Kultur | 24.03.2008

Politischer denn je

Text von Jill Zimmerli | Bilder von mattafix.com
«Rhythm&Hymns", das zweite Album des Londoner Duos Mattafix, ist das Gegenstück zur ersten Scheibe. Während vorher vor allem Gute Laune verbreitet wurde, steckt jetzt in fast jedem Song eine politische Botschaft. Am 30. März spielen Mattafix im Zürcher X-Tra.
Marlon Roudette (vorne) und Preetesh Hirji bilden zusammen Mattafix.
Bild: mattafix.com

Mattafix, das sind zwei Briten namens Marlon Roudette und Preetesh Hirji, mit dem Talent, ehrliche und bewegende Musik zu machen. Während ihr Debütalbum „Sings of a Struggle“ noch stark von fröhlichen Reggaeklängen geprägt war, kann man ihr aktuelles Werk „Rhythm & Hymns“ musikalisch kaum noch einordenen. Ganz anders verhält es sich mit den politischen Botschaften, die Mattafix verbreiten. Diese sind auf ihrem neuen Album sehr deutlich, und widerspiegeln die Erfahrungen, die das Duo in den vergangenen zwei Jahren gemacht hat.

Roudette und Hirji bereisten über dreissig verschiedene Länder und schlossen viele Freundschaften. „In Israel haben wir wirklich gute Freunde gefunden. Als der Libanon angegriffen wurde, mussten alle ins Militär.“, erzählen sie auf ihrer Website. Dieses Erlebnis verarbeiteten sie im Song „Shake your Limbs“. Das wohl berührendste Lied auf der neuen Platte ist aber wahrscheinlich „Living Darfur“, das die Hungersnöte im Sudan anprangert.  Das Video zum Song drehten Mattafix in einem sudanesischen Flüchtlingslager. Auf die Frage, ob es dabei nicht nur um die Vermarktung von Armut geht, sagen sie: „Uns ist es wichtig, ein Statement für Frieden und Gerechtigkeit zu setzen, die Chartplatzierung interessiert uns nicht.“

„Kein Problem“
Das musikalische Talent liegt vor allem bei Sänger Marlon Roudette in der Familie: Sein Vater ist Cameron McVey, unter anderem der Produzent von den Sugababes, Massive Attack und Eagle Eye Cherry. Während Roudette karibische Wurzeln hat, vertritt Preetesh Hirji die indische Seite. Beide kamen früh mit Musik in Berührung: Marlon spielte mit Leidenschaft Steel Drum und Preteesh arbeitete als Tontechniker für verschiedene Bands. Zwei Kulturen, zwei unterschiedliche Vorstellung von Musik. Doch zum Glück waren beide erfahren und talentiert genug, daraus einen einzigartigen Stil zu schaffen. Es flossen Pop, Hip-Hop, Trip-Hop, Rap, Reggae und vieles mehr in ihre Musik ein. Zum Bandnamen gibt es ebenfalls noch eine schöne Geschichte: „Mattafix“ wird von der karibischen Redewendung „Matter fixed“ abgeleitet. Zu Schulzeiten pflegte Marlon Roudettes Lehrerin ihm jeweils zu sagen: „Marlon, geh heim und mach deine Hausaufgaben.“ Seine Antwort: „Mattafix“. Auf Deutsch bedeutet das soviel wie „Kein Problem“.

Dass Marlon Roudette bei Mattafix den Gesangspart übernahm, ist der Hartnäckigkeit seines Partners Preetesh zu verdanken. Er drängte Roudette beim Debütalbum, die Stücke doch gleich selbst einzusingen, anstatt jemand Weiteres dafür an Bord zu holen. Roudette dazu: „Für mich war es zuerst komisch, meinen Körper als Instrument zu gebrauchen. Heute liebe ich es!“ Trotz der erst kurzen Gesangskarriere singt er schon wie ein Profi. Davon, und von der ansteckenden Livepräsenz der beiden Briten, kann man am 30. März in Zürich überzeugen.

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