Gesellschaft | 17.03.2008

Warum Mar Cissé bleiben muss

Er lebt seit zehn Jahren in der Schweiz und hat in Uster im Kanton Zürich einen Afrikanischen Kulturverein aufgebaut. Trotzdem soll der Senegalese Mar Cissé am 30. März ausgeschafft werden. Tink.ch erklärt die Hintergründe des Falles.
Mar Cissé (rechts) zusammen mit Richard Schmid, dem Leiter des Freizeit- und Jugendzentrums in Uster, wo Cissé jeweils die Integrationsabende des Afrikanischen Kulturvereins veranstaltete.
Bild: Stefanie Pfändler

Behören haben oft einen ganz eigenen Sinn für Ironie: In derselben Woche in dem der Kanton Zürich Mar Cissé mehrere Tausend Franken für sein Integrationsprojekt zusprach, bekam der 50-jährige Afrikaner vom Migrationsamt den Ausschaffungs-Bescheid geschickt. Cissé kam 1997 auf illegalem Weg erstmals in die Schweiz, verliess sie aber wieder, weil er kein Aufenthaltsgesuch erhielt. Seine damalige Freundin besuchte ihn mehrmals in seinem Heimatland, im Jahr 2000 beschlossen sie zu heiraten und Cissé kam zurück in die Schweiz.

„Eine kleine Katastrophe“
Fünf Jahre hätte er verheiratet bleiben sollen, dann hätte er eine Niederlassungsbewilligung bekommen. Doch so lange hielt die Liebe leider nicht. Cissé, der nicht „einer von denen“ sein wollte, willigte 2004 in die Scheidung ein. Zu diesem Zeitpunkt war der Westafrikaner bereits ein wichtiger Bestandteil des Kulturlebens der Stadt Uster, wo er mittlerweile wohnte. Cissé war zu einer Schnittstelle zwischen den Behörden der Stadt und den in Uster lebenden Schwarzafrikanern geworden. Roland Boss, Kulturbeauftragter der Stadt Uster dazu: „Für die Integrationsbemühungen von Schwarzafrikanern in Uster wäre die Abschiebung von Mar Cissé eine kleine Katastrophe.“

Vor zwei Jahren gründete Cissé in Uster den Afrikanischen Kulturverein, der heute 40 Mitglieder zählt und jeden Monat ins Freizeit- und Jugendzentrum Uster zum Austausch zwischen den Kulturen einlädt. Seit der Senegalese vor vier Jahren Aufgrund von Depressionen zum Sozialhilfeempfänger wurde und man ihm das Arbeitsrecht entzog, sind seine Integrationsaktivitäten das Einzige, was ihm noch Halt gibt. „Das ist, was ich bin. Ohne diese Arbeit wäre mein Leben leer“, sagt er.

Fünf Jahre lang pendent
Dass die Behörden des Kantons Zürich Cissé trotz seinen offensichtlichen Bemühungen ausschaffen wollen, ist nicht das Einzig fragwürdige an der Situation. Denn bevor das kantonale Migrationsamt Cissés Gesuch um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung letztes Jahr abwies, war der Fall zuvor fünf Jahre lang nicht weiter bearbeitet worden. Marc Spescha, Cissés Anwalt, sagte denn auch gegenüber der NZZ: „Dem Gesuchsteller kann deswegen kein Vorwurf gemacht werden, den Fall hat ganz klar das Migrationsamt verschleppt. Was in fünf Jahren bezüglich Integration passiert ist, lässt sich nicht einfach ausblenden.“ Der Anwalt hat bei den Behörden ein Wiedererwägungsgesuch eingereicht, über das in den nächsten Tagen entschieden werden soll.

Kann Cissé bleiben, so wäre dies ein klares Zeichen dafür, dass „Integration“ für die Schweizer Behörden mehr ist als eine hohle Phrase. Denn Mar Cissé ist nicht nur selbst gut integriert, sondern sorgt auch dafür, dass sich andere Menschen aus seinem Kulturkreis besser in der Schweiz zurechtfinden. Zu hoffen ist, dass er das auch noch in der Zukunft tun kann – und zwar mit Niederlassungsbewilligung.

Was du tun kannst:


Zuständig für das Wiedererwägungsgesuch von Mar Cissé sind einerseits Adrian Baumann vom Migrationsamt des Kantons Zürich sowie andererseits Eduard Gnesa, der Direktor des Bundesamtes für Migration. Ihnen kann man jetzt per E-Mail, Fax oder Post signalisieren, dass Cissé nicht ausgeschafft werden sollte. Weitere Infos, Vorlagen und Kontaktadressen gibt es auf der untenstehenden Website.

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