Kultur | 31.03.2008

„Lieber träumen und nachdenken“

Text von Jessica Hefti | Bilder von Dasoffice.ch
Bei einem gut gemachten (der ehemalige Kellner weiss es!) Espresso verriet der Musiker William White Tink.ch unter anderem, wie seine Musiksammlung zu Kindeszeiten aussah.
Geboren auf Barbados, nun in der Schweiz ansässig: William White.
Bild: Dasoffice.ch

Was ist für dich der Unterschied zwischen deinem ersten Album „Undone“ und deinem neuem Album „Evolution“?
Beim ersten Mal herrschte noch das totale Chaos, auch weil ich selber nicht richtig abschätzen konnte, welche Erwartungen ich an mich stellen durfte und wie weit ich, mit all diesen einfachen Mitteln die ich hatte, komme. Das alleinige produzieren und ohne Band im Studio zu sein, hat sich nun aber zu meiner eigenen Arbeitsweise entwickelt. Somit konnte ich bei der zweiten Platte das Gelernte schon umsetzen und bringe so wiederum viele Erfahrungen für die dritte mit.

Wann zieht es dich dann wieder ins Studio?

Es formieren sich bereits wieder neue Sachen, aber der definitive Zeitpunkt ist eine reine Gefühlssache. Als ich „Can’t Stop Loving You“ von der zweiten Platte, fertig geschrieben habe, wusste ich intuitiv, dass alles was nun folgen würde, Plattenmaterial sein wird. In diesem Belangen höre ich nur auf meine innere Stimme und bin keinem unternehmerischen Druck ausgesetzt.

Hat es für dich auch Nachteile, dein eigener Produzent zu sein?
Ein Nachteil ist sicher der psychische Stress, der ganz auf einer Person, also mir, lastet. Die ganze Entscheidungsfreiheit kann manchmal auch ein zusätzlicher Druck sein. Im Nachhinein sieht man schnell, welche Sachen man besser anders machen sollte. Da könnte ein Produzent mit Erfahrungen sich gleich von Beginn weg einschalten.

Denkst du an Jemand bestimmtes?
Oh, da gibt es so viele wie Sand am Meer. Ich höre viel Musik, bei der mir der Gedanke kommt: „Wow, wer hat das produziert?“. Die Namen sind mir dann meistens nicht geläufig. Auf der rein musikalischen Ebene würde mich zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit Ben Harper oder Mark Knopfler reizen. Auch mal zu erleben, wie ein Prince arbeitet fände ich interessant. Der könnte mir auch sicher auch viel beibringen. (lacht)

Wie geht es mit deiner Musik weiter?
Das Hauptziel ist eigentlich, dass es so weiter geht wie bisher. Nach dem Motto: „Keep the ball rolling“. Ich hoffe, dass meine Musik weiterhin so viel Anklang findet und ich so weiterarbeiten und wachsen kann wie bisher. Natürlich möchte ich auch ins Ausland für Konzerte. Dieses Jahr toure ich noch hauptsächlich durch die Schweiz. Aber nächstes Jahr ist noch vieles offen.

Da ich für ein Jugendonlinemagazin schreibe, musst du mir natürlich noch von deiner Jugendzeit erzählen!
Ich war ein braver Junge und hatte unter den Augen meines strengen Vaters auch keine andere Wahl. Auf dem Land, wo ich aufwuchs, haben wir schon ein paar dumme Sachen gemacht, aber die sind mit dem, was in der Stadt an Streichen angestellt werden kann, nicht zu vergleichen. Ich habe zum Beispiel mit 16 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben einen Polizisten gesehen.

Was waren denn das für Landstreiche?
Wir haben auf einem Hügel gewohnt und ständig Seifenkisten gebaut, um da runter zu fahren. Um diese zu bauen haben wir alles Mögliche geklaut und kaputt gemacht. Immer wieder kam die Frage von den Eltern: «Wo ist dies, wo ist jenes?». Dann war immer gleich klar, dass wir es genommen haben.

Wurde dir dieses Landleben manchmal auch zu langweilig?
Ja, wir hatten enorm viel Freizeit und da kam so weit draussen auf dem Lande schon öfters Langeweile auf. Menschen, die ebenfalls auf dem Land aufgewachsen sind, verstehen mich in diesem Belangen besser. Man flucht und flucht, aber glaub mir, irgendwann später erkennt man die Privilegien, die man hat, wenn man dort aufgewachsen ist, wo es noch grün ist und es keine Kaufhäuser und Schaufenster hat, die einem ständig von den eigenen Gedanken ablenken wollen. Kommt man in die Stadt, merkt man sehr schnell den Unterschied zwischen den Menschen, die schnell alles noch irgendwo einkaufen wollen, zu denen, die lieber ein wenig träumen und nachdenken.

Welche Musik hast du als Jugendlicher gehört?
Meine damalige Musiksammlung bestand zu 60 Prozent aus Bob Marley und  seinen musikalischen Verwandten. Reggae kam gerade auf und Dub in den 70er, 80er Jahren. Dazu der ganze karibische Sound, wie Calypso, Soul und Funk, der damals noch nicht so weitläufig bekannt war wie heute. Natürlich war auch das Radio sehr angesagt. Es gab Sendungen, für die wir nach Hause gerannt sind, um sie auf Kassetten aufzunehmen. Ich hatte über 100 Bändchen, alle fein sauber angeschrieben. Mein Bruder, der noch grössere Fanatiker, hat dann meine Sammlung übernommen und sie um das Zehnfache vergrössert. Er arbeitet noch heute teilzeitlich als DJ auf Barbados. Er ist der Countryboy geblieben, während ich als Musiker weg vom Bauernhof musste.

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