14.04.2008

„Jetzt sind wir stärker denn je“

Text von Janosch Szabo
Es ist nicht lange her, da wurden sie gehypt, bis hinauf auf internationale Bühnen: Die drei Frauen der Zuger Indie-Rockband The Delilahs. Glücklich machte sie das aber nicht und mit dem Management gabs Probleme. Jetzt sind sie neu am Start. Bassistin Muriel Rhyner erzählt die ganze Geschichte.
Muriel Rhyner spricht Klartext: "Wir müssen den Mund aufmachen, wenn wir die Welt verändern wollen." Fotos: Raphael Hünerfauth Die beiden Frontfrauen: Isabella Eder, 21, Gitarre, und Muriel Rhyner, 21, Bass. Es fehlt Schlagzeugerin Michaela Baldinger, 23. Sie sind stolz auf ihre Platte "ohne Schnickschnack und ohne jegliches Geschnipsel." "Alles ging viel zu schnell." Muriel erzählt und Isabella hört zu.

„If we don’t shout“ heisst eure neue CD. Was passiert, wenn ihr nicht schreit? Muriel: Dann passiert eben nichts. Wir müssen den Mund aufmachen, wenn wir die Welt verändern wollen. Wir müssen es immerhin versuchen, und dürfen nicht einfach in uns hineinfressen, was uns beschäftigt. Darum schreien wir, und sagen: Raus damit! Jetzt nach dem Neuanfang sind wir stärker denn je.  

Neuanfang?

Muriel: Vor zwei Jahren haben wir Verträge mit unserem damaligen Management unterschrieben und ein Album aufgenommen. Herausgekommen ist es aber nie, immer wieder wurde die Veröffentlichung verschoben. Das hat uns fertig gemacht. Schliesslich haben wir uns im letzten Herbst von dem Management getrennt und einen Neuanfang beschlossen, auf eigene Faust. Seither fühlen wir uns viel freier.  

Hattet ihr denn gar die Freude an der Musik verloren?

Muriel: Das war das Schlimmste. Es ging uns wirklich nicht gut. Zwar kamen viele Leute an unsere Gigs, aber wir hatten wenig Selbstvertrauen und spürten viel Druck. Alles ging viel zu schnell, wir waren noch überhaupt nicht parat.  

Ihr wurdet sehr gehypt.  

Muriel: Ja, drei Frauen auf der Rockbühne waren eine neue Sache. Nach dem Konzert im Palais X-tra Ende 2005, wo wir die Stereophonics supporten durften, haben plötzlich viele Medien über uns berichtet. Bald darauf folgten erste Konzerte in England und an grossen Festivals in der Schweiz. Ingesamt standen wir innert zwei Jahren auf rund 120 Bühnen.  


Ihr hattet grossen Erfolg. Hat euch das nicht glücklich gemacht?

Muriel: Nein, nicht wirklich. Erfolg ist etwas Schönes, das Rockstar-Ding aber nicht. Wir wollen nicht einfach berühmt werden für Geld und Prominenz. Wir wollen Musik machen, und damit die Leute bewegen. Das Wichtigste dabei ist, dass wir voll dahinter stehen können, dass es unser eigenes Ding ist. Damals aber haben uns viel zu viele Leute dreingeredet.   

Von denen habt ihr euch nun gelöst und selbst eine EP aufgenommen.

Muriel: Das war eine total spontane Aktion. Letztes Jahr im November haben wir uns dazu entschieden, im Dezember haben wir sie aufgenommen. Alles ging sehr schnell. Es ist klar, dass es nicht wie James Blunt tönt, aber das wollten wir ja auch nicht. Wir haben ganz bewusst eine Indie-Platte produziert, ohne Schnickschnack und ohne jegliches Geschnipsel.  


Gefällt euch das Resultat?

Muriel: Ja, sehr. Die Platte tönt genau so wie wir sind, roh und direkt. Es ist ein schönes Gefühl, diese CD in der Hand zu halten. Es ist wie die erste Blüte einer wachsenden Pflanze.    

Warum ist es so wichtig, eine CD zu veröffentlichen?

Muriel: Weil man für die Aufnahmen einer CD intensiv zusammensitzt und die eigene Musik voranbringt. Am Schluss hält man ein Stück Arbeit in den Händen. Das tut der Band gut und auch dem Selbstbewusstsein. Eine CD herauszugeben ist aber auch wichtig, damit die Leute unsere Musik zu Hause hören können und den Zugang dazu finden. Es ist nämlich extrem geil, ein Konzert vor einem Publikum zu spielen, das die Songs kennt.  

Was gibt euch die Musik?

Muriel: Es gibt einem etwas, das unbeschreiblich ist. Es sind viele kleine Sachen, die mir Freude machen, eine neue Gitarre, ein Song der rockt, ein spezieller Effekt oder, dass wir nun im Radio gespielt werden. Ich könnte niemals ohne Musik leben, es würde mir etwas fehlen.

Isabella: Ja, man vermisst es so schnell, die Musik und das Ganze Drumherum.

Infos:


Nächste Konzerte:

– 19. April im Restaurant St. Mauritz in Schötz (LU) mit Mothers Pride  

– 9. Mai im Sous Soul in Bern

– 16. Mai im Stall 6 in Zürich

Die EP "If we don’t Shout"

– erschienen beim Label Little Jig Records

– seit dem 4. April in den Läden

– erhältlich für ca. 15 Franken

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