Kultur | 28.01.2008

Gesichter des Todes

Düsteres in der Berner Galerie Duflon & Racz: Der Bieler Maler Jerry Haenggli zeigt seine neuen Arbeiten.
Ausschnitt aus einem Bild von Jerry Haenggli. Alle
Bild: Jerry Haenggli Düster und manchmal körperlos sind die Figuren des Künstlers. Selten arbeitet Haenggli auch mit Farben, in diesem Fall mit Ocker.

Neben afrikanischen Skulpturen kann man in der Berner Galerie Duflon und Racz zurzeit und noch bis am 15. März sehr düstere Bilder betrachten. In zwei Räumen stellt der 1970 in Vevey geborene Jérome „Jerry“ Haenggli seine Kunst aus. In der Ausstellung trifft ältere afrikanische Kunst auf zeitgenössische Malerei, wobei es auf den ersten Blick schwierig sein kann, zwischen den kunstvollen Masken und Waffen aus Afrika und Haengglis Bildern eine Verbindung zu sehen. Trotzdem: Ein interessantes Konzept.

Morbide Grundstimmung

Die Bilder von Haenggli haben einen collageartigen Charakter und erscheinen zunächst sehr wirr und chaotisch. Zu sehen sind Arme, Beine, Köpfe – aber selten Gesichter. Die Menschen, wenn es denn welche sind, erscheinen verzerrt und gequält. Farblich bewegt sich der Künstler zwischen Schwarz und weiss, nur vereinzelt sieht man auch Rottöne. Die zum Teil wandfüllenden Werke verbreiten eine morbide Stimmung und wirken geradezu depressiv. Auf den ersten Blick wird sich einem dieses Werk kaum erschliessen, da viele Figuren und Situationen nur angedeutet sind.

Haengglis Malereien erinnern an Gewaltfantasieren, wobei man natürlich auch viel Anderes hineininterpretieren kann. Abgründig wirkt diese Kunst auf jeden Fall, doch gerade darin liegt für einige Besucherinnen und Besucher ja vielleicht der Reiz.

Der 37-jährige Haenggli lebt zurzeit in Biel, wo er neben dem Malen als DJ auflegt und in der Szenebar „Pooc“ hinter dem Tresen steht. Eine Kunstakademie besuchte der Autodidakt nie. Wer wissen möchte, wie düster seine Leinwandfantasien sind, hat noch bis Mitte März Gelegenheit dazu. Die Galerie befindet sich an der Gerechtikeitsgasse vier in Bern und ist am Donnerstag (14-19h), Freitag (16-19h) und Samstag (12-17h) zu sehen. Dank Jerry Haengglis erfrischendem Ansatz lohnt sich ein Besuch definitiv.

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