Kultur | 07.01.2008

Grosse Meister ganz privat

Text von Lena Tichy
Alles, was man schon immer über Schubert, Händel, Tschaikowsky und Co. wissen wollte, erzählt der englische Cellist Steven Isserlis in seinem Buch "Warum Händel mit Hofklatsch hausierte".
Der Nachfolger von "Warum Beethoven mit Gulasch um sich warf", den Isserlis eigentlich nur für seinen heute 16-jährigen Sohn geschrieben hatte. Fotos: Lena Tichy Der Verlag Rüffer und Rub hat nicht nur schöne Buchumschläge; auch auf den Innenseiten finden sich zahlreiche Grafiken.

Klassik, so lautet das Vorurteil, eignet sich gut um Teenager in den Wahnsinn zu treiben. Einer, der offenbar nicht daran glaubt ist der englische Cellist Steven Isserlis. Für seinen pubertierenden Sohn Gabriel schrieb der Musiker 2001 ein Buch mit dem Titel „Warum Beethoven mit Gulasch um sich warf.“ Darin erzählte Isserlis in witziger Sprache vom Leben und Charakter sechs berühmter Komponisten. Das Buch gefiel jedoch nicht nur seinem Sohn und so ist mittlerweile schon Isserlis‘ zweites Buch erschienen mit dem abermals merkwürdigen Titel „Warum Händel mit Hofklatsch hausierte“.

Auch für dieses Werk nahm sich der selbst gar nicht unbekannte Isserlis sechs grosse Komponisten vor und brachte alles Wichtige und Unwichtige über deren Leben in Erfahrung. Neben Händel lernt die Leserschaft in diesem Buch ausserdem Franz Joseph Haydn, Franz Peter Schubert, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Antonín DvoŠ™ák und Gabriel Fauré kennen. Jedem Komponisten ist dabei ein Kapitel gewidmet, welches in eine kurze Biografie und eine Anekdotensammlung unterteilt ist. Zum Schluss jedes Kapitels gibt Isserlis eine kurze Einleitung in die Art der Musik des jeweiligen Komponisten sowie wertvolle Hörtipps.

„Schwammerl“
„Warum Händel mit Hofklatsch hausierte“ richtet sich zwar klar an jüngere Leserinnen und Leser, könnte jedoch auch für ältere Klassik-Hasen noch Überraschungen bieten. Isserlis war kaum ein Detail aus den verschiedenen Biografien zu unwichtig und so erfährt man unter anderem, dass Schuberts Spitzname „Schwammerl“ war  und Haydyn von seinen eigenen Kompositionen oft so gerührt war, dass er in Tränen ausbrach. Doch auch Tschaikowskys lebenslang verheimlichte Homosexualität und Faurés zahlreiche Affären kommen zur Sprache. Das Konzept, durch viel Klatsch und Tratsch die Freude an der Klassik zu wecken, dürfte bei diesem Buch aufgehen.

Etwas mühsam ist dagegen Isserlis‘ Stil. Der Autor geht sowohl mit Klammerbemerkungen als auch mit der typisch englischen Ironie alles andere als sparsam um. Das lässt die einwandfrei recherchierten Komponisten-Episoden oftmals salopp und beinahe geschwätzig wirken, so dass man sich nach einer Weile richtiggehend nach etwas Ernsthaftigkeit sehnt. Die findet sich dann vor allem in den kurzen Abschnitten, in denen Isserlis ausgewählte Werke der einzelnen Komponisten empfiehlt. Wenn der Autor sich mit lauter Superlativen fast überschlägt, spürt man seine grosse Leidenschaft zur Musik am deutlichsten. Diese Freude, zusammen mit einer grossen Menge an musikalischem Wissen, das man nebenbei mitbekommt, machen dieses Buch zu einer lohnenswerten Lektüre. Sowohl für Jugendliche als auch für ihre Eltern.

Info


"Warum Händel mit Hofklatsch hausierte" von Steven Isserlis ist erschienen im Verlag Rüffer & Rub. Aus dem Englischen übersetzt wurde es von Kathrin Balmer-Fisch. Es ist 228 Seiten lang und kostet 29.80.

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