12.02.2008

Wenn die Trauer das Leben bestimmt

Text von Lino Schaeren
Wer Lust auf grosse Leinwand-Gefühle hat, sollte sich "P.S. I Love You" nicht entgehen lassen: Die Verfilmung des Bestseller-Romans überzeugt mit guter Besetzung und witzigen Dialogen.
Holly (Hilary Swank) und Gerry (Gerard Butler) als wiedervereintes Ehepaar in "P.S. I Love You".

Richard La Gravenese (Erin Brockovich, Der Pferdeflüsterer) ist bekannt dafür, Romanvorlagen in überzeugende Drehbücher umzuwandeln. In „P.S. I Love You“  führt er nun erstmals auch selber Regie. Die Geschichte basiert auf dem Bestseller-Roman von Cecilia Ahern.

Das scheint die grosse Liebe zu sein: Holly (Hilary Swank) und Gerry (Gerard Butler) ergänzen sich nahezu perfekt. Das Schicksal scheint damit allerdings nicht einverstanden und greift ein. Gerry stirbt an einem Gehirntumor. Die gerade mal 29-jährige Holly kommt damit nicht klar und zieht sich alleine in ihre Wohnung zurück. Drei Wochen nach seinem Tod, an Hollys 30. Geburtstag, erhält sie einen Brief in Gerrys Handschrift. Es ist der Erste von Vielen. In den Liebesbriefen, die Gerry vor seinem Tod geschrieben hat, stellt er Holly Aufgaben, die sie erfüllen soll. Es wird schnell klar, dass Gerry durch die Briefe versucht, Holly den Einstieg in ihr neues Leben zu erleichtern.

Die Vergangenheit mit der Gegenwart verbunden

Man könnte meinen, Gerard Butler spiele nur eine kleine Rolle, denn der muskelbepackte Traumehemann stirbt bereits nach wenigen Filmminuten. Richard La Gravenese lässt ihn jedoch durch regelmässige Rückblenden und als Illusion seiner Geliebten eine Hauptrolle spielen. Schon in der ersten Szene wird klar, dass dieser Film nicht die perfekte Liebesschnulze ist. Das Paar streitet sich lautstark über mehrere Minuten, die Versöhnung lässt dann allerdings nicht auf sich warten. Die ganze Vorgeschichte des Tumors, an dem Gerry schliesslich stirbt, wird ausgeklammert, erst an der Beerdigung erfährt der Zuschauer die Hindergründe seines plötzlichen Todes. Das anschliessende Auftauchen der Briefe wirkt im ersten Moment zwar romantisch, bringt aber auch etwas Unheimliches mit sich.

Von Emotionen geprägt

Hilary Swank inszeniert die trauernde Witwe, die nicht schlüssig ist, wie ihr Leben weitergehen soll, sehr glaubwürdig. Die Emotionen, die mit ihrer Rolle verbunden sind, sind enorm und es gelingt ihr, diese auf den Zuschauer zu übertragen. Wer ihn im Schlachterstreifen „300“ gesehen hat, kann sich kaum vorstellen, dass Gerard Butler in einem Liebesfilm mitspielen könnte. Überraschenderweise spielt er die Rolle von Gerry aber mit extrem viel Charme und lässt mit seiner Darbietung wohl so manches Frauenherz höher schlagen. Obwohl der Film vor allem Dramatisches behandelt, wird er durch frechen und guten Witz in den Dialogen lebendig. Grundsätzlich zeigt „P.S. I Love You“ die Trauer und die daraus entstehenden Gefühle in all ihren Schattierungen.

Richard La Gravenese zeigt trotz dem Auslassen eines grossen Teils (die Geschichte von Gerrys Tumor) seine Liebe fürs Detail. „P.S. I Love You“ schickt den Zuschauer auf eine Achterbahn der Gefühle. Trauer und Witz werden durch die passende Musik unterstrichen und lassen die Geschichte jeden intensiv mitleben.

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