Mama als Co-Autorin

Das Programm des wichtigsten Schweizer Nachwuchsfestivals war wie immer breit gefächert: Von Spielfilmen über Animationsfilmen bis hin zu Musikclips und Dokus war alles vertreten. Insgesamt liessen sich 1400 Zuschauerinnen und Zuschauer fünf Tage lang von junger Filmkunst begeistern, indem sie den Schweizer Jugendfilmtagen einen Besuch abstatteten.

Dabei waren die von Moderatorin Susanne Kunz gestalteten Diskussionsrunden zwischen den einzelnen Filmblöcken fast ebenso unterhaltsam wie die Filme selbst. Unter anderem erfuhr man da, dass Sebastian Klinger, der junge Regisseur des überdrehten Abenteuerfilms “Der Smaragd von Cortez” das Drehbuch zusammen mit seiner Mutter verfasst hatte. Oder dass Tobias Kubli, der mit dem einminütigen Animationsfilm “Freiheit” im Rennen war, am liebsten sehr kurze Filme kreiert, “weil die weniger Arbeit machen”.

Die Kategorie C, in der die Beiden ihre Filme eingereicht hatten, zeigte erneut eindrücklich, was Jugendliche, auch wenn sie noch keine zwanzig Jahre alt sind, Zustande bringen. Mit wenig Budget, einfacher Ausrüstung aber in den meisten Fällen gut durchdachten Drehbüchern überzeugten alle gezeigten Filme.

Waffenlos?
Am Abend vor der Preisverleihung konnte man neben den C-Filmen auch die Filme der Kategorie E anschauen, in der Studierende von Filmhochschulen ihre Diplom- oder sonstigen Arbeiten einreichen können. Generell stellen diese Filme ein Highlight des Festivals dar, da sie zwar von jungen Menschen realisiert wurden, aber bereits sehr professionell sind. Auch dieses Jahr wagten die Filmstudentinnen und Filmstudenten in ihren Geschichten ungewöhnliche Schnitte, experimentierten mit neuen Techniken oder gingen, wie Michael Werder mit seinem Dokumentarfilm “WALO” sogar das Risiko ein, strafrechtlich verfolgt zu werden.

Werder erzählt in seinem Film vom Versuch, die eigene Dienstwaffe, die ihm vom Militär aufgezwungen wurde, wieder loszuwerden. Der Filmstudent, der in der Armee als Beleuchter tätig war, sah keinen Sinn darin, eine Waffe zu besitzen und trat den Marsch durch die Institutionen an. Erfolglos, wie wir am Ende des Films erfahren. “WALO” ist ein glaubwürdiger Film über die Schweizer Armee geworden, der zeigt, in welchen Widersprüchlichkeiten sich das Militär zuweilen verstrickt. Werder gewann dafür am Sonntag in seiner Kategorie verdientermassen den Springenden Panther.

Neben “WALO” zeichnete die Jury noch fünf weitere Filme aus, darunter den Film “La vérité qui dérange” des Lycée Francais in Zürich, der sich mit dem Thema “Klima und Umwelt” befasst, dem Wettbewerbsthema der diesjährigen Jugendfilmtage.

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Erwischt beim Tatort schauen

Die Langeweile ist das, wovor wir uns im Leben am meisten fürchten sollten. Ein Augenmerk sei dabei besonders auf die Langeweile in Beziehungen gerichtet. Die Eremitin hat in dieser Hinsicht kürzlich etwas sehr Treffendes gesagt. Sie meinte: “Wenn du dich dabei erwischst, wie du gemeinsam mit deinem Freund auf dem Sofa sitzt und dir Tatort anguckst, hast du verloren.” Und ich weiss genau, was sie meint: Gemeinsam fernsehen – noch dazu Tatort, eine Sendung, die es seit Jahrhunderten gibt – ist der ultimative Beweis dafür, dass einem nichts Gescheiteres mehr einfällt. Die Luft ist endgültig draussen, die Ideen bleiben aus. Der gemeinsame Moment wird nicht mehr gelebt, geschweige denn gefeiert, Küsse nicht mehr gestohlen, die gemeinsame Zeit nicht mehr gewürdigt, sondern ist längst zur banalen Selbstverständlichkeit geworden. Nein danke, Tatort schauen kann ich auch sehr gut alleine. Einen DVD ausleihen und zusammen anschauen hat wenigstens im Ansatz etwas von einem Eventcharakter, zumal es wenigstens eine bewusste Entscheidung erfordert.

