Kultur | 28.01.2008

Adieu Spiessertum

Text von Elia Blülle | Bilder von PD
«Pepperminta" ist ein zeitgenössisches Märchen der St.Galler Künstlerin Pipilotti Rist und ein visuelles Spektakel der Superlative. So farbig war die Welt noch nie.
Pipilotti Rists Film "Pepperminta" ist ein Feuerwerk der Farben, das die Sinne vernebelt.
Bild: PD

Spritzig, frisch und kunterbunt: das ist die Welt von Pepperminta. Sie erklärt dem grauen Alltag den Krieg und bekämpft ihn mit poppigen und psychedelischen Farben. Die junge Frau ist eine Heldin der etwas anderen Art. Ihre Mission ist es, die Menschen aus ihrem Gefängnis der Ängste und Zwänge zu befreien.

Mit dem chronisch kranken und pummