Kultur | 14.04.2008

Die Stargäste

Text von Lena Tichy | Bilder von Lena Tichy
Nicht mit den Killers zu verwechseln: The Kills aus London machen Musik für Schlaflose und ab und zu ein Wiegenlied. Auch ihr neustes Album "Midnight Boom" ist da keine Ausnahme.
Musik für die frühen Morgenstunden: "Midnight Boom" von The Kills.
Bild: Lena Tichy

Einen Grossteil der Faszination für The Kills macht sicher die Tatsache aus, dass Alison Mosshart alias VV und Jamie Hince alias Hotel kein Paar sind. Seit acht Jahren arbeiten die Lebenskünstler, die beide zuvor in anderen Punk-Bands gespielt haben, nun zusammen, und noch immer ist es schwer zu sagen, ob sie nur durch die Liebe zur Musik oder noch durch etwas Anderes verbunden sind.

Klar ist, dass die Verbindung seit dem 2003 veröffentlichten Album „Keep On Your Mean Side“ bestens funktioniert und Mosshart und Hince seither als etwas vom Coolsten gelten, was man als Indie-Fan hören kann. Drei Jahre hat es gedauert, bis nach dem umjubelten „No Wow“ nun das neue Album des Duos erschien. „Midnight Boom“ ist noch mehr als seine Vorgänger eine Sammlung von Songs, die sich auf der Überholspur befinden. Zuweilen fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit von Andy Warhols Factory, als Velvet Underground gerade erst gegründet wurden, und Drogen zur Kunst gehörten wie der Zucker zum Kaffee. Kein Wunder also, dass die Kills eins ihrer Stücke „What New York Used To Be“ nannten, ganz in Erinnerung an die guten alten Tage, in denen der Big Apple noch wahre Freiheit bedeutete.

Gutenachtlied
Doch Hince und Mosshart besingen nicht nur Drugs und Rock’n’Roll sondern auch den Sex, und dies sehr explizit. In einem Grossteil der zwölf Stücke wird gestöhnt, gehechelt, eindeutig getextet oder alles zusammen. Diese Attitüde, zusammen mit einem knochentrockenen Sound, kennt man bereits von Peaches, doch die Kills geben sich nicht ganz so elektronisch. In Stücken wie „Last Day Of Magic“ klingen sie mit ihren Synthies und Gitarrenwänden sogar fast schon wie die kleinen Geschwister von Bloc Party. Zum Schluss ihres neusten Wurfs schenken die Beiden ihrer Zuhörerschaft noch ein Schlaflied, das es in sich hat: Denn wer bei „Goodnight Bad Morning“ genau hinhört, wird feststellen, dass die Glücksgefühle, welche die Kills besingen, allein vom astreinen Speed herrühren, dass sie gerade konsumiert haben.

Allen, die erst nach Mitternacht so richtig in die Gänge kommen und die auch die Ironie angesichts soviel Drogenverherrlichung heraushören, sei dieses Album empfohlen. Alison Mosshart und Jamie Hince erfinden zwar die Party nicht neu, aber ihr Sound ist auf jeden Fall der Stargast.

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