Gesellschaft | 18.02.2008

„Ich glaube an Dinge, die man beweisen kann“

Text von Lino Schaeren | Bilder von Lino Schaeren
Steven aus Australien beschreibt seine Einstellung gegenüber den höheren Mächten und erzählt, was ihn am japanischen Zen-Buddhismus fasziniert.
Ist gebürtiger Australier und bereits gerade Europa: Der 20-jährige Steven.
Bild: Lino Schaeren

„Abgesehen von einer Besichtigung war ich noch nie in einer Kirche. Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Ich glaube an Dinge, die man beweisen kann. Wissenschaften stützen sich auf Fakten und sind deshalb auch glaubhaft. Was mich beflügelt, ist die Musik. Wenn ich auf meiner Gitarre spiele, fühle ich mich wohl, ähnlich wie wenn ein Gläubiger zu Gott betet. Ich denke, bei gläubigen Menschen löst die Religion ähnliche Gefühle aus, wie das Gitarrespielen bei mir. Meine Lebenskraft bekomme ich von meinen Freunden. Ich geniesse es allerdings auch, Zeit für mich alleine zu haben, denn ich kann es nicht ausstehen, wenn ich gestresst werde. So unglaublich es auch klingen mag, aber ich habe in meinem Leben noch nie gebetet. Eine höhere Macht existiert für mich nicht. Trotzdem kann Glaube faszinierend sein. Ich interessiere mich zum Beispiel für den Zen-Buddhismus aus Japan. Die japanische Kultur und deren religiöse Rituale faszinieren mich.

Trotz der Tatsache, dass Gott für mich keine Bedeutung hat, verstehe ich Menschen, denen Gott etwas bedeutet. Ich denke, die Vorstellung, dass es einen Gott gibt, gibt einem das Gefühl, nicht allein zu sein. Gläubige Menschen denken oft an den Tod. Ich befasse mich nicht damit. Wieso auch? Ich bin jung und lebendig, das wird hoffentlich noch eine Weile so bleiben. Ich denke, es ist nicht nötig, über den Tod oder das, was danach kommt nachzudenken, schlauer wird man dadurch ja doch nicht.“

Zur Person


Steven ist 20 Jahre jung und in Australien geboren und aufgewachsen. Im Moment befindet er sich allerdings mit zwei Freunden auf Eurpoareise, um dem Sommer in seinem Heimatland zu entgehen. Er hat das Gymnasium abgeschlossen und arbeitete danach ein Jahr lang auf dem Bau, um die Reise finanzieren zu können.