Kultur | 03.03.2008

Konsum und Kalter Krieg

Text von Lena Tichy
Pop Art wurde nicht in Amerika erfunden. Die Ausstellung "Europop" im Kunsthaus Zürich widmet sich der Entstehung dieser schrillen Kunstrichtung und zeigt noch bis zum 12. Mai Bilder von David Hockney bis Niki de Saint Phalle.
Allen Jones: Female and Male Diptych, 1965, Öl und Bleistift auf Leinwand © 2008 Allen Jones David Hockney: A Bigger Splash (Ausschnitt), 1967, Acryl auf Leinwand © 2008 David Hockney Studio, Los Angeles Sigmar Polke: Freundinnen, 1965/66, Öl auf Leinwand © 2008 Sigmar Polke

Konsumkritisch, ironisch und wild: Pop Art ist schwer zu definieren und entzieht sich nicht selten jeglicher Interpretation. Die Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts entstandene Kunstrichtung bediente sich als erste bei der Bildsprache von Werbung, Fernsehen und anderen Massenmedien. Als einer der bekanntesten Vertreter der Pop Art gilt Andy Warhol, dessen Siebdruck-Bilder von Suppendosen (Campbell’s) und Stars (Marilyn Monroe, Elvis Presley) ähnlich bekannt sind wie heute der Papst oder Paris Hilton.

Tiefer als die Oberfläche?

Doch Pop Art, obwohl amerikanisch bis zum letzten Farbfleck, wurde nicht in den USA erfunden. Das zeigt die Ausstellung „Europop“ im Kunsthaus Zürich, die noch bis zum 12. Mai grosse Werke der europäischen Pop Art präsentiert. Unter anderem erfährt man dabei, dass der Begriff „Pop Art“ um 1955 in London erstmals verwendet wurde, und sich die so betitelte Kunst danach rasant von England nach Frankreich, Italien und Deutschland ausbreitete. In den danach folgenden Jahren des Kalten Krieges fand zwischen Westeuropa und Amerika eine kulturelle Angleichung statt, wie sie vorher nicht möglich gewesen wäre: Filme, Musik und Bücher, aber auch Alltagsprodukte überschwemmten den europäischen Markt und wurden begeistert konsumiert. Über 80 Meisterwerke dieser Zeit aus zehn europäischen Ländern gibt es nun im Kunsthaus Zürich zu sehen. Darunter sind grosse Namen wie David Hockney, Gerhard Richter, Niki de Saint Phalle oder Franz Gertsch aber auch dem Mainstream vielleicht eher ungeläufige Künstler wie Erró und Mimmo Rotella.

„Europop“ kreist um vier verschiedene Motive, die wie Mosaiksteine das weite Themenspektrum der Pop Art umreissen. Während bei „Konsum“ imitierte oder parodierte Werbung gezeigt wird, wartet die „Freizeit“ unter anderem mit farbenfrohen Inszenierungen von zufriedenen Menschen auf. Vervollständigt wird die Gruppe von den Bereichen „Spektakel“ und „Medien“, die an die politische Dimension der oft als oberflächlich dargestellten Pop Art erinnern. Dieser Vorwurf ist angesichts der oft makellosen Oberflächen dieser Kunstwerke sicher nicht ganz falsch. Doch die von Tobia Bezzola und Franziska Lentzsch klug kuratierte Ausstellung schafft es, dass man ein zweites Mal hinschaut.

Info


Die Ausstellung "Europop" im Kunsthaus Zürich läuft noch bis zum 12. Mai 2008. Der Katalog zur Ausstellung ist im Dumon Verlag erschienen, umfasst 316 Seiten mit 160 farbigen Abbildungen und ist für 65 Franken im Kunsthaus-Shop erhältlich.

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