Gesellschaft | 17.03.2008

Ein langfristiges Projekt

Text von Edith Truninger | Bilder von Stefan Wallimann.
Die Eremtin und die Kaktusblüte möchten im Alter gerne gemeinsam wohnen. Und weil die Männer ja sowieso früher sterben, ist dieser Plan sogar ziemlich realistisch.
Bild: Stefan Wallimann.

Die Amazonen haben viele gemeinsame Projekte in Aussicht. Das langfristigste betrifft die Eremitin und mich: Wenn wir alt sind, möchten wir eine Alters-WG gründen. Die Idee dazu kam uns letztes Jahr während einer gemeinsamen Indien-Reise. Es gibt nichts, was dagegen sprechen würde – schliesslich plant keine von uns beiden eine Familiengründung im herkömmlichen Sinn. Ausserdem sterben die Männer uns Frauen ja bekanntlich sowieso früher weg. Es bestehen also durchaus Chancen für die Umsetzung dieses Projekts. Gerade jetzt, wo wir herausgefunden haben, dass wir dieser Studi-WG-Phase entwachsen sind. Das nächste und letzte Zeitfenster für eine WG-Gründung lassen wir uns bestimmt nicht entgehen. Anfänge und Enden sehen sich manchmal verdächtig ähnlich.

Während die Eremitin auf ein Einzelzimmer besteht, wünsche ich mir ein glückliches Händchen bei der Ziehung des Preisausschreibens. Habe ich die Südsee-Kreuzfahrt dann endlich gewonnen, kann die Reise im Kopf beginnen. Selig träume ich von einer Kreuzfahrt auf hoher See, die ich niemals antreten werde. Seit neustem hat sich auch die Römerin unserem WG-Plan angeschlossen. Sie wünscht sich eine Katze (o ja, unbedingt!)  und einen grossen Keller mit gutem Rotwein, um ab und zu ein schönes Kollektivbesäufnis zu veranstalten.

Tatsächlich ist es ein enorm tröstlicher Gedanke, den Lebensabend mit den besten Freundinnen zu verbringen. Dann, wenn die alternden Männer bereits wehleidig sind und unerträglich werden. Und es gibt noch einen anderen Grund: Im Umgang mit Männern legen auch wir immer wieder ein sehr törichtes Verhalten an den Tag. Wir bangen um sie, wenn sie auf Berggipfel klettern, wir warten auf ihre Anrufe oder ihre Kurzmitteilungen und schämen uns dafür, dass unser Glück so von ihnen abhängt. Und dennoch können wir nicht anders. Dabei sollten wir es doch eigentlich besser wissen. Wie die Römerin ganz richtig erkannt hat, ist die einzig treffende Bezeichnung für ein solches Verhalten «töricht». In der Alters-WG können wir dann endlich über all diesen Dingen stehen. Dann kann uns das alles nichts mehr anhaben. Das wird eine richtig „gfreute Sache“. Und für einmal sind wir sogar richtig früh in der Planung…

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