Gesellschaft | 11.02.2008

Raubkopierer

Text von Joscha Mathis | Bilder von Nathalie Kornoski
Tink.ch fand einen höchst seltsamen Begriff, dessen Daseinsberechtigung durch die genaue Analyse fast genau gleich stark schwindet wie die Zahl der Plattenverkäufe in den letzten Jahren.
Bild: Nathalie Kornoski

Es wird gebrannt, gesaugt und vervielfältigt. Die Internetkriminalität, die sich bis vor wenigen Jahren noch bei alltäglichen Begriffen bediente, ist an ihre Grenzen gestossen. Die Folge: Politiker, Polizisten und «Experten« erfanden die Raubkopien.

Dieser Begriff hat sich längst in den Wortschatz, zumindest jüngerer Generationen, eingerannt. Aber wie ging das noch einmal? Man erinnert sich kurz an die beiden Originalworte, aus denen das Wort besteht. „Raub“ und „Kopie“. Unter „Kopie“ versteht man die Vervielfältigung eines Originals und «Raub« ist die gewaltsame Wegnahme eines Gegenstandes. Jetzt wird es aber kritisch für all die «Experten«. Anstatt, dass man wie gewohnt eine unbefugte Kopie eines Originales anfertigt, müssen zukünftige Raubkopierer wie folgt vorgehen: Ein Geschäft für den bevorstehenden Raub aussuchen. Das Objekt der Begierde, zum Beispiel eine CD, auswählen und einstecken und sich in die Schlange an der Kasse stellen. Anstatt dann aber zu zahlen, müssen die Raubkopierer den Kassierer zusammengeschlagen, sonst laufen sie Gefahr, als Diebkopierer bezeichnet zu werden – was irgendwie doof klingt. Danach wird die CD noch im Laden auf dem Laptop kopiert, so dass man das Original danach an der Kasse zurücklassen kann. Man kann den Raubkopierern also vieles vorwerfen, doch Feigheit gehört definitiv nicht dazu. Es bleibt nur noch zu hoffen, dass die Person, die sich diesen schönen Begriff ausgedacht hat, bald selbst einmal Opfer dieses Verbrechens wird – während sie bei Citydisc einen Kunden bedient, der eigentlich aussieht wie jeder andere Kunde auch.