Mein persönlicher Horror betrifft diesen Papierkram – zusammen eine Lebensversicherung abschliessen oder die Steuererklärung ausfüllen. Das ist dann, wenn Beziehungen endgültig zu Institutionen werden. Und ich frage mich: Ist es unumgänglich, dass Beziehungen institutionalisiert werden, oder haben wir uns einfach daran gewöhnt? Ich will einen Partner – aber will ich auch eine Lebensgemeinschaft? Kann ich eine Beziehung führen wollen, mich aber gleichzeitig weigern, sie zu einer Institution werden zu lassen? Und wie bitteschön soll ich das anstellen? Ein Patentrezept dafür gibt es sicherlich nicht, aber wie die Römerin ganz richtig geseufzt hat: “Eigentlich ist es ein Wunder, wenn es funktioniert. Wenn sich der Mann in der gleichen Lebensphase wie du befindet und noch dazu emotional und intellektuell auf einem ähnlichen Niveau.” Oder – so mutmassten die Römerin und ich genau gleichzeitig – es funktioniert eigentlich gar nicht, sondern es tun nur immer alle so. Ein Mythos – oder das bestgehütete Geheimnis unserer Zivilisation. Die “richtigen” Amazonen, die sich mit den Männern nur für die Fortpflanzung treffen und dann wieder ihre eigenen Wege gehen, könnten über solche Gedanken bestimmt nur den Kopf schütteln. Sie haben institutionalisiert, was viel realistischer ist: Ganz unverkrampft können sie dazu stehen, dass Fortpflanzung und Liebe nicht zwingend eine Einheit bilden müssen.

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Andere Sitten

Der Film beginnt mit einem Bild eines grossen Transportschiffs, auf dessen riesigem Flatscreen eine Pizza-Hut- Werbung flimmert. Eine Chinesin beisst herzhaft in eine Frühlingsrolle, ein grosses Pizzastück wird gezeigt, vor Käse triefend. Schön animiert, werden rund um die Pizza sonnenstrahlenartig Frühlingsrollen angeordnet. In China ist diese Art Werbung Gang und Gäbe. Dem westlichen Publikum mutet es seltsam an, bei uns wird Essen nicht so angepriesen. Als Filmeinstieg ist es witzig.

Fast Food
Ums Essen geht es während des ganzen Films, vor allem auch darum, wie gegessen wird. Und da ticken die Asiaten ziemlich anders als Europäer. Die Chinesen schlürfen ihre Suppe tief über den Teller gebeugt. Sie essen sehr schnell. In einer Szene im Kindergarten ist ein Kind nicht zu erkennen, es verschwindet fast in seinem Suppennapf. Das gehört sich nicht, findet der Schweizer Andy Mannhart. Darum bietet er beruflich ambitionierten Chinesen und Chinesinnen einen Benimmkurs an, bringt den Teilnehmenden einen Tag lang bei, wie man sich in Europa bei Geschäftsessen benehmen soll, um nicht negativ aufzufallen.

“Ein Tag im Leben”
Die Filmemacherin Claudia Jucker ist über das Magazin des Tages Anzeigers auf Andy Mannhart gestossen. Er hat sich auf der letzten Seite „Ein Tag im Leben“ vorgestellt. Sie wollte ihn kennen lernen, dachte, das wäre ein Thema für ihre Diplomarbeit an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern. Sie reiste für ein Gespräch extra nach Schanghai und bekam den Zuschlag. Während zweiwöchiger Dreharbeiten mit Low Budget und viel Zeit im Schneideraum ist schliesslich ein interessanter Film über die Unterschiede zweier Kulturen entstanden, bei dem durch geschicktes Auswählen der Interviews- neben Andy Mannhart kommen auch Kursteilnehmer zu Wort- auch regelmässig geschmunzelt werden kann.

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Blut und Spiele

“Sport hat nichts mit Politik zu tun.” Das behaupten nach den Krawallen in der chinesischen Provinz Tibet Viele – im Fernsehen, in den Zeitungen und auf Internetseiten. Ursache dafür ist die Diskussion von Politikern und Sportlern, ob man die Olympischen Spiele in China nicht boykottieren sollte. Die überwiegende Meinung der Medien ist: Nein. Ich sage: Ja.

1950 waren die Chinesen in Tibet einmarschiert und hatten es zu einer Provinz gemacht. Seitdem hat China viel in die Infrastruktur von Tibet investiert – doch vor allem die jungen Tibeter werfen dem Regime aus Peking vor, die Kultur der Tibeter auszurotten. Inzwischen leben fast genauso viele Chinesen wie Tibeter in der Hauptstadt Lhasa. Der Dalai Lama ist das religiöse Oberhaupt der Tibeter, der seit dem Einmarsch der Chinesen im Exil in Indien lebt und ein chinesischer Staatsfeind ist. Er bezeichnete die Vorgehensweise der Chinesen in Tibet als “kulturellen Völkermord”.

