Chansons, die in die Beine gehen

Gleich zu Beginn ihres Albums “Adieu Tristesse” schöpfen die Feet Peals aus dem Vollen: “Fantasmes” ist ein Lied zum wach werden und die Glieder ausschütteln. Wie in einigen anderen Stücken des Albums ist auch hier der Rhythmus so schnell, dass Sänger Patrik Zeller kaum zum Luft holen kommt.

Aufgenommen wurde “Adieu Tristesse” wie schon sein Vorgänger “Bonnieux” (2005) in einem Landhaus in Südfrankreich. Das hört man deutlich: Während “Pas bien” bestens zu einem schwermütigen Abend mit Rotwein passt, erinnert “Car je l’aime” an Tage, an denen die Sonne einfach nicht untergehen will. Sie hätten sich in die Breite gegessen, viel guten Wein getrunken und sogar einige Runden im Pool gedreht, schreiben die Feet Peals auf ihrer Webseite. Ein Glück, dass die Gruppe sich neben all dem noch Zeit genommen hat, ein Album aufzunehmen.

Abschiednehmen
Obwohl es bestimmt nicht leicht war, Lieder für sieben verschiedene Instrumente (zählt man die Stimme mit) zu komponieren, geht das Konzept der Band auf. Rhea Matters oft rasend schnell gespielte Violine, Christoph Manis Kontrabass und Patrik Zellers Akkordeon erinnern einem sofort an Chansons aus vergangenen Zeiten, während Pascal Sennhauser an der Gitarre, Stefan Lutstorf am Saxophon und Patrick Keller am Schlagzeug dafür sorgen, dass die Lautstärke oben bleibt.

Ganz zum Schluss werden die Feet Peals nochmals nachdenklich und sinnieren in “Nos chemins” über  die Traurigkeit, die einem beim Abschied nehmen überfällt. Doch das Album würde nicht “Adieu Tristesse” heissen, wenn sie nicht auch diesem Phänomen etwas Schönes abgewinnen könnten. Das Abschiednehmen, so die Aussage des Liedes, erinnert uns daran, was uns wichtig ist. Und das sollten wir mit jenen teilen, die uns am Herzen liegen. Wem akustischer Chanson-Folk am Herzen liegt, kann derweil mal den Tourkalender dieser “Berner Strassenmusikanten” prüfen sich davon überzeugen, dass der Sommer nicht unbedingt nur eine Jahreszeit ist, sondern auch ein Zustand. Wobei die Feet Peals jene sind, die den passenden Soundtrack dazu spielen.

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"Adieu Tristesse" von den Feet Peals kann man direkt auf ihrer Website für 25 Franken plus Porto bestellen.

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Dem Tod in die Augen sehen

Seit 1955 gibt es die Organisation World Press Photo mit Sitz in Amsterdam. Jedes Jahr werden Bilder von Fotografen prämiert. In 10 Kategorien werden die Sieger von einer ausgewählten Jury erkoren, der Gewinner erhählt 10’000 Euro. Die prämierten Werke gehen danach auf Wanderschaft durch die ganze Welt. Zurzeit kann man sie im Papiersaal in der Sihlcity begutachten. Der diesjährige Fotograf des “World Press Photo of the Year” heisst Tim Hetherington. Der freie Fotograf, der oft für das Lifestyle-Magazin “Vanity Fair” arbeitet, wollte eigentlich Filmemacher werden. Die New Yorker Film School liess ihn jedoch abblitzen mit der Begründung, er beherrsche die Filmkamera nicht gut genug. Daraufhin gab man ihm den Rat, Fotograf zu werden. Kürzlich sagte er in einem Interview: “Fotografie ist einfach. Man nimmt die Kamera und zieht los.”

