Kultur | 19.05.2008

Auch auf dem Klo

Text von Martin Sigrist
Die Elektro-Überflieger The Whip aus Manchester spielten im Zürcher Abart. Tink.ch traf Bruce Carter und Danny Saville von The Whip und sprach mit ihnen über das Wetter die schönen Seiten Müll.
Sänger Bruce Carter und Keyboarder Danny Saville von The Whip standen Tink.ch-Reporter Martin Sigrist (rechts) Rede und Antwort. Fotos: Kay Fachinger Das obligate Groupie-Bild.

The Whip aus Manchster präsentierten am 24. April im Abart ihr erstes Album „X Mark Destination“, das in der Schweiz am 30. Mai erscheinen wird. Tink.ch traf den Sänger Bruce Carter und den Keyboarder Danny Saville vor dem Konzert und sprach über das heimische Wetter, Ihre Zusammenarbeit mit Kitsuné und Heintjes Zukunft. The Whip spielen am 4. Juli nochmals in der Schweiz, und zwar mit Fisherspooner und Cansei de ser sexy am Montreux Jazz Festival.

Erinnert euch das heutige Wetter in Zürich an eure Heimat?

Bruce: Ja, der Regen verfolgt uns immer. Wir kommen aus Manchester, da sind wir das gewohnt. Immerhin: Diese traurige, morbide und intensive Stimmung ist gut für die Musik.

Traurig, intensiv, morbid – ich finde, das passt zu eurem Sound. Wie reagieren denn die Leute auf euch, wenn sie euch an einem Konzert zum ersten Mal hören?
Danny: Die Leute gehen voll ab, das ist echt schön und überraschend. Wir spielen an Orten wo wir noch nie waren, daher sind wir ganz ohne Erwartungen. Auch ohne, dass wir schon ein Album veröffentlicht haben, ist vielen unsere Musik schon bekannt. Besonders in Deutschland, aber das ist ja sowieso ein Land für Elektromusik.

Was hat euch mehr genutzt, eure Präsenz auf Myspace oder eure Arbeit mit dem Französischen Label Kitsuné?

Bruce: Kitsuné hat uns sehr geholfen, besonders in Japan, aber auch in Europa. Nicht nur ihre Compilations, auf denen wir vertreten waren sondern auch die Tatsache, dass sie unsere ersten Singles veröffentlichten.
Danny: Myspace hilft aber auch, denn dadurch können Leute überall unsere Musik hören. Ich meine, wir sind jetzt auf Tour, obwohl wir noch gar kein Album draussen haben.

Die ersten Worte die ich von euch hörte, war der Text eurer ersten Single: „I want to be Trash“, also so was wie „Ich will Müll sein“. Ist das ein treffender erster Eindruck von euch?
Bruce: Der Song hatte mal viel mehr Text und war depressiver. Es geht einfach darum, nicht irgendeinen Standard erfüllen zu müssen, sondern dass man so sein kann wie man will, auch wenn das Müll wäre. Mit dem ursprünglichen Text wäre das sicherlich einfacher zu verstehen gewesen. Im Grossen und Ganzen ist es jetzt ein positives Statement.

Haben all eure Songs eine tiefere Bedeutung?

Bruce: Sie ist geprägt von dem Gefühl, das wir in der vor unserem ersten  Plattenvertrag hatten, die ganze harte Arbeit, die wir damals leisteten. Die Texte handeln von unserer Motivation das durchzustehen, damit wir endlich Konzerte spielen können.

Für euer heutiges Konzert habe ich eine Vorschau geschrieben. Ich habe den Besucherinnen und Besuchern elektronische Schwitzmusik und heftiges Hüftschwingen angekündigt. Könnt ihr dieses Versprechen halten?
Bruce: Ja klar, die Hüftschwünge gibt es auf jeden Fall, und elektronische Schwitzmusik, also den Ausdruck mag ich besonders. Den werden wir dir vielleicht mal klauen.

Immer gerne. Was hat euch denn sonst noch in Zürich inspiriert?
Bruce: Wir haben im Hotel eine B-Side aufgenommen. Zürich hat’s also auf die Liste geschafft wo wir aufgenommen haben. Wir nehmen immer da Songs auf wo wir gerade Zeit haben, auch auf dem Klo, wenn’s sein muss.

Wir werden uns ja am Montreux Jazzfestival wieder sehen, mal hören, was aus der Züricher B-Side geworden ist. Werdet ihr dort ein Duett mit Fisherspooner spielen?
Bruce: Was, die spielen da? Die habe ich immer so gemocht.
Danny: Das Montreux Jazz sei ja Drinnen, heisst es. Ehrlich gesagt, bin ich recht froh darüber, denn von Dreck und Schlamm habe ich nach dem letzten Glastonbury Festival genug.
Bruce: Fisherspooner…
Danny: Aber wir haben echt viele Festivals vor uns im Sommer, teilweise mehrere pro Tag…
Bruce: Fisherspooner…
Danny: Was ganz schön anstrengend wird.

Bei so vielen Konzerten und Interviews, habt ihr schon blödere Fragen als die von mir gehört?
Danny: Woher unser Bandname kommt, The Whip. Das werden wir oft gefragt. Der Name hat aber keine wirkliche Bedeutung. Wir hatten auch andere Ideen, zum Beispiel Camio Whip oder Underage Whip.
Bruce: Es ist lustig zu sehen, was das Wort in anderen Sprachen bedeutet. Auf Französisch ist es das Holster vom Schwert und auf Holländisch bedeutet es Quickie.
Danny: In Japan haben die Journalisten gut recherchiert, die haben wirklich anspruchsvolle Fragen gestellt.
Bruce: Dafür haben wir hier für die Interviews einen tollen Raum, überall hängen alte Plattencovers und den Gesichtern wurden Schnäuze aufgemalt. Was wohl aus dem Jungen wurde (zeigt auf den ehemaligen Kinderstar Heintje)? Der ist sicher bei Drogen und Prostitution gelandet.

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