Vor allem die jüngeren Tibeter wollen sich diesen “Völkermord” nicht länger gefallen lassen. Als im März dieses Jahres Tausende von ihnen unter grossem Risiko auf die Straße gingen, um auf die Situation aufmerksam zu machen, eskalierte der Konflikt. Seitdem sollen mehr als 100 Zivilisten gestorben sein – ermordet von chinesischen Sicherheitskräften. So jedenfalls stellen es die Tibeter dar. Die chinesische Regierung dementiert diese Anschuldigungen noch immer. Damit schadet sich China selbst. Wenn eine Regierung  angesichts der immer noch andauernden Demonstrationen alle ausländischen Journalisten ausreisen lässt, stehen die Ampeln auf Dunkelrot und man ahnt: In Tibet passieren schockierende Dinge.

Nun sollen also die Olymischen Spiele in Peking stattfinden. Blöd nur, dass dort die Regierung sitzt, die seit einem Monat Aufständische brutal prügeln lässt. Wer jetzt noch behauptet, Politik und Sport hätten nichts miteinander zu tun, der kann auch behaupten: Menschen hätten nichts mit Sport zu tun. Denn um nichts anderes geht es: In China werden Menschen umgebracht, weil sie ihre Meinung sagen. Und es deutet nichts darauf hin, dass China sein Verhalten bessern will. Ein Boykott wäre ein deutliches Zeichen dafür, dass der Rest der Welt mit diesem Vorgehen nicht einverstanden ist. Sport hin oder her. Hier geht es um Menschenleben.

“Nach 20 Jahren touren brauchst du wirklich einen Psychologen”

Der Versuch, sich gegenseitig mit geschicktem Auftreten zu übertrumpfen, ist in der Wirtschaft ein grundlegendes Phänomen. Die Spirale dreht sich immer weiter nach oben, die Konkurrenz wird härter: Da ist Innovation gefragt, besonders im Hinblick auf PR und Werbung. Die Miller Brewing Company liess sich etwas Spezielles einfallen. Wie in der berühmten Sage des Rattenfängers von Hameln folgten die Massen ihrem Ruf und pilgerten in die Zürcher Maag Music Hall. Unter dem Slogan “The Miller way of live” stellte der Biergigant ein verlockendes Programm auf die Beine und zeigte, wie es auf der Homepage heisst, “das Aussergewöhnliche auf eine ganz natürliche Art”. Tatsächlich hielt sich der Moderator, der durch den Abend führte, mit Eigenlob und Werbung zurück und richtete den Fokus auf die auftretenden Künstler. Für Abwechslung war gesorgt: Schon am Eingang konnte man Graffitisprayern über die Schulter gucken und BMX-Fahrer lieferten waghalsige Tricks in der Halfpipe. Auf der Bühne wechselten sich eine 18-jährige Hacky Sack-Weltmeisterin, eine Breakdanceformation und eine rasante Trommelshow ab. Zu später Stunde folgten Auftritte der Schweizer Bands Karaoke from Hell und Pegasus. Das eigentliche Highlight war jedoch der Auftritt der skandinavischen Indierockband Mando Diao. Während die Zuschauer den Shows beiwohnten oder sich bei einem Bier entspannten, tummelten sich die fünf schönen Schweden in den Katakomben der Halle. Vor der Show traf Tink.ch den Schlagzeuger Samuel Giers zu einem Gespräch über Ruhm, den magischen Klick und Telefonsessions mit Psychologen.

Ich möchte gerne mit einem Zitat einsteigen –  nicht von einer berühmten Person, sondern von einem australischen Freund von mir. Als er erfuhr, dass ich euch interviewe, schrieb er mir folgende Nachricht: “Oh my god. Oh my god. Oh my god. Oh my god. Let me just compose myself before sending you another message.” Und dann, eine halbe Stunde später: “Hey Mel, you interviewing Mando Diao is probably the greatest thing that will ever happen in both of our lifetimes.” Wie fühlst du dich, wenn du so etwas hörst?
Samuel: Es fühlt sich gut an, ganz klar. Aber du gewöhnst dich nie wirklich daran. Es ist ein sehr seltsames Gefühl, auch wenn wohl jeder auf eine irgendeine Art geliebt und geschätzt werden möchte. Es ist auf alle Fälle gut zu wissen, dass wir uns diesen Erfolg verdient haben: Wir spielen unsere Musik, wir tun also wirklich etwas. Wir arbeiten hart, da ist es schön, etwas zurückzubekommen. Aber manchmal fühlt es sich schon komisch an, wenn dir Fans um die ganze Welt folgen.