Bild des Grauens
Sein Foto reist zurzeit wortwörtlich um die Welt. Das Bild zeigt einen völlig erschöpften Soldaten vor einem Bunker in Afghanistan. Das Bild wurde am 16. September 2007 unmittelbar nach einem sehr blutigen Gefecht zwischen Amerikanischen Soldaten und militanten Muslimen aufgenommen und zeigt nicht nur die Erschöpfung des jungen Mannes sondern auch sein Entsetzen über das, was er gesehen hat. Sicher ist diese starke Wirkung des Fotos ein Grund dafür, warum es als Siegerbild auserkoren wurde. Zurzeit reist der Fotograf Tim Hetherington durch verschiedene Länder, in denen die Bilder ausgestellt werden. Danach möchte er wieder nach Afghanistan zurück. Er sagt, er müsse die Geschichte der stationierten Männer in diesem Gebiet weitererzählen. Zum Soldaten, den er fotografiert hat, hält er immer noch Kontakt. Dieser ist zurzeit noch immer in Afghanistan an der Front. Hetherington hofft derweil, dass er Soldat gesund wieder nach Hause kommt.

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Trendsetter in der Ferropolis

Jahr für Jahr wächst das Melt weiter. Das Festival, dass zwischen Leipzig und Berlin immer wieder mit einem spektakulären Programm zwischen Elektro und Indie auf Aufsehen sorgt, wird dieses Jahr um einen Tag verlängert um noch mehr Programm Platz bieten zu können. Am Sonntag wird mehr oder minder einem einzigen Headline der Teppich wird ausgerollt, denn Björk wird die elfte Ausgabe des Melt beschliessen.

Das ganze Programm darf sich sehen lassen. Alter Ego, Deus, Hercules and Love Affair, The Teenagers oder die alljährlich begeisternden Hot Chip und viele weitere Bands werden auf zahlreichen Bühnen und fast schon rund um die Uhr Programm fürs Ohr, das Auge und fürs Tanzbein bieten. Das Melt-Festival bietet einen interessanten Rück- und Ausblick auf die grossen und kleinen Trendsetter in der heutigen Zeit.

Früher Kohle, jetzt Konzerte
Das Gelände als weiteres Highlight darf nicht unerwähnt bleiben. Das Festival findet wie immer in der Ferropolis in Gräfenhainichen statt, einem ehemaligen Kohletagebauwerk, aus dem eine Insel inmitten eines künstlichen Sees entstanden ist. Die Bühnen befinden sich unter und zwischen den riesigen ausgedienten Baggermaschinen und werden jedes Jahr noch eine Ecke spektakulärer in Szene gesetzt. Auch das Publikum wird wieder einen für Festivals sehr ungewohnten Anblick bieten. Wie kaum auf einem anderen Openair werden die Menschen statt von Staub Alkohol verschmiert lieber feinsäuberlich die neuste Mode und die trendigsten Frisuren zeigen. Das Melt ist eben auch in dieser Sache etwas Besonderes. Es werden zwar auch dieses Jahr in der Schweiz keine Karten verkauft, doch ist es möglich, bei eventim.ch Tickets zu kaufen und daheim auszudrucken.

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Ein Anti-Liebeslied zum Anfang

Der Hype, der um ihn veranstaltet wurde, nahm er gelassen: Ivo Amarilli alias Baby Genius genoss die mediale Aufmerksamkeit und freute sich schlicht darüber, dass sein Debütalbum so gut ankam. Im Interview mit Tink.ch sagte er denn auch, dass Album bedeute ihm “sehr viel” und er hoffe, dass er als Künstler den Sprung nach Deutschland schaffe.

Das Erstlingswerk von Baby Genius, dessen Booklet mit schönen und ideenreichen Fotos optisch bereits überzeugt, beginnt mit dem Anti-Liebeslied “Couldn’t Love You”. Ein radiotauglicher Song, bei dem man als Zuhörer die Füsse kaum stillhalten kann. Der Luzerner Musiker, der eigentlich Ivo Amarilli heisst, bleibt auch beim darauf folgenden Song “Dance” dieser Linie treu. Eher knarzige Lo-Fi Sounds serviert er mit “Formula”, um es danach bei “F.E.V.E.R.” oder “Ain’t No TV Show” wieder richtig krachen zu lassen. Mit dem melodiösen Abschlusssong “A New Interesting Kind” überzeugt Baby Genius auch als Singer/Songwriter und zeigt, dass er ruhigere Titel ebenso gut drauf hat wie gitarrenlastigen Brit-Rock.

