Kultur | 21.04.2008

Die Welt in Scheiben schneiden

Text von Magalie Marini
Vom 12. bis am 20. April fand in Luzern das Fumetto statt. Tink.ch besuchte das wilde "Comix-Festival" und war begeistert.
Ein Sammelsurium von Kunst: Das 17. Fumetto. Fotos: Tobias Dimmler Dieses Jahr erreichte das Festival einen neuen Besucherrekord: 55'000 Personen haben sich die Ausstellungen in der Stadt Luzern angesehen. Besucher und Besucherin im Festivalzentrum in der Kornschütte, wo die Wettbewerbsausstellung hing.

Bwaaom! Bum! Bang Bang Bang! Diese Ausrufe flogen einem nur so um die Augen am diesjährigen Fumetto. Der Comic wurde wieder einmal gefeiert, in all seiner Wildheit. Grosse Kühe, Wandgrosse Portraits, und zwei Meter lange Bilder-Wellen waren zu bestaunen. Auch was die Werkzeuge betrifft, war fast alles vertreten: Ölfarben, Kohlestifte und natürlich computergenerierte Wesen. Wie immer präsentierte das Fumetto einerseits Einzelkünstlerinnen und -Künstler und andererseits Gruppen, die zusammen dieselbe Idee verwirklichen.

So entstanden Eindrücke, die zum Teil unbeschreiblich sind, und doch ganz konkrete Themen aufzeigen: Freiheit, Zukunft, Liebe, und natürlich unsere Natur. Diese kam vor allem im Wettbewerb zum Tragen, der die Einsendungen zum Thema „Klima“ präsentierte. Jung und Alt zeichneten zu diesem Stichwort individuelle Comics, von denen sich selbstverständlich viele mit der Klimaerwärmung auseinandersetzten. Seien es nun Kinder, die im Namen des Klimas Blumen retteten oder sei es eine Stadt namens Venedig, die einfach nicht mehr gefunden werden konnte, weil sie offenbar versunken war.

Die Ausstellung von Henning Wagenbreth, der die Welt neu gestaltete, war auch sehr beeindruckend. Obwohl er Farben im Überfluss gebrauchte, drückte der deutsche Künstler keineswegs Fröhliches aus: Roboter und viele Gewehre waren seine Sujets, die Geschichte irgendwo in der Zukunft angesiedelt. „Man sollte die Welt in Scheiben schneiden, und diese dann neu zusammensetzen.“ Ein Satz der bei Wagenbreth mehrmals zu lesen war. Expressionismus, Symbolismus und die Popkultur war viel anzutreffen. Das Künstlerquartett The Raindrops ging mit gutem Beispiel voran. Die Berliner Künstlergruppe mixte Popkultur mit einem Universum von James Ensor (Ein früher Expressionist, der off skurrile Skelette und Extremitäten anderer Art zeichnete) und stellte so ihre kritische Haltung gegenüber der Konsumgesellschaft dar.

Keine Tiger
Unter anderem gab es auch Verlage, die eine Exposition zustande brachten. So Drozophile und Atrabile, beide gleicher Herkunft, nämlich aus Genf. Beide sind sie massgebend, was die Förderung von jungen Schweizer Comickünstlerinnen und –Künstlern angeht. Aufgrund seines zehnjährigen Jubiläums stellte sich Atrabile auf witzige Art und Weise am Fumetto vor, indem der Verlag 100 Post-its in einem Raster aufklebte und seine Künstler daraus die Leere füllen liess.

Das KKL tat sich mit den Diplomandinnen und Diplomanden der Kunsthochschule Luzern zusammen und kreierte eine fantastische Ausstellung, die von wandgrossen Portraits und Plakaten bis hin zu Games und Filmen fast alles zeigte. Traumbilder waren da zu geniessen. Insgesamt umfasste das Fumetto 20 Hauptausstellungen sowie und 50 Satellitenausstellungen, die in kleineren Geschäften und Cafés zu sehen waren. Leider wurde die für Donnerstag und Freitag geplante Tigershow der französischen Künstler Ruppert und Mulot abgesagt. Aus Sicherheitsgründen, wie es hiess. Das ist zwar schade, schmälert das Festivalprogramm aber nicht: Auch ohne lebende Tiger kann einem das Fumetto auf eine gute Art Gänsehaut machen.

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