Kultur | 07.01.2008

„Den Hype kriegst du nur einmal“

Text von Martin Sigirst
Zum Höhepunkt des Indie Hypes haben Maxïmo Park aus Newcastle ihren Anfang genommen. Tink.ch traf Sänger Paul Smith in Zürich und sprach mit ihm unter anderem über seine Texte, Medien und Bücher.
Leicht erkältet: Sänger Paul Smith. Fotos: Martin Sigrist Der Maximo Park-Frontmann mit Tink.ch-Journalist Martin Sigrist.

Paul, wie geht es dir?
Ich bin etwas erkältet, müde und ausgelaugt, aber wir haben nur noch ein Konzert heute Abend, eins in München, dann haben wir ein paar Tage frei. Ich bin froh, dass ich bis zum Ende der Tour gekommen, bin ohne dass es mir richtig schlecht geht. Ich hatte neulich im Englischen Wolverhampton sogar eine Lebensmittelvergiftung. Wir hätten das Konzert fast abgesagt, haben es dann doch versucht und ich habe dann blöderweise während des Konzerts neben der Bühne erbrochen. Aus meiner Sicht war das wohl das schlechteste Konzert aber die Leute liebten es. Sie haben sich auch gefreut, dass wir das Konzert nicht abgesagt haben. Wir haben noch nie ein Konzert abgesagt.

Wunderst du dich ab und an, warum es den Leuten so egal ist, wie ihr spielt?
Die Leute in England sind wohl eh verrückt, da kannst du auch schlecht spielen. Wir spielen trotzdem so gut wie wir können, denn so wissen wir, dass wir alles gegeben haben.

Für euer letztes Konzert in Zürich im Mascotte war es sehr schwierig Karten zu bekommen. Seid ihr denn überhaupt eine Band für die Massen?

Ja, wir sind für alle. Wir hätten natürlich in Zürich auch vor mehr Leuten spielen können, doch wir wollten unser neues Material vorstellen. Dies erst mal an einem kleinen Ort, um zu sehen ob’s funktioniert. Wir waren auch schon die Vorband von The Police, da haben wir vor 60’000 Leuten gespielt. Das ist eine ganz andere Art zu spielen, denn je grösser die Konzerte werden desto grösser spielen wir selbst.
Heute Abend werden wir wohl auch grösser spielen als gestern in Fribourg, denn dort waren wir zum ersten Mal und hier wissen die Leute eher was sie zu erwarten haben.

Wie viel von dir auf der Bühne ist denn nun Show? Du bist ja bekannt dafür, auf der Bühne richtig abzugehen.
Mit Livemusik will ich immer grossen Eindruck machen, damit sich die Leute an uns erinnern. Dies ist ganz besonders wichtig wenn man wie wir noch ganz am Anfang steht, denn wir haben erst zwei Alben veröffentlicht. Die Leute die heute kommen müssen sich an uns erinnern und es liegt an mir, die Leute in die Songs rein zu ziehen. Ich spiele kein Instrument, so kann ich die Leute anschauen und mit ihnen in Kontakt treten. Es ist mein Stil, den Leuten zu zeigen wie ich über die Lieder denke und was sie für mich bedeuten. Es erstaunt mich nicht, dass man so über unsere Konzerte spricht. Es ist natürlich einfacher zu schreiben, dass ich da vorne stehe und die grosse Show mache, als dass man die Band als ganzes betrachtet.

Du scheinst ein sehr kommunikativer Mensch zu sein. Stört es dich nicht, wenn die nicht englischsprachigen Leute dich nicht verstehen?