Mit “Baby Genius”  ist dem jungen Luzerner Musiker  ein vielfältiges, mit einfachen, frohen Riffs gespieltes Debütalbum gelungen. Man kann schon gespannt sein auf sein nächstes Werk, das  laut seiner eigenen Aussage im Interview mit Tink.ch  das Debüt noch übertreffen wird.

Wettbewerb und Infos


Tink.ch verlost dreimal das Album "Baby Genius" von Baby Genius. Einfach bis zum Samstag 31. Juni eine Mail lena.tichy(ät)tink.ch schreiben und die Postadresse angeben.

Das Album kann man auch bestellen und zwar für 20 Franken (inkl. 3 Fr. Porto) beim Label Little Jig Records (siehe Link).

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Schwitzen und geniessen

Wer sich in die Alpen aufmacht, sollte nicht allzu zimperlich sein. Denn auf der Alp Corwetsch, auf der Simplonsüdseite auf über 2000 Meter, wird Komfort nicht gerade gross geschrieben. Doch so soll es sein: Im Alpen-Camp von Young Caritas können Jugendliche diesen Sommer vom 10. bis 15. August das Leben in den Bergen kennen lernen und eine Bauernfamlie eine Woche lang bei ihrer Arbeit unterstüzten.

Als Belohnung gibt es eine herrlichen Aussicht und schier unendliche Landschaften. Doch auch im Paradies gibt es viel zu tun: Arbeiten im Freien, aber auch kleinere Renovationsarbeiten an der Alphütte warten auf die Teilnehmenden.


Erlebnisse stehen im Vordergrund

Durch die vielseitigen Arbeitseinsätze rund um die Alp Corwetsch sollen die Teilnehmenden unvergessliche Erlebnisse mit nach Hause nehmen können. Schweiss gehört dabei auf jeden Fall dazu, ist das Arbeiten im anspruchsvollen Berggelände doch kein Zuckerschlecken. Zur Erholung nach den Strapazen steht allen das natürliche Schwimmbecken der Bergbauernfamilie offen. Für das leibliche Wohl ist während der ganzen Woche natürlich ebenfalls gesorgt. Wer Kletterschuhe zuhause hängen hat, sollte diese auf keinen Fall vergessen, da die Arbeitszeiten flexibel gehandhabt werden und immer wieder Zeit für kleine Ausflüge bleibt.

Der fünftägige Alpenspass kostet inklusive Unterkunft und Verpflegung 220 Franken. Die Anreise zur Alp findet mit dem öffentlichen Verkehr und einem Fussmarsch von etwa einer Stunde statt. Es lohnt sich also, die Wanderschuhe bereits am ersten Tag anzuziehen.

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Idyllen jenseits vom Spielfeld

BQM

Das BQM hat sich in den letzten sechs Jahren als Kulturbeiz gleich neben der ETH Zürich etabliert. Egal ob man nur schnell auf die Sonnenterasse sitzen möchte oder mit Freunden ein Bierchen trinken oder eine Band hören will, das BQM bietet all dies an. Die Gäste der Bar sind dank ihrer Nähe zur Uni und der ETH sehr jung und nett. Wer den Aufstieg auf den “ETH-Hügel” auf sich nehmen will, findet im BQM eine schöne Möglichkeit, die Aussicht über Zürich zu erschwinglichen Preisen zu geniessen.