Fühlt sich das nicht auch ein bisschen surreal an? Ihr seht euch selbst wahrscheinlich nicht viel anders als noch vor 5 Jahren…
Ich versuche, derselbe zu bleiben. Aber klar, du veränderst dich. Wir versuchen dieselben netten Leute zu sein wie eh und je, aber manchmal bist du einfach müde, wie jeder andere auch. Wir tun dies nicht allzu häufig, doch ich denke, es ist wichtig, hie und da anzuhalten, nachzudenken und glücklich zu sein, mit dem, was du erreicht hast.

Ist es dir schon mal passiert, dass du das aus den Augen verloren hast?

Manchmal verlierst du das Gefühl zu wissen, wer du wirklich bist – als Mensch, nicht als Schlagzeuger in einer Band. Das macht mir manchmal ein bisschen Angst. Da ist es gut, wenn du zur Therapie gehen kannst.

Ach, wirklich?
Ja echt! Ich gehe jede Woche hin.

(Wir lachen beide.) Das ist eine gute Sache! Folgt er dir auf der Tour oder wie?
Wenn du 20 Jahre getourt hast, brauchst du wohl wirklich einen Psychologen, der dir folgt. Meine Therapeutin ist zuhause in Stockholm  Aber ich rufe sie manchmal an und habe Telefon-Sitzungen. Ich glaube, jeder könnte das brauchen um zu reflektieren, wer man ist und wieso man etwas bestimmtes tut.

Auf diese Frage wollte ich hinaus: Wieso macht ihr Musik?
Ich glaube, das liegt daran, dass wir die Musik einfach so sehr lieben. Wir legten alle los als wir 10, 11 Jahre alt waren, weil es uns gefallen hat und dann fingen wir an, es immer noch mehr zu lieben. Vor Mando Diao spielte ich in etwa zehn verschiedenen Bands, vor allem aus Spass. Ich habe gar nie darüber nachgedacht, Musiker oder Rockstar zu werden, bevor ich in dieser Band war. Ich spürte, dass da etwas anders ist als bei den anderen Bands, etwas Spezielles.

Kannst du das genauer beschreiben?
Es hat einfach irgendwie Klick gemacht zwischen uns, besonders, als CJ (Carl-Johan) ein halbes Jahr später zu uns gestossen ist. Er hat angefangen zu spielen und plötzlich war es da… Es ist schwierig, das genaue Gefühl zu beschreiben – es war einfach da.

Ihr tut also was ihr liebt.
Ja, genau. Das Schlechte ist nur, dass niemand von uns wirklich ein Hobby hat.

Vielleicht könntet ihr anfangen, Bonsaibäume zu züchten.
(lacht) Ja, irgendetwas. Nur leider haben wir keine Zeit uns zu langweilen, wir sind ja immer unterwegs.

Ihr habt euch früher bestimmt auch manchmal vorgestellt, wie es wäre, berühmt zu sein. Entspricht die Realität euren Vorstellungen? Du weisst schon, dieses ganze glamouröse Rockstar-Ding, mit Mädchen, grossen Shows…

Hmm… Ich glaube, es ist beides. An manchen Tagen ist es… – gut.

Richtig Rock’n’Roll.
Ja, ja… Aber wir versuchen immer, nicht zu einem Rock’n’Roll-Klischee zu werden. Ich glaube, das existiert so gar nicht mehr. Klar, manchmal betrinken wir uns oder so, wie jeder andere auch, aber wir nehmen unsere Musik sehr ernst. Es ist nicht so glamourös, wie man es sich erhofft. Ich glaube, umso berühmter du wirst, desto mehr Freiheiten hast du auch. Du kannst zuhause in Stockholm rumsitzen und hast einen Privatjet, der dich eine Stunde vor der Show nach Zürich fliegt, du spielst und fliegst wieder heim. Das könnte manchmal ganz nett sein. Es kann aber auch Vorteile haben, unterwegs zu sein. Du kommst in eine bestimmte Stimmung und kannst dich richtig auf dein Spiel und das Zusammensein als Band konzentrieren.

Ich glaube, viele dieser Nebenerscheinungen können dich auch von den entscheidenden Dingen, der Musik, ablenken…

Ja, total! Vielleicht ist es besser, zu sagen: Okay, wir sind jetzt drei Monate auf Tour, danach sind wir einen Monat im Studio. Das lässt sich ja nicht wirklich gut kombinieren.

