Kultur | 04.02.2008

Das Geschäft mit dem Papst

Text von Mirjam Kosch
In ihrem Film "El baño del Papa" erzählen die Regisseure Einrique Fernández und César Charlone die Geschichte eines kleinen Dorfes, das den grossen Zaster wittert.
Denkt nicht an seine Schulden: Beto. Fotos: Trigon-Film Irgendwas lässt sich immer zu Geld machen, vor allem, wenn zehntausende Besucher die Stadt stürmen.

Melo, ein kleines Städtchen in Uruguay, erwartet den Besuch von Papst Johnannes Paul dem Zweiten. Die Bevölkerung ist arm und wie viele andere lebt auch der Familienvater Beto davon, Waren über die nahe gelegene brasilianische Grenze zu schmuggeln. Kein Wunder, dass die Ankündigung des Papstbesuches alle in Aufruhr versetzt und manch einer die Chance wittert, das grosse Geld zu machen. Erwartet werden nämlich Zehntausende von Brasilianern, die nach Melo kommen wollen, um den Papst zu sehen. Die Geschäftsideen der Leute sind vielfältig. Doch bevor man etwas verdienen kann, muss man investieren und so geben viele ihr gesamtes Erspartes dafür aus, ihr Vorhaben zu verwirklichen. So auch Beto, der vor seinem Haus ein Klo bauen will. Denn wer viel feiert und trinkt, muss schliesslich auch mal.
Diese Idee ist es auch, die dem Film seinen Titel gibt: Eine Toilette für den Papst.

Der Film lebt von seinen Charakteren und deren Beziehungen. Beto, der sich und seiner Familie zu Reichtum verhelfen will, doch mit seinen Ideen oft mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Seine Tochter, die weder Schmugglerin, wie es ihr Vater von ihr erwartet, noch Näherin, wie es ihre Mutter gerne hätte, werden möchte, sondern Journalistin. Carmen, Betos Frau, die die Rolle der vernünftigen Ehefrau spielt, die den Ideenreichtum ihres Mannes gleichzeitig liebt und fürchtet.

Leider enthält der Film, der zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht, nicht viel neues. Es ist den beiden in Melo geborenen und aufgewachsenen Regisseuren Einrique Fernández und César Charlone zwar gelungen, den Geist ihres Städtchens einzufangen, doch in ihrer Geschichte finden sich zuviele Klischees.
So zum Beispiel Beto, der sich sofort betrinkt, als er nicht mehr weiter weiss und seine Frau schlägt, weil sie ihm ihr Erspartes nicht geben will. Beeindruckend bleiben trotz allem die Parallelwelten, die einem der Film während dem Papstbesuch zeigt:
Auf der einen Seite der Papst (und mit ihm die Journalisten), der schöne Worte predigt, auf der anderen Seite die arme Bevölkerung, die sich vom Papstbesuch ein kleines Wunder erhofft hatte – oder wie es eine Bewohnerin formulierte: „Wem soll der Papst sonst helfen, wenn nicht den Armen.“ Den Menschen in Melo bleibt jedoch am Ende – und da ist der Film sehr realistisch – nichts als tonnenweise Essensreste und ein Haufen Schulden.

Info


"El baño del Papa" läuft in Zürich im Kino Arthouse Nord-Süd sowie im Berner Kellerkino. Ab 21. Februar läuft er in Luzern an, ab 9. März in Solothurn.