Grund zum Jubeln: Das BQM ist nicht teuer und von der Terrasse hat man eine super Aussicht über die Stadt Zürich. Die Tatsache, dass das BQM nicht in der Stadtmitte und auf einem kleinen Hügel liegt, sollte Fussballfans abhalten. Werden die EM-Spiele aber auf einer Leinwand oder per TV übertragen werden, hat man Pech gehabt.

Rote Karte: Wegen der grossen Menge an Studenten, kann man nicht gut abschätzen wie fest die EM ein Thema im BQM sein wird.

So findest du hin:

Die Tramlinie 6, 9 und 10 bis zur Haltestelle “ETH/Universitätsspital” nehmen. Per Tannenstrasse erreichst du dann das BQM. Falls du dich verirrst, hilft dir bestimmt eine Studentin oder ein Student bei der Wegfindung.

Belvoirpark

Der Belvoirpark ist eine Mischung aus normalem Park mit Bäumen, Wiese und Teich und einem Irisgarten. In der Blütezeit zwischen März und Juli findet man über 120 verschiedene Irissorten. Der Park ist für Jogger genau so gut geeignet, wie für gemütliche Menschen, die gerne einmal ein Nickerchen machen. Der Park ist zwar nicht gerade in der Stadt Zürich, der Anfahrtsweg lohnt sich aber allemal.

Grund zum Jubeln: Wer nach einem anstrengenden Tag in der Stadt gerne einmal die Füsse hochlegen und nichts tun will, ist im Belvoirpark genau richtig. Viele Bänke, die grosse Rasenfläche und die schöne Umgebung sorgen für das Höchstmass an Entspannung und Ruhe. Für alle die genug geschlafen haben, bietet die Nähe zum Zürchersee eine zünftige Abkühlung.

Rote Karte: Gerade zentral ist dieser Park nicht gelegen, aber wenn man sowieso ein GA hat, sollte man nicht lange nachdenken und einfach ins Tram steigen und die 10 Minuten lange Reise auf sich nehmen. Und sonst tuts auch ein SBB-City-Ticket für die Stadt Zürich.

So findest du hin:

Mit dem Tram Nummer 7 in Richtung Wollishofen. Bei der Haltestelle “Brunaustrasse” aussteigen, in Fahrtrichtung links über die Strasse gehen und schon stehst du vor dem Belvoirpark.

Künstler und Monster

Die Idee klingt interessant: Aus dem Leben einer historischen Person zwei Leben zu machen, die weder strikt biografische noch vollkommen fiktionale Züge tragen. Die Person, die sich Eric-Emmanuel Schmitt für seinen jüngsten Roman dafür ausgewählt hat, ist keine andere als Adolf Hitler, der in den Köpfen der Menschen als Typus des Abschaums herumgeistert.

In seinem Buch “Adolf H. Zwei Leben” erzählt der Bestellerautor einmal von Adolf H., dem Künstler und ein anderes Mal von Hitler, dem Diktator, mitsamt seiner Vorgeschichte, die uns allen aus Geschichtsbüchern so präsent ist. Dabei überlagern sich die beiden Figuren: die Sprünge vom Diktator zum Künstler sind manchmal so schnell, dass man versucht ist, den designierten Diktator für den Künstler zu halten und umgekehrt. Obwohl die zwei Leben durch die unterschiedliche Namensgebung eigentlich leicht zu trennen sein sollten, muss man sich immer wieder vergewissern, welchen der beiden Gesellen man vor sich hat.

Eine Person, von sich getrennt

Der Ursprung der beiden Figuren ist der junge Erwachsene Adolf H., der die Aufnahmeprüfung an die Wiener Kunstakademie in Wien versucht und – im Fall von Adolf H. – schafft. Hitler, die andere Figur im Buch, versagt bei der Prüfung und wird abgewiesen. Diese zwei Figuren gehen von diesem Zeitpunkt der Lebenserzählungen an verschiedene Wege. Der bald darauf folgende erste Weltkrieg entscheidet, vor allem im Falle von Hitler, die weitere Geschichte. Soweit scheint die Konzeption der zwei Leben äusserst interessant. Und sie würde es wohl auch bleiben, wäre da nicht ein ziemlich mühsamer auktorialer Erzähler, der sich in den abwechselnden Passagen mal auf diese, dann auf die andere Ausprägung der Figur Adolf fokussiert.