Wo siehst du dich in 20, 30 Jahren?
Ich hoffe, ich werde immer Musik machen, in irgendeiner Form. Aber ich hoffe, wir lassen uns auch mal pensionieren – das kannst du allerdings nie wissen. (lacht) Manche scheinen ja echt Mühe zu haben, aufzuhören. Hoffentlich tun wir es, bevor es abwärts geht. Aber umso länger du spielst, desto härter wird es. Es ist wie eine Droge und du kennst ja auch nichts anderes – vielleicht kannst du einfach nicht mehr ein ganzes Jahr zuhause verbringen. Aber ich hoffe, dann genug Geld zu haben, um selbstständig herumreisen zu können, mit meiner Frau oder so, und die Orte besuchen, die ich noch nicht gesehen habe.

Wenn das mit Mando Diao nie passiert wäre: Was war dein Plan B, wo wärest du jetzt?
Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Als ich zur Band stiess, hatte ich keine wirklichen Pläne. Die Vorstellung, dass ich das nicht tun würde, ist ziemlich erschreckend, weil ich nicht weiss, was sonst passiert wäre. Wenn du aber einmal in einer erfolgreichen Band gespielt hast, kannst du immer auf etwas zurückkommen, das mit Musik zu tun hat, zum Beispiel in einer Plattenfirma. Aber da gibt es viele Möglichkeiten. Du kannst ja zum Beispiel auch Kinder unterrichten.

Also haben dir deine Eltern nie gesagt: “Na los, Junge, such dir eine richtige Arbeit oder geh studieren.”
Einmal haben sie das gesagt. Sie haben es mir nicht befohlen, aber sie haben gefragt, ob ich vorhabe, an die Uni zu gehen. Ich habe geantwortet, dass ich dieser Band eine Chance geben will, ein Jahr lang. Das tat ich…

… und es kam ja ganz gut raus.

Samuel lacht versonnen – da kommt der Tourmanager dazu und meint, dass er vor der Show noch etwas essen müsse. Zeit für die letzte Frage:

Diese letzte Frage stelle ich jeder Band. Du hast schon so viele Interviews hinter dir – gibt es eine Frage, von der du denkst: “Mann, wieso fragt mich das eigentlich nie jemand, das wäre wirklich entscheidend!” Was würdest du dich selbst fragen?

Ach, manchmal nerven mich diese Interviews wirklich, die nichts mit Musik zu tun haben. Ich meine, ich verstehe, dass manche Zeitungen sich auf andere Dinge fokussieren, aber wenn es dann nur noch darum geht, ob wir viele Groupies haben oder was meine Lieblingsfarbe ist. Das ist okay, wenn es für eine spezielle Rubrik in einem Kindermagazin ist, aber manchmal ist es echt dumm, trivial. Du kannst unsere Band googeln und manche Dinge in zwei Sekunden herausfinden. Solche Fragen will ich echt nicht beantworten.

Was würdest du denn gern beantworten? Gibt es eine spezifische Frage, die ich stellen muss, wenn ich wissen will, wer du wirklich bist, was Mando Diao ist?
Da fällt mir gerade nichts ein. Es kommt auch immer auf die Tagesform an. Die Frage, weshalb ich Musik mache, war richtig gut, die solltest du in jedem Interview stellen! Du hättest vielleicht auch fragen können, was einen guten Mando Diao Song gut macht.

Da bin ich ja mal gespannt.
Ich glaube, die Mischung macht es aus. Die Melodie, der Groove. Darauf baut unsere ganze Musik auf.

Ist das also auch die Antwort darauf, weshalb ihr die beste Band der Welt seid – wie jemand von euch mal behauptet hat?

Genau, das würden wir wirklich gerne von uns denken. Ich glaube, es ist wichtig, nach den Sternen zu greifen. Wenn du in einer guten Band spielst, nützt es dir nichts zu behaupten, dass andere Bands so viel besser sind als du, du musst daran arbeiten, erfolgreicher zu werden. Egal, was du im Leben tust, es ist wichtig, daran zu glauben. Klar, manchmal fühlst du dich unsicher, das geht mir auch so.

