Kultur | 10.03.2008

Kreativ statt aggressiv

Text von Barbara Bodlak | Bilder von Colors
Auf der Bühne des Volkshauses Zürich ging es getreu dem Namen "Colors" bunt zu und her: prominente Künstler wie Greis oder Namusoke, aber auch Nachwuchsbands zeigten unter dem Motto "Musig statt Gwalt" ihr Können.
Die Rapperin und Sängerin hat ihre Wurzeln in Tansania und Deutschland.
Bild: Colors

Das Projekt „Colors“ bringt nicht nur Farbe in die Diskussion über Jugendgewalt, sondern auch einen konkreten und konstruktiven Beitrag zur Problemlösung. Eja Bellmont, Initiatorin und Projektleiterin, will Jugendlichen eine Plattform geben, um sich Aufmerksamkeit und Respekt verschaffen und aggressive Energie in Kreativität verwandeln zu können. Sie hat nicht nur geschickt Jugendliche in die Projektorganisation mit eingebunden, sondern auch wichtige Netzwerkpartner gefunden und Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Verwaltung mit an Bord geholt. Das Konzert war ein Erfolg und voraussichtlich wird es nächstes Jahr wiederholt. Das Projekt Colors geht jedoch über diesen jährlich stattfindenden Anlass hinaus. Bellmont-Kultur, die Firma der Veranstalterin, bietet ganzjährlich Workshops und Kurzveranstaltungen für Schulen auf Sekundarstufe und Jugendorganisationen, wo sich Jugendliche künstlerisch, musikalisch und tänzerisch mit Themen wie Langeweile, Frust, Sexismus und Gewalt auseinandersetzten können und lernen sollen, ihre Aggressionen in schöpferisches Potential umzuwandeln.

Ein bisschen wie die Killerpilze

Der Showteil zu Beginn des Abends wurde durch Jugendliche bestritten, es traten TänzerInnen und SängerInnen mit diversen Schulprojekten auf. Besonders gelungen war der Auftritt des Poetry Slammers Carlo Spiller, der mit seinen eigenen Gedichten das Publikum mitreissen konnte. Die Schülerband Summit, vier Jungs zwischen vierzehn und sechzehn, Gewinner des „Band-it“ 2007, beeindruckten zum Abschluss des ersten Showteils. Optisch, musikalisch und sprachlich (hochdeutsche Texte) erinnerten sie jedoch zu sehr an die deutsche Band Killerpilze und es fehlte ihnen leider noch an eigenem Stil.

Die zweite Hälfte des Abends, den Showteil der Profis, eröffneten die 12 Cans of Tuna Fish. Die junge, freche Melodic-Punk-Band, Gewinner des „bandXsz“ 2006, aus dem Kanton Schwyz bot ausgefeilte Arrangements und  ausgeklügelten dreistimmigen Gesang. Namusoke, die aus Deutschland und Tansania stammende und bereits international erfolgreiche Sängerin, überzeugte mit einer kräftigen, souligen Stimme, Rap-Einlagen und einer charismatischen Persönlichkeit. Sie ist Mitglied der Sisters, eine Band und ein Verein afro-deutscher Künstlerinnen, die sich musikalisch und politisch für Themen wie Rassismus, Bildung sowie Umwelt- und Entwicklungspolitik engagieren. Der marokkanisch-schweizerische Musiker Samir Essahbi verführte das Publikum dann in eine geheimnisvolle, von unterschiedlichsten Rhythmen und Einflüssen geprägte Musikwelt. Mit einer unglaublichen Energie und Spielfreude brachte er den Saal zum Tanzen

Die Übergänge zwischen den Konzerten gestalteten Dirty Hands, eine professionelle Breakdance-Truppe aus Baar. Leider war einer der drei Tänzer verletzt und konnte nicht auftreten, aber die Qualität des Auftritts litt nicht darunter, denn die beiden Anderen lieferten eine leidenschaftliche Show ab. Dirty Hands führen auch eine eigene Break-Dance-Schule, die nicht nur Jugendliche besuchen können. Empfehlenswert für alle, die Freude an Tanz und Bewegung haben.

Greis – das Highlight
Das Programm war leider etwas überladen: Als der lange angekündigte Rapper Greis mit seinem Auftritt den krönenden Abschluss des Abends lieferte, war der Saal bereits halb leer. Schade, denn seine Performance war nicht nur ein musikalischer Genuss, sondern auch politisch scharfzüngig, inhaltlich aktuell und intelligent, wie es die Fans von ihm gewohnt sind. Ein ideales Vorbild nicht nur für die musizierende Jugend. Ärgerlich für die, die extra wegen Greis gekommen waren, das Volkshaus jedoch schon vor seinem Auftritt verlassen mussten, um den letzten Zug nach Hause nicht zu verpassen. Ein Tipp fürs nächste Colors: das Programm an den SBB-Fahrplan anpassen und den musikalischen Höhepunkt für alle zugänglich machen.

Mehr musikalische Bildung
Die wachsende Jugendkriminalität ist ein sich immer mehr in den Vordergrund drängendes Problem der ganzen Gesellschaft und nicht nur „Colors“ hat die Rolle der Musik bei der Lösung dieses Problems erkannt. Musik ist eine universelle Sprache, die ohne Wörterbuch und Dolmetscher verstanden wird. Musik spiegelt unseren Lebensstil und ist heutzutage für die Jugend das wichtigste Medium zur Vermittlung von Emotionen, Weltanschauungen und Paradigmen, aber auch Politik und Philosophie. Die Volksinitiative „Jugend + Musik“ möchte, dass die musikalische Bildung in der Bundesverfassung verankert wird. Ihre drei Hauptanliegen sind, dass erstens die Qualität des Musikunterrichts gleich ist wie in den anderen Fächern, zweitens, dass Kinder und Jugendliche ein Anrecht auf ausserschulischen Musikunterricht haben und drittens, dass optimale Rahmenbedingungen für die Förderung von überdurchschnittlich musikalisch Begabten geschaffen werden. Denn, Kinder mit Instrumentalunterricht neigen erwiesenermassen weniger zu Gewalt und können mit ihren Aggressionen besser umgehen.

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