Was wäre, wenn

Der Erzählton, der die zwei Gesichter von Hitler präsentiert und den aufkommenden Faschismus jeweils verschieden aber immer relativ undifferenziert dokumentiert, ist nahezu unausstehlich. Das gewagte Unternehmen, Hitler zu verstehen, missglückt an diesem Punkt. Und es hätte doch so gut angefangen. Nur schon die Frage, die sich der Leserschaft der zwei Leben implizit erschliesst: Was wäre, wenn Adolf Hitler nicht durchgefallen wäre bei der Aufnahmeprüfung zur Kunstschule, sondern so wie Adolf H. ein erfolgreicher Schüler der Kunstakademie in Wien geworden wäre? Schmitt schafft es leider nicht, darauf eine schlüssige Antwort zu geben und so wird “Adolf. H. Zwei Leben” zu einem Buch, bei dem man spätestens nach der Hälfte lieber aufgeben möchte statt weiterzulesen.


"Adolf H. Zwei Leben" von Eric-Emmanuel Schmitt ist im Februar 2008 in der deutschen Übersetzung (von Klaus Laabs) beim Ammann Verlag in Zürich erschienen. In den meisten Buchhandlungen ist es zu einem Preis von rund 43.90 Franken zu erstehen.

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Geschichtenbazar

“Beschütze meine grosse kleine Welt mit deiner schützenden Hand” (Songzeile)

Mein neuer Nebenjob als Betreuungsperson am Flughafen ist zwar nicht sonderlich gut bezahlt, doch mein Lohn ist etwas viel Wertvolleres: Er schenkt mir viele kleine Geschichten. Menschen aus aller Welt nehmen für eine Viertelstunde auf “meinem” Rollstuhl Platz und während ich sie durch den Flughafen schiebe, erzählen sie mir aus ihrer “grossen kleinen Welt”. Darunter sind viele Menschen, die mich mit ihrem Mut beeindrucken, weil sie sich trotz  körperlicher Gebrechen nicht vom Reisen abhalten lassen. Für mein eigenes Leben ist das sehr inspirierend.

Dabei ist mir aufgefallen, dass sich die Geschichten meiner Arbeitskollegen von meinen eigenen unterscheiden. Da gibt es lustige Geschichten, die unter meinen Arbeitskolleginnen in Windeseile die Runde machen. Diejenige eines 90-Jährigen Thailand-Reisenden zum Beispiel, der an der Sicherheitskontrolle dabei zuschauen muss, wie die Beamten sein Gepäck kontrollieren und dabei ein riesiger Dildo zum Vorschein kommt. Oder die etwas morbide Geschichten von Menschen, die ihre toten Angehörigen im Koffer transportieren, um die horrenden Kosten für einen Leichentransport zu sparen.

Ist es nicht so, dass jeder Mensch jene Geschichten anzieht, die irgendetwas in ihm zum Klingen bringen? Oftmals gleichen sich diese Geschichten sogar im Kern. Jeder Blick auf die Welt erfordert wieder ein anderes Set an Geschichten.
Schon oft habe ich darüber nachgedacht, dass Lockenkopf für mein Schreiben so etwas wie eine “Geschichtenlieferantin” ist. Das liegt vielleicht daran, dass ihre Geschichten im Grundton meistens etwas Lustiges oder etwas Skurriles haben, das sich gut erzählen lässt. Wenn Lockenkopf beispielsweise als Gärtnerin ins Bordell bestellt wird, um bei “Chez Big Mama” die Blumenkisten anzupflanzen, glaube ich nicht, dass mir das jemals hätte passieren können.