Das Interview endete nach meiner Empfehlung, in diesem Fall schleunigst die Psychologin anzurufen, mit einem gemeinsamen Lachen – und dem Gegenbeweis zur allgemeinen Annahme, dass die Mitglieder von Mando Diao arrogant und unnahbar sind. Dasselbe kam zwei Stunden später auf der Bühne zum Ausdruck: Die Energie der fünf talentierten Schweden war beinahe greifbar; ihre Leidenschaft für die Musik schwappte in kürzester Zeit auf die Zuschauer über. Der Band gelang ein geschickter Mix aus altem und neuem Material, die Lightshow wirkte unterschwellig genug, um nicht vom Wesentlichen abzulenken. Und auch die Teenies, die acht Stunden vor der Halle ausgeharrt hatten, wurden für ihre Geduld belohnt: Die beiden Frontmänner Gustaf Norén und Björn Dixgård lösten bei den Mädchen in der ersten Reihe Begeisterungsstürme aus. Ihre starke Bühnenpräsenz hätte jedoch auch skeptischere Betrachter überzeugt – auch wenn diese den Auftritt wohl nicht mit hemmungslosem Kreischen kommentiert hätten. Die Veranstalter konnten sich ebenfalls glücklich schätzen: Schreiende Kehlen werden durstig, verschwitzte Partygänger brauchen Abhilfe: Da kommt ein kühles Bier natürlich gerade recht und bleibt auch in bester Erinnerung. Fazit: Ein ausgeklügelter Abend, sowohl auf, als auch hinter der Bühne.

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“Lieber träumen und nachdenken”

Was ist für dich der Unterschied zwischen deinem ersten Album “Undone” und deinem neuem Album “Evolution”?
Beim ersten Mal herrschte noch das totale Chaos, auch weil ich selber nicht richtig abschätzen konnte, welche Erwartungen ich an mich stellen durfte und wie weit ich, mit all diesen einfachen Mitteln die ich hatte, komme. Das alleinige produzieren und ohne Band im Studio zu sein, hat sich nun aber zu meiner eigenen Arbeitsweise entwickelt. Somit konnte ich bei der zweiten Platte das Gelernte schon umsetzen und bringe so wiederum viele Erfahrungen für die dritte mit.

Wann zieht es dich dann wieder ins Studio?

Es formieren sich bereits wieder neue Sachen, aber der definitive Zeitpunkt ist eine reine Gefühlssache. Als ich “Can’t Stop Loving You” von der zweiten Platte, fertig geschrieben habe, wusste ich intuitiv, dass alles was nun folgen würde, Plattenmaterial sein wird. In diesem Belangen höre ich nur auf meine innere Stimme und bin keinem unternehmerischen Druck ausgesetzt.

Hat es für dich auch Nachteile, dein eigener Produzent zu sein?
Ein Nachteil ist sicher der psychische Stress, der ganz auf einer Person, also mir, lastet. Die ganze Entscheidungsfreiheit kann manchmal auch ein zusätzlicher Druck sein. Im Nachhinein sieht man schnell, welche Sachen man besser anders machen sollte. Da könnte ein Produzent mit Erfahrungen sich gleich von Beginn weg einschalten.

Denkst du an Jemand bestimmtes?
Oh, da gibt es so viele wie Sand am Meer. Ich höre viel Musik, bei der mir der Gedanke kommt: “Wow, wer hat das produziert?”. Die Namen sind mir dann meistens nicht geläufig. Auf der rein musikalischen Ebene würde mich zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit Ben Harper oder Mark Knopfler reizen. Auch mal zu erleben, wie ein Prince arbeitet fände ich interessant. Der könnte mir auch sicher auch viel beibringen. (lacht)

Wie geht es mit deiner Musik weiter?
Das Hauptziel ist eigentlich, dass es so weiter geht wie bisher. Nach dem Motto: “Keep the ball rolling”. Ich hoffe, dass meine Musik weiterhin so viel Anklang findet und ich so weiterarbeiten und wachsen kann wie bisher. Natürlich möchte ich auch ins Ausland für Konzerte. Dieses Jahr toure ich noch hauptsächlich durch die Schweiz. Aber nächstes Jahr ist noch vieles offen.

Da ich für ein Jugendonlinemagazin schreibe, musst du mir natürlich noch von deiner Jugendzeit erzählen!
Ich war ein braver Junge und hatte unter den Augen meines strengen Vaters auch keine andere Wahl. Auf dem Land, wo ich aufwuchs, haben wir schon ein paar dumme Sachen gemacht, aber die sind mit dem, was in der Stadt an Streichen angestellt werden kann, nicht zu vergleichen. Ich habe zum Beispiel mit 16 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben einen Polizisten gesehen.

Was waren denn das für Landstreiche?
Wir haben auf einem Hügel gewohnt und ständig Seifenkisten gebaut, um da runter zu fahren. Um diese zu bauen haben wir alles Mögliche geklaut und kaputt gemacht. Immer wieder kam die Frage von den Eltern: «Wo ist dies, wo ist jenes?». Dann war immer gleich klar, dass wir es genommen haben.

