Politik | 07.01.2008

Der russische Superheld

Text von Rick Noack | Bilder von Nathalie Kornoski
Wladimir Putin gewann die Wahlen in Russland mit gewaltigem Vorsprung. Der Tink.ch-Kolumnist fragt sich, wie das geschehen konnte und wieviel Putins Wahlversprechen wert sind.
Bild: Nathalie Kornoski

Russland hat einen modernen Gott der Neuzeit: Wladimir Putin. Denn wer sonst, außer ein Allmächtiger hätte bei einer Wahl in Teilen des Landes mit 104% vorn liegen können (Quelle: Focus.de)? Nun, vielleicht ein Betrüger. Fakt ist: Zusammen mit seiner Partei der lieben Engel, dem „Geeinten Russland“ hat er die Wahlen gewonnen. Welche Wahlen eigentlich? Es war eher ein Marsch zu Ehren Putins. Der nette Allmächtige gab seinen Untergebenen eine Chance ihm zu zeigen, wie sehr sie ihn liebten. Die Atmosphäre soll feierlich gewesen sein. Natürlich sorgte Putin dafür, dass jeder sich auch an der Wahl beteiligte. Mittels Lautsprechern, Kurzmitteilungen per SMS und nett gemeinten Drohungen ließ er ausrufen, dass jeder wählen gehen sollte. (Quelle: tagesschau.de)

Wacker mitgespielt

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung spielte das Spiel mit und ließ sich in die Wahllokale locken. Als Dankeschön hatte Putin so einiges versprochen: Stabilität und Kontinuität. Heißt im Klartext: Aufschwung der Wirtschaft, Wachstum und bessere Lebensstandards. Das klingt nicht nur schön, sondern ist es auch. Bloß blöd, dass Putin nun gerade am wenigsten mit diesem Aufschwung, der schon seit einiger Zeit in Russland zu spüren ist, zu tun hat. Das berichtet jedenfalls das Nachrichtenmagazin Spiegel Online. Das wirtschaftliche Wachstum habe mehr mit dem gestiegenen Interesse an Energie zu tun. Im Gegensatz zum Rest von Europa hat Russland davon genug.

Russischer Superheld

Was Russland jedoch nicht hat ist eine funktionierende Demokratie, ein faires Rechtssystem und eine Opposition. Russland ist folglich politisch mehr mit den Ägyptern und den Kaiserreichen verwandt, als mit einem demokratischen Staat.

Tatkräftige Unterstützung erhält Putin übrigens von der Naschi-Jugend. Das sind Jugendliche, deren Ziel es beim Aufbau eines mächtigen Staates zu helfen. Ihre Rolle in Putins Schauspiel ist es den netten Nachbarn von nebenan zu spielen.

Putin erhält als Gott folglich von mehreren Seiten Unterstützung: Von seinen Engeln aus der Partei „Geeintes Russland“ und von seinen netten, menschlichen Vertretern auf Erden, die sich Naschi-Jugend nennen.

Das klingt doch himmlisch ruhig. Warum ziehen wir nicht alle gleich nach Russland? Man braucht sich rein gar keinen Kopf über die Wahlen zu machen, denn egal wie man abstimmt – sie sind schon lange vorher entschieden. Und im Fernsehen gibt es auch keine doofen kritischen Politiksendungen wo man sich beim Zusehen anstrengen muss, stattdessen flimmern russische Superhelden wie Putin über den Bildschirm. Der sollte sich allerdings langsam mal Sorgen um den Zustand seiner Untertanen machen. Die Rund-um-die Uhr Propaganda mit der er seine Bevölkerung einlullt, ist mit der Zeit nämlich langweilig. Vielleicht sollte Putin demnächst neue Formate ausprobieren. Er könnte ja mal eine Märchenfigur in einem Zeichentrickfilm spielen.