Kultur | 25.02.2008

Das verborgene Glück

Text von David Vorholt | Bilder von www.nadasurf.com
«Lucky", das neue Album der New Yorker Band Nada Surf ist weniger oberflächlich, als der Titel vermuten lässt und düsterer, als man es von den Herren gewohnt ist.
Daniel Lorca, Matthew Caws and Ira Elliot (v.l) sind zurück, um die Indieszene erneut zu erobern.
Bild: www.nadasurf.com

Zugegeben: Nada Surfs Album „Let Go“ ist ein Klassiker. Und es ist kein Wunder, dass es der Band schwer gefallen ist, einen würdigen Nachfolger zu produzieren. Nach dem 2005 erschienenen „The Weight Is a Gift“ geben sich die New Yorker Indiepopper jetzt wieder so düster und traurig wie zu ihren Anfangszeiten. Trotzdem hält „Lucky“, was es verspricht.

Nie zu düster
Den schlichten Albumtitel erklärten die Herren Caws, Eliot und Lorca bereits im Vorfeld als simple aber ausdrucksstarke Beschreibung ihrer heutigen Gefühlstage. Die scheint nämlich nach einigen privaten Turbulenzen, speziell bei Sänger und Gitarrist Matthew Caws, wieder in Ordnung zu sein. Inzwischen ist der vielleicht netteste Mensch im harten Popbusiness sogar Vater geworden und dann ist man ja bekannter Weise immer lucky. Trotzdem, oder gerade deswegen servieren uns Nada Surf nicht ein „Friede, Freude, Eierkuchen“-Werk mit mächtig viel LaLa und oberflächlichen Mitlachsongs, sondern ein in dieser Form nie da gewesenes, melancholisches, teilweise stilles, aber nie zu düsteres Album. Der Clou an der Sache: Die Nadas haben ihr Gespür für großartige Melodien nicht verloren, sondern haben es sozusagen nur auf eine andere Stimmungsebene transferiert.

Pop-Perlen
„See These Bones“ macht den Einstieg und man fühlt sich an alte „High/Low-Zeiten“ (Nada Surfs Debüt) und ihren ewigen Hit „Popular“ erinnert, schöne schwerfällige Gitarrentöne und Sprechgesang in den Strophen, genau wie damals. „What you are now“ singt Caws und nach dem Durchhören der ersten Stücke, besonders dem Hitverdächtigen „Whose Authority“, könnte die Antwort vielleicht schon bald „Lucky“ sein. Trotzdem brauchen einige der Songs Zeit und viel genaues Hinhören, um sich zu entwickeln. Schwach ist dabei keines der Stücke, eher fallen einem immer neue Highlights ein. Zum Beispiel „I Like What You Say“, eine Nada Surf typische, relativ einfache, aber wunderschön matt-schillernde Pop-Perle.

Beziehungskiste
Weniger ist eben doch mehr, vor allem bei New York´s Melodiespürhunden Nummer eins. Ganz nebenbei eignen sich die meisten Song auch sehr gut als Akustikversion, worauf Nada Surf bereits im Vorfeld einen Vorgeschmack, im Rahmen von kleinen Akustiksessions gaben. Hoffen wir also , dass die Herren nun auch wirklich lucky sind. Wir sind es definitiv, denn obwohl das Album nicht „Everybodys Darling“ sein will, sollte sich nach einer intensiven Kennenlernphase zwischen Hörer und musikalischem Werk in den meisten Fällen eine schöne und lang anhaltende Beziehung entwickeln.

Am 4. März treten Nada Surf im Zürcher Rohstofflager auf. Hoffen wir doch mal, dass das Konzert so schön wird wie das Album.

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