Kultur | 04.02.2008

Zwischen London und Bangladesch

Text von Martin Sigrist | Bilder von Realworldrecords.com
Joi aus dem Londoner East End bringt mit "Without Zero" sein drittes Album auf den Markt. Noch immer dominiert asiatische Weltmusik neben britischem Elektro. Tink.ch hat sich die Platte angehört.
Ist in der Londoner Club-Szene seit über einem Jahrzehnt eine feste Grösse: Farrook Shamsher.
Bild: Realworldrecords.com

In Zeiten von Nu Rave, Electro Clash und Minimal soll an dieser Stelle ein längst vergessener Hype wieder ins Gedächtnis gerufen werden: New Asian oder auch Asian Underground ist eine Mischung asiatischer Weltmusik vermischt mit westeuropäischem Elektro. Mittlerweile ist es still geworden um jene Musik, die in den frühen und mittleren Neunzigern noch so zuverlässig von England zu uns rüberschwappte. Exemplarisch soll an dieser Stelle deswegen eine Neuerscheinung aus dem letzten Jahr vorgestellt werden, um zu zeigen, dass diese Musik noch längst nicht tot ist. Neben Nitin Sawhney, Talvin Singh und natürlich Asian Dub Foundation gibt es noch Dutzende weitere Musiker, Bands und Kollektive, die sich in der einen oder anderen Art der Fusion von fernöstlicher Weltmusik und elektronischen Klängen verschrieben haben.


Solo und doch nicht allein
Eine dieser Ausnahmeerscheinungen sind Joi aus England. Die Gebrüder Farook und Harron Shamsher waren schon seit den Achtzigern aktiv in der Clubszene Londons unterwegs. Ihr erstes Album erschien allerdings erst 1999, da sie sich bis dahin und auch mehrheitlich danach nicht auf die Herstellung von Konserven sondern auf Live-Auftritte konzentrieren wollten. Nach dem Tod seines Bruders Harron 1999 blieb Farook nun mit seinem Soloprojekt unter Einbezug von zahlreichen Gastmusikern auf Platte wie auf der Bühne aktiv. Letztes Jahr erschien nach sieben Jahren Pause ein drittes Album. Damit ist klar, dass Joi definitiv nicht verschwunden ist.

Die dritte Veröffentlichung mit dem Titel „Without Zero“ trägt der Tradition von Joi weiterhin Rechnung, Einflüsse aus Bangladesch, Sri Lanka und weiteren ostasiatischen Destinationen mittels elektronischer Musik tanzflächentauglich zu machen. Die Musik ist teils live eingespielt, teils freilich auch elektronisch verändert und neu zusammengefügt worden. Entstanden ist ein sanftes und weiches Album, das trotz allem genug Pfeffer hat, um nicht einfach als weitere Meditationsscheibe abgetan zu werden. Ungeschulte Ohren brauchen wahrscheinlich einen Moment, um sich an den Sound zu gewöhnen, doch je länger man hinhört, desto klarer wird, dass es sich bei diesem Album um mehr handelt als nur um einen plumpen Zusammenschmiss von Orientalischer Musik aus dem Prospekt und Elektrosamples aus der Kostenlos-Sammlung.

Leider ist Joi momentan nicht auf Tour, es lohnt sich aber ganz bestimmt, die Augen diesbezüglich offen zu halten. Wer beim letzten Auftritt in der Schweiz am Paléo Festival 2001 einer der wenigen Zuschauer war, weiss wie tanzbar und unglaublich beglückend Joi sein kann. Eine Leistung, an der sich zahlreiche andere Plattenteller- und Laptop-Künstler messen sollten.
Auf der Webseite des Labels, Realworld, besteht die Möglichkeit, zahlreiche Songs aus dem Repertoire von Realworld zu laden und als eigene Remixe wieder ins Netz zu stellen, natürlich mit der Möglichkeit auf einen fetten Gewinn. Falls die Musik von Joi allein noch nicht spannend genug ist.

Links

  • Joi online
  • < www.realworldremixed.com>Hier gehts zu den Remixes