Diese Bordell-Geschichte ist irgendwie so absurd, das sie eigentlich nur Lockenkopf in die Welt hinaustragen kann. Selbst der Name ist typisch. Die Bordellinhaberin hätte ja auch Rosi heissen können oder Vicky, aber nein, sie heisst ausgerechnet “Big Mama”. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich geschworen, dass Lockenkopf diese Geschichte kurzerhand selbst erfunden hat. Aber vielleicht ist es ja auch irgendwie so. Wir ziehen jene Geschichten an, die wir selbst hätten erfinden wollen. Oder, anders ausgedrückt: Es werden uns nur jene Geschichten geschenkt, bei denen uns die Ehre zusteht, sie weiterzuerzählen.

Um mehr über sich zu erfahren, müsste man also eigentlich nur die eigenen Geschichten etwas genauer unter die Lupe nehmen. Und was mir bei meinen Geschichtengeschenken am Flughafen auffällt: Meine Rollstuhlpassagiere reisen eigentlich vor allem, um Freunde oder Familienmitglieder zu besuchen. Innert zwanzig Minuten sehe ich zuerst am einen Ort Tränen des Abschieds und am anderen Ort, mit einem anderen Passagier, Tränen der Freude über eine Ankunft. Von Zeit zu Zeit kommt mir das ganz schön schräg vor. Aber es beweist mir eines: Die meisten Menschen reisen nicht aus Ablenkung, Geschäftstüchtigkeit oder Geldgier, sie reisen nicht für einen Tapetenwechsel oder den Traumjob.  Sie reisen, weil sie mit jenen Menschen zusammen sein wollen, die sie lieben.

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Jennifer und ihre Jungs

Jennifer Rostock das sind: Jennifer am Mikrofon, Alex an der Gitarre, Baku am Schlagzeug, Christoph am Bass und Johannes am Keyboard. Die Band besteht in dieser Formation seit knapp einem Jahr. Der ungewöhnliche Bandname entstand aus einem Missverständnis. Dies musste von der Band seither allerdings so oft erklärt werden, dass sie heute gänzlich auf einen Kommentar verzichtet. Jennifer Weist und Johannes Walter, die beiden blutjungen Gründer der Band waren bis 2004 zuerst als Duo mit dem Namen “Aerials” unterwegs.  Nach bestandenem Abitur zogen die beiden nach Berlin um ihre Musikkarriere zu starten. In der Hauptstadt lernten sie dann die anderen drei Bandmitglieder kennen und formen die neue Band Jennifer Rostock.

Grüner Schleim
Die Vier machten sich durch ihren überaus energiegeladenen Stil schnell einen Namen. Die Keyboardeinlagen sorgen dafür, dass man sich gleich in die 80iger Jahre zurückversetzt fühlt. Betrachtet man die Sängerin etwas genauer, ist der Vergleich mit Nena unumgänglich. Doch Nena wirkt gegenüber der verruchten Jennifer viel braver und konventioneller. Deshalb mische man ein wenig Durchgeknalltes von Nina Haagen dazu und man kommt Jennifer Weist schon näher.

Jennifer Rostock vereinen Electropop mit Rock und zeigen gleich selbst, wie man dazu abgehen sollte: In ihrem ausgeflippten und leicht makaberen Videoclip zur Single “Kopf oder Zahl” gibts am Ende eine grüne Schleimdusche für alle.
Das erste Album “Ins offene Messer” kam im Februar in die Läden. Die erste Single Auskopplung „Kopf oder Zahl“ wird auf den Musiksendern rauf und runter gespielt.
Eine Band die aus den Normen herausspringt und ihr eigenes Ding macht.

Wettbewerb:


Am 21. Mai spielen Jennifer Rostock ein exklusives Showcase im Zürcher Abart. Tink.ch verlost 3 mal 2 Tickets für das Konzert. Einfach bis zum 20. Mai um 20.00 ein Mail an tatjana.rueegsegger@tink.ch

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