dieser Meldung schnell zur Hand: Die USA lassen zur Abwechslung mal frei, statt einzusperren. Doch statt nur Sprüche zu klopfen, könnte man sich ja fragen, warum diese Neugikeit in den meisten Medien nur so knapp diskutiert wurde. Und nicht nur das: Laut einer Meldung der Deutschen Presse Agentur sind seit 2002 sind mehr als 500 Häftlinge entlassen worden. Doch statt diesen Auslieferungen liest und hört man viel öfter von Festnahmen.

Ich ja auch klar: Jene Medien, die nun seit Jahren alles daran setzten, die USA für ihr politisches Verhalten zu verurteilen, haben wenig Interesse daran, ihr Bild von der bösen Grossmacht zu revidieren. Anti-Amerikanismus verkauft sich eben besser. Doch bei dieser Geschichte scheint noch ein anderer Faktor wichtig zu sein: Wenn jemand in ein Krankenhaus eingeliefert wird ist es eine Sensation – wenn er dann rauskommt, interessiert es keinen mehr. Bloß bei Britney Spears, da war es anders. Aber ihr sind die Fotografen ja auch heute noch auf den Fersen. Liebe Zeitungsleute, Fernsehjournalisten und Radiomacher: 500 entlassene Häftlinge und keinen interessiert es, keiner schreibt darüber, keiner berichtet darüber. Ist euch Britney wirklich soviel Platz wert?