Ich akzeptiere das, denn es ist toll genug, dass auch ausserhalb englischsprachiger Länder die Leute unsere Musik hören wollen. Auch gestern Abend haben die Leute mitgesungen, zugeschaut und mir zugehört. Vielleicht schauen sich die Leute die Texte dann auch noch genauer an. Aber auch nur mit der Musik kann der Inhalt der Songs schon ganz gut rüberkommen. Ich selber will immer wissen wovon ein Song handelt, vielleicht bin ich deshalb Sänger geworden. Zwar möchte ich nicht alles auf der Bühne verraten, denn das wäre langweilig, doch da und dort einen Hinweis auf den Inhalt der Songs ist schon nett. Nimm einen Song wie „Books from Boxes“, da glaube viele Leute, ja, da geht’s um Bücher. Doch das ist nur ein Detail, ein schöner Satz, jedoch nicht der Mittelpunkt des Stücks. Auch „Russian Literature“, kein Song über Bücher, sondern nur der Ort in einer Bibliothek wo sich zwei Menschen kennen lernen, was etwas über die beiden Personen aussagt. Ich versuche mit den Hinweisen auf die Songs den Blickwinkel der Leute auf die Songs etwas zu verändern. Doch es sollen natürlich auch Popsongs bleiben, jedoch ohne schwach zu sein.

Ist Pop denn schwach?
Schon, denn er ist für Geld, für den Verkauf gemacht. Aber Pop als Kunstform ist etwas ganz Tolles. Die Idee, etwas zu kreieren um es am Radio zu hören, um darüber  nachzudenken. Unser Song „Our Velocity“ wurde am Radio gespielt und da sind ein paar interessante Passagen im Text die du wohl nicht in vielen Popsongs finden würdest und das möchte ich immer.
Auch Elvis Costello oder Joy Division machen interessante Popsongs die oft am Radio gespielt werden, wo die Leute darüber nachdenken können. Auch Elvis Presley ist toll und viele Musiker versuchen nun so wie er zu klingen. Vielleicht hat auch er damals versucht, wie jemand vor ihm zu klingen. Man sagt, Elvis hätte die Schwarze Kultur ausgenommen, aber vielleicht hat er auch einfach selbst etwas Neues gemacht. Auch wir kopieren nichts Bestimmtes aber natürlich haben wir unsere Einflüsse. Wir sind hier um eine Alternative zu bieten, was jedoch schwierig ist. Und es ist natürlich bequemer im Mainstream zu schwimmen.

Ihr zählt euch nicht zum Mainstream. Doch der Hype um euer erstes Album hat euch trotzdem geholfen.
Ja, das hat er sicherlich. Da wir bei einem kleinen Label sind, konnten wir nicht viel Werbung machen. In England kann es jedoch passieren, dass Medien andere Medien gezwungen haben, uns zu beachten.  Zum Beispiel Radio One wollte uns nicht spielen, als wir dann jedoch auf Platz 20 in den Charts waren, haben auch sie uns wahrgenommen. So waren wir plötzlich eine Radio One Band, dem folgten weitere Magazine. So waren wir zwar ursprünglich eine Art Feindesband, doch die einen Medien halfen uns, dass wir in anderen Medien aufgetaucht sind, so dass wir grössere Aufmerksamkeit bekamen. Die Medien bekommen somit ihre guten und schlechten Zeiten. Andere Bands haben ihren Hype vielleicht bereits vor ihrer ersten Single, noch ganz ohne Basis. Den Hype muss man geschickt und nachhaltig nutzen, denn ihn kriegst du nur einmal. Die Leute wussten am Anfang bei uns nicht so richtig was sie aus unserer Musik machen sollten. Einen Song wie „Apply Some Pressure“ gab’s einfach vorher nicht, nicht im Nordosten wo wir her kommen. So sind wir herausgestochen. Wir waren komisch angezogen und viele Leute dachten, dass sei ein erbärmlicher Versuch, New Wave zu imitieren. So wurden wir anfänglich in eine Schublade gesteckt und mussten einfach versuchen, trotzdem die Leute mit unserer Musik zu packen und irgendwann hat das funktioniert. Aber wir werden wohl nie neben James Blunt am Schweizer Radio gespielt werden. Ich möchte einfach, dass wir eine Alternative bieten können zu dem ganzen Kram der den Leuten um die Ohren gehauen wird.

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