Kultur | 30.03.2008

Der Schlafende

Text von Rosa Stucki | Bilder von Jugendfilmtage
Im Kurzfilm "Dalibor" überzeugt der junge Regisseur Kaya Inan mit einer Geschichte über eine "Freundschaft", die auf einem Müllberg endet.
Im Film "Dalibor" von Kaya Inan trifft ein Kleinkrimineller auf einen schlafenden Mann.
Bild: Jugendfilmtage

Ein scheinbar normaler Feierabend im Zug: Leute steigen ein und aus. Langsam entleert sich der Zug bis auf einen jungen Mann und einen schlafenden Herrn. Unser Blick fokussiert sich auf den Jugendlichen, der nun versucht dem Mann sein Portemonnaie zu klauen. Doch als er seine Hand aus der Innenseite des Mantels vom schlafenden Herrn zieht, ist sie voller Blut. Der Mann ist tot. In genau diesem Augenblick hält der Zug und ein Mädchen steigt ein. Der Jugendliche, Dalibor ist wahrscheinlich sein Name, täuscht vor, dass der Herr betrunken sei und trägt ihn aus dem Zug. So beginnt eine gemeinsame Reise durch den verlassenen Bahnhof, mit dem Einkaufswagen durch die Stadt bis die Beiden schliesslich am nächsten Morgen an einen riesigen Müllhaufen gelangen. Unterwegs erzählt Dalibor „dem Schlafenden“ von seinen Schulden und Problemen. Es scheint, als sei dieser Herr der Einzige der ihm zuhört. Nun liegt er auf einem alten Sofa inmitten des Müllbergs mit einer weissen Blume in der Hand. Für immer.

Gegenseitiges Vertrauen

Der Film „Dalibor“ reisst einem aus dem Alltag, denn die Handlung bleibt spannend bis zum Schluss. Er hinterlässt auch viele offene Fragen, wie zum Beispiel: wer hat diesen Mann umgebracht? Warum hat Dalibor Schulden? Das Können der beiden Schauspieler und ihr gegenseitiges Vertrauen ist einer der Höhenpunkte, denn ganz locker zu lassen und durch die Gegend getragen zu werden, ist ziemlich anspruchsvoll. Obwohl die Geschichte unwahrscheinlich ist, hat sie trotzdem gewisse Verbindungen zur Realität. Kriminalität, Schulden und Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen ist heutzutage ein sehr aktuelles Thema. Der Film macht das Publikum auf diese Problematik aufmerksam, aber nicht in einem trockenen und langweiligen Dokumentarfilm, sondern zieht es ins Extreme und Absurde.

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