Kultur | 24.03.2008

„Literatur schaffen“

Text von Leonie Müller | Bilder von zvg
«Lillian und Lola" heisst der erste Roman des Zürchers Andreas Heusser. Neben dem Schreiben unterrichtet der 32-jährige an der Kantonsschule Oerlikon.
Andreas Heusser (rechts) und Marc Rychener sind zwei der Gründungsmitglieder von "Index", einer Gruppe, die sich der Kultur verschrieben hat.
Bild: zvg

Die meisten Schüler der Kanti Oerlikon kennen Andreas Heusser „nur“ als Deutschlehrer. Was sie nicht wissen: Heusser ist neben dem Lehrerberuf auch noch Schriftsteller. Er selbst bezeichnet sich jedoch lieber als Kulturaktivist. Neben seiner Mitwirkung bei „Index“, einer Kulturnetzwerk aus Zürich, hat der 32-jährige gerade sein erstes Buch „Lillian und Lola“ fertiggestellt.

Inspiriert vom Leben
Vier Jahre hat Heusser daran gearbeitet. Eine lange Zeit, wie er selbst zugibt, doch sie war nötig, um all die Orte zu besuchen, die er in seinem Roman beschreibt. Ausserdem hat Heusser die Zeit genutzt, um sein Manuskript von möglichst vielen Leuten gegenlesen zu lassen, und es so gut es ging zu verbessern. Für seine Geschichte reiste Heusser dreimal nach Indien, mitten ins Zentrum der Story. In „Lillian und Lola“ brennt ein junges Schweizer Pärchen nach Indien durch, natürlich ohne Einverständnis der Eltern. Halb so schlimm, wäre er nicht schon 25 und sie erst fünfzehn. So wird die Liebe zur Straftat. Weil er seine Tochter unbedingt zurückhaben will, macht sich der Vater des Mädchens auf die Suche nach ihr.

Das Besondere an diesem Buch: es ist aus drei verschiedenen Blickwinkeln geschrieben. Andreas Heusser hat diese Erzählform gewählt, um den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit zu geben, alle Beteiligten der Geschichte zu verstehen. Ihm ist wichtig, dass man nicht einfach mit dem Finger auf jemanden zeigt, solange man nicht den genauen Hintergrund kennt. Die Inspiration zu dieser modernen Romeo-und-Julia-Geschichte zog Heusser aus seinem eigenen Leben. Als er selbst noch zur Schule ging, brannte eine Klassenkollegin von ihm ebenfalls mit ihrem älteren Freund durch.

Wort und Wirkung
Der Lehrer und Schriftsteller findet überall Stoffe, die ihn zum Nachdenken bringen. „Man muss sich einfach mal aus der Routine werfen.“, meint er dazu. „Egal ob ich nur hier jemanden beobachte, oder in der Welt herumreise, überall liegen Geschichten bereit.“ Auf die Frage, ob er Lehrer bleiben würde, falls er mit „Lillian und Lola“ Erfolg hätte, weiss Heusser keine eindeutige Antwort. Zwar macht ihm das Lehrersein mittlerweile Spass, doch er kann sich erinnern, dass er selbst nie gerne zur Schule ging. Was wohl daran lag, dass er, wie er sagt „keine gute Lehrer hatte“.  Es jetzt besser zu machen als seine Lehrpersonen damals, ist eine Herausforderung, der sich Heusser gerne stellt. Zudem sichert ihm dieser Beruf die Existenz und gibt ihm trotzdem die Freiheit, nebenher noch schriftstellerisch tätig zu sein.

Obwohl er Germanistik studierte, glaubt Heusser heute, dass es nicht das Fachwissen ist, das ihm beim Schreiben hilft. Lieber verbessert er seinen Stil durch den Austausch mit anderen Schreibenden. Dazu hat er vor einigen Jahren zusammen mit seinem Kollegen Marc Rychener und drei weiteren Kulturschaffenden die Gruppe „Index – Wort und Wirkung“ gegründet, ein Netzwerk verschiedener Künstlerinnen und Künstler, bei dem es unter anderem darum geht „Literatur zu schaffen“. Alle zwei Wochen findet ein Literaturabend statt, an dem verschiedene Texte präsentiert, besprochen und kritisiert werden. Auch Heusser wird weiterschreiben, selbst wenn er mit „Lillian und Lola“ keinen Erfolg haben sollte. Denn die Leidenschaft für die Kunst, davon ist er überzeugt, ist das Einzige was zählt.

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