Gesellschaft | 24.03.2008

Fremdflirten

Text von Lena Tichy | Bilder von Nathalie Kornoski
Das Fremdgehen, vermutlich der Beziehungskiller Nummer eins, bekommt Konkurrenz. Was es mit dem Fremdflirten auf sich hat und warum das Wort keinen Sinn ergibt.
Bild: Nathalie Kornoski

Treue, sagen viele Paare, sei für sie das Wichtigste in einer Beziehung. Damit auch der letzte Casanova versteht, wie ernst es den Pärchen damit ist, haben sie Anfang der Nullerjahre den Begriff „Fremdflirten“ erfunden. Er bezeichnet das Flirten von Menschen, die bereits vergeben sind. Beim Flirtpartner handelt es sich nicht um den eigenen, sondern um eine Fremde oder einen Fremden.

Dieses Wort wäre nicht nötig gewesen, denke ich. Aber der Wunsch, dem Fremdgehen ein kleines Geschwisterchen zu schenken, war offenbar stärker. Mit dem Unterschied, dass es das Fremdgehen als Wort tatsächlich braucht, während der Begriff „Fremdflirten“ eher eine Verdoppelung darstellt: Denn mit wem soll man flirten, wenn nicht mit fremden Menschen?

Wenn schon, dann hätte gleichzeitig das Wort „Heimflirten“ auftauchen müssen, aber das tat es nicht. Aus guten Gründen: Flirten ist das Spiel mit dem Unbekannten, dem Neuen und vielleicht auch Verbotenen. Ein Flirt ist, kurz gesagt, ein Risiko. Er findet in den seltensten Fällen Zuhause statt.

Und weil das so ist, wird das Fremdflirten laut einer grossangelegten Internet-Studie (Elitepartner.de) sowohl von Männern als auch von Frauen als „Beziehungskiller“ Nummer eins betrachtet. Befragt wurden für diese Studie allerdings nicht Pärchen, sondern Singles. Vielleicht denken diese anders über das Thema, wenn sie dereinst in einer festen Beziehung sind. Dann haben sie zwar endlich wieder eine Verwendung für das Wort „Fremdflirten“, sind aber gleichzeitig auch mit der Möglichkeit des Fremdgehens konfrontiert. Kein Problem, solange ihnen ihr eigener Partner nicht wie ein Fremder erscheint. Dann würde die ganze Sache nämlich richtig kompliziert werden.