Wurde dir dieses Landleben manchmal auch zu langweilig?
Ja, wir hatten enorm viel Freizeit und da kam so weit draussen auf dem Lande schon öfters Langeweile auf. Menschen, die ebenfalls auf dem Land aufgewachsen sind, verstehen mich in diesem Belangen besser. Man flucht und flucht, aber glaub mir, irgendwann später erkennt man die Privilegien, die man hat, wenn man dort aufgewachsen ist, wo es noch grün ist und es keine Kaufhäuser und Schaufenster hat, die einem ständig von den eigenen Gedanken ablenken wollen. Kommt man in die Stadt, merkt man sehr schnell den Unterschied zwischen den Menschen, die schnell alles noch irgendwo einkaufen wollen, zu denen, die lieber ein wenig träumen und nachdenken.

Welche Musik hast du als Jugendlicher gehört?
Meine damalige Musiksammlung bestand zu 60 Prozent aus Bob Marley und  seinen musikalischen Verwandten. Reggae kam gerade auf und Dub in den 70er, 80er Jahren. Dazu der ganze karibische Sound, wie Calypso, Soul und Funk, der damals noch nicht so weitläufig bekannt war wie heute. Natürlich war auch das Radio sehr angesagt. Es gab Sendungen, für die wir nach Hause gerannt sind, um sie auf Kassetten aufzunehmen. Ich hatte über 100 Bändchen, alle fein sauber angeschrieben. Mein Bruder, der noch grössere Fanatiker, hat dann meine Sammlung übernommen und sie um das Zehnfache vergrössert. Er arbeitet noch heute teilzeitlich als DJ auf Barbados. Er ist der Countryboy geblieben, während ich als Musiker weg vom Bauernhof musste.

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Jugendliche engagieren sich für den Urwaldschutz

In ihrem Schreiben vom 21. März forderten die engagierten jungen Urwaldschützerinnen und Urwaldschützer Bundesrätin Leuthard auf, sich bei der Weltbank im Namen der Schweiz dafür einzusetzen, dass die Weltbank in der Demokratischen Republik Kongo mit der industriellen Holznutzung nicht die gleichen Fehler wiederholt, die sie in Kamerun gemacht hat. Die Regenwälder im Kongobecken spielen für die lokale Bevölkerung, für die Artenvielfalt und  das Klima eine unverzichtbare Rolle.

Zwei Schweizer Vertreter der Kids-for-Forests haben im April 2007 am Internationalen Wiederaufforstungscamp CRI in Kamerun teilgenommen. Sie haben mit eigenen Augen gesehen, dass die von der Weltbank unterstützte Forstwirtschaft in Kamerun weder zur Armutsbekämpfung noch zum Schutz der Urwälder beiträgt. Rund dreissig Jugendliche pflanzten in einer Woche 1000 Bäume und setzten so ein symbolisches Zeichen für den Urwaldschutz. Zudem haben sie die Erklärung von Mbalmayo (in Kamerun) verfasst, in der sie ihre Ängste und ihre Forderungen festgehalten haben. Diese Erklärung haben mittlerweile mehr als 42’0000 Afrikaneinnen und Afrikaner aus Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo sowie 2000 Personen aus der Schweiz als Petition unterschrieben. Sie wird im Vorfeld des Frühjahrs-Meetings der Weltbank in Washington übergeben werden.

Die Petition ist an den Präsidenten der Weltbank, Herrn Robert Zoellick, an das Führungsgremium der Weltbank und an die Regierungen der zentralafrikanischen Länder mit Regenwäldern gerichtet. Denn die Weltbank ist mit ihrer Kreditvergabe die Hauptförderin der zerstörerischen industriellen Holznutzung im Kongo-Becken.

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Der Schlafende

Ein scheinbar normaler Feierabend im Zug: Leute steigen ein und aus. Langsam entleert sich der Zug bis auf einen jungen Mann und einen schlafenden Herrn. Unser Blick fokussiert sich auf den Jugendlichen, der nun versucht dem Mann sein Portemonnaie zu klauen. Doch als er seine Hand aus der Innenseite des Mantels vom schlafenden Herrn zieht, ist sie voller Blut. Der Mann ist tot. In genau diesem Augenblick hält der Zug und ein Mädchen steigt ein. Der Jugendliche, Dalibor ist wahrscheinlich sein Name, täuscht vor, dass der Herr betrunken sei und trägt ihn aus dem Zug. So beginnt eine gemeinsame Reise durch den verlassenen Bahnhof, mit dem Einkaufswagen durch die Stadt bis die Beiden schliesslich am nächsten Morgen an einen riesigen Müllhaufen gelangen. Unterwegs erzählt Dalibor “dem Schlafenden” von seinen Schulden und Problemen. Es scheint, als sei dieser Herr der Einzige der ihm zuhört. Nun liegt er auf einem alten Sofa inmitten des Müllbergs mit einer weissen Blume in der Hand. Für immer.

