Gesellschaft | 07.01.2008

Die Tatoo-Brüderschaft

Text von Edith Truninger | Bilder von Stefan Wallimann.
Ewige Freundschaft? Dafür tragen die Amazonen alle einen Ring, der sie an einander erinnert. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten, sich die Treue zu schwören.
Bild: Stefan Wallimann.

Kürzlich sassen die Amazonen und ich in unserem Lieblings-Lokal, als wir mit vier Männern um die zwanzig ins Gespräch kamen. Eine ganz alltägliche Situation. Was in der Folge passierte, war dann allerdings nicht mehr ganz so alltäglich. Wer hätte gedacht, dass auf unsere harmlose Frage, „seid ihre gute Freunde?“ eine dermassen eindrückliche und in der Tat „handfeste“ Antwort folgen würde?? Wir staunten nämlich nicht schlecht, als die jungen Männer wie auf Kommando damit begannen, den Gurt ihrer Jeans zu lockern, Knopf und Reissverschluss öffneten, sich umdrehten und uns ihren nackten Po auf dem Präsentierteller entgegenstreckten. Einen Moment lang waren wir sprachlos, was im Kreise der Amazonen wirklich nur in Ausnahmefällen vorkommt. Bis wir entdeckten, dass auf allen entblössten Ärschen die gleiche Tätowierung prangte, hatten wir unsere Sprache wieder gefunden. Ist die neu? Gekreische. Was ist das? Gelächter und Gekicher. Es war eine Art chinesisches Schriftzeichen, das sie sich eben erst hatten stechen lassen. Eine Tätowierung auf dem Arsch – was für ein Freundschaftsbeweis! Schnell waren wir uns einig, dass ein tätowiertes Herz auf dem Oberarm mit den Initialen des Lieblingsmenschen sehr lächerlich anmutet. Aber Freunde, die sich auf diese körperliche Art ein lebenslang aneinander erinnert werden wollen…irgendwie hat das einfach Stil!

Die Amazonen wollten den Jungs dann natürlich in nichts nachstehen und präsentierten voller Stolz ihren Freundschaftsring. Doch die Geste wirkte fad, ja die ganze Ringgeschichte wirkte plötzlich extrem langweilig und alltäglich. Schweren Herzens mussten wir diese Niederlage hinnehmen. Ich versuchte dann zu trösten, indem ich sagte: „Wir würden sowieso kein Motiv finden, das uns allen gefallen würde.“ Worauf Lockenkopf wie aus der Pistole geschossen und in vollem Ernst sagte: „Ich glaube, ich würde ein Schmetterlings-Tatoo wollen.“ „Einen Schmetterling? Spinnst Du eigentlich?“ liess die Reaktion der anderen nicht lange auf sich warten. Die durchdiskutierten Nächte, bis wir dann noch die geeignete Körperstelle auserkoren hätten, möchte ich mir lieber gar nicht vorstellen…

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