Gesellschaft | 28.04.2008

Verschwindende Gletscher

Im zweiten Teil der Klimaserie geht Tink.ch der Frage nach, warum an einigen Orten in der Schweiz zuviel und an anderen zuwenig Wasser vorhanden ist.
Das Wasser beim Basler Reihnfall.
Bild: Hermann Radeloff /youthphotos.eu Eine Schweizer Gebirgslandschaft im Nebel. Constanze Gross /youthphotos.eu

Die Treibhausgase sind überall. CO2 ist ein extrem flüchtiges Gas, das sich schnell ausbreitet. Das Gas verbreitet sich gleichmässig in der gesamten Atmosphäre, deshalb stammt das CO2 in der Bündner oder Walliser Bergluft auch aus den Grosstädten wie Mailand oder Paris. Im globalen Vergleich ist die Schweiz vom Klimawandel stark betroffen. Dies zeigen Resultate von Temperatur- und Niederschlagsmessungen im Verlauf des letzten Jahrhunderts. Es wird erwartet, dass der Klimawandel, je nach Landesregion, eine deutliche Veränderung der Niederschlagsverteilung im Jahresverlauf zur Folge haben wird. Die Regenmengen nehmen im Sommer ab und im Winter steigen sie an. Grössere Schneemengen fallen nur noch in höheren Lagen und die Schneeschmelze setzt früher ein.

Damit verändert sich auch die Wasserführung der Flüsse. Die Flüsse werden im Winter und Frühling eher mehr Wasser führen, im Sommer und Herbst hingegen deutlich weniger. Hoch- und Niedrigwasserperioden werden häufiger auftreten. Veränderungen der Temperatur und des Wasserhaushalts wirken sich auf zahlreiche Bereiche aus. Pflanzen und Tiere reagieren auf veränderte Standortbedingungen, Land- und Forstwirtschaft stehen vor neuen Herausforderungen. Die Grundversorgung des Landes, wie wir sie heute kennen, wird nicht mehr möglich sein. Nicht nur wegen der Trockenheit, sondern weil die Unterschiede zwischen warmem und kaltem Wetter so gross werden, dass eine normale Fruchtfolge mit Pflanz- und Erntezeiten nicht mehr eingehalten werden kann. Man muss auf geschlossene Systeme wie Gewächshäuser ausweichen, um Pflanzen zu ziehen.

Wetterabhängige Branchen wie der Tourismus und die Stromgewinnung aus der Wasserkraft sind betroffen. In der Schweiz stammen 60 Prozent der produzierten Energie aus Wasserkraft (Quelle: Bundesamt für Umwelt). Auch die Gesundheit der Bevölkerung wird vom Klima mit beeinflusst.

Gletscher und Flüsse
Vor 20’000 Jahren bedeckte eine gewaltige Eisschicht die Schweiz, nur die höchsten Gipfel der Alpen schauten aus der Gletschermasse hervor. Das Klima war kalt und trocken. Im Vergleich zu den heutigen Sommern lag die Durchschnittstemperatur 8 bis 10 Grad tiefer und die Niederschläge waren geringer als heute. Lange Zeit wechselten sich Wachstum und Rückzug der Gletscher ab. Der durch die Klimaerwärmung hervorgerufene Rückgang der Gletscher beeinflusst den Haushalt der Gewässer. Gletscher sind die Süsswasservorräte der Schweiz, und diese schwinden bei der Temperaturerhöhung so schnell, dass man beinahe zuschauen kann. Seit Mitte der 1970er Jahre haben die Alpen rund 25 Prozent ihres Gesamtvolumens verloren. Seit 1998 hat sich der Rückgang der Gletscher stark beschleunigt. Wenn sich die Gletscher zurückziehen, werden andere Formen von Vegetation das Gebiet erobern und es werden beispielsweise neue Alpseen entstehen. Ohne Gletscher gibt es kein in Festform gespeichertes Wasser und somit keine Reserven für Trockenzeiten mehr. Allein der heisse und trockene Sommer 2003 liess die Alpengletscher um 5 bis 10 Prozent schrumpfen.

Zunahme von Katastrophen
Überschwemmungen, Hangrutsche und Wassermangel haben in der Schweiz stark zugenommen. Der Hitzesommer 2003 war grundsätzlich noch keine Katastrophe, aber für ältere Menschen etwa, war er bereits bedrohlich. Ein extrem tiefer Grundwasserstand hatte zur Folge, dass in einigen Gebieten der Wasserverbrauch eingeschränkt wurde. Dies könnte bald zur Regel werden. Die Sommer könnten in Zukunft ähnlich wie im Hitzejahr 2003 aussehen.

Die Klimaveränderung beeinflusst das alltägliche Wetter, die Häufigkeit und Dauer von Wetterlagen, Stürmen oder Regen. Intensive Niederschläge, sehr heisse Sommer und milde Winter werden langfristig vermehrt auftreten. Im gesamten Meteosystem hat es von Jahr zu Jahr mehr Energie. Dies führt zu viel grösseren Druckunterschieden in der Atmosphäre. Winde, die durch Druckunterschiede entstehen, sind sehr viel stärker, haben mehr Wucht und Zerstörungskraft.
Auch früher gab es im Mittelland schlimmere Katastrophen. Dies waren Einzelereignisse und die Klimatologen handelten mit grosser Vorsicht. Ob dies damals schon mit der Klimaveränderung zusammenhing, kann man auch heute noch nicht sagen. Auffällig ist jedoch, dass alle Rekorde ab dem Jahre 1990 immer wieder von neuem gebrochen werden.