Gegenseitiges Vertrauen

Der Film “Dalibor” reisst einem aus dem Alltag, denn die Handlung bleibt spannend bis zum Schluss. Er hinterlässt auch viele offene Fragen, wie zum Beispiel: wer hat diesen Mann umgebracht? Warum hat Dalibor Schulden? Das Können der beiden Schauspieler und ihr gegenseitiges Vertrauen ist einer der Höhenpunkte, denn ganz locker zu lassen und durch die Gegend getragen zu werden, ist ziemlich anspruchsvoll. Obwohl die Geschichte unwahrscheinlich ist, hat sie trotzdem gewisse Verbindungen zur Realität. Kriminalität, Schulden und Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen ist heutzutage ein sehr aktuelles Thema. Der Film macht das Publikum auf diese Problematik aufmerksam, aber nicht in einem trockenen und langweiligen Dokumentarfilm, sondern zieht es ins Extreme und Absurde.

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Gesponsert von Guinness

Für Gemütlichkeit ist gesorgt. Denn The Dubliners die kommenden Donnerstag im Schützenhaus Albisgütli ihr einziges Schweizer Konzert geben, sind nun auch nicht mehr die Jüngsten. Doch obwohl zwei der heute als Quintett auftretenden Folkband schon beinahe 70 sind, wird es wohl kein ruhiger Abend werden. Getreu dem Motto einer ihrer Sponsoren “A Guiness a day, keeps the heart attacks away”, werden die sympathischen Bärtigen bestimmt einige ihrer Klassiker wie “Seven Drunken Nights” oder “Dirty Old Town” zum Besten und Mitklatschen geben. Und wer da nach dem X-ten Jameson Whiskey noch nicht zum mitjohlen kommt, kann in den gefühlvollen Texten und dem weichen irischen Akzent versinken. Denn dass den Iren auch heute noch die Frauenherzen zufliegen, nimmt man ihnen sofort ab.

The Dubliners treten am Donnerstag dem 27. März im Schützenhaus Albisgüetli in Zürich auf. Die Türen öffnen um 19.00

Fremdflirten

Treue, sagen viele Paare, sei für sie das Wichtigste in einer Beziehung. Damit auch der letzte Casanova versteht, wie ernst es den Pärchen damit ist, haben sie Anfang der Nullerjahre den Begriff “Fremdflirten” erfunden. Er bezeichnet das Flirten von Menschen, die bereits vergeben sind. Beim Flirtpartner handelt es sich nicht um den eigenen, sondern um eine Fremde oder einen Fremden.

Dieses Wort wäre nicht nötig gewesen, denke ich. Aber der Wunsch, dem Fremdgehen ein kleines Geschwisterchen zu schenken, war offenbar stärker. Mit dem Unterschied, dass es das Fremdgehen als Wort tatsächlich braucht, während der Begriff “Fremdflirten” eher eine Verdoppelung darstellt: Denn mit wem soll man flirten, wenn nicht mit fremden Menschen?

Wenn schon, dann hätte gleichzeitig das Wort “Heimflirten” auftauchen müssen, aber das tat es nicht. Aus guten Gründen: Flirten ist das Spiel mit dem Unbekannten, dem Neuen und vielleicht auch Verbotenen. Ein Flirt ist, kurz gesagt, ein Risiko. Er findet in den seltensten Fällen Zuhause statt.

Und weil das so ist, wird das Fremdflirten laut einer grossangelegten Internet-Studie (Elitepartner.de) sowohl von Männern als auch von Frauen als “Beziehungskiller” Nummer eins betrachtet. Befragt wurden für diese Studie allerdings nicht Pärchen, sondern Singles. Vielleicht denken diese anders über das Thema, wenn sie dereinst in einer festen Beziehung sind. Dann haben sie zwar endlich wieder eine Verwendung für das Wort “Fremdflirten”, sind aber gleichzeitig auch mit der Möglichkeit des Fremdgehens konfrontiert. Kein Problem, solange ihnen ihr eigener Partner nicht wie ein Fremder erscheint. Dann würde die ganze Sache nämlich richtig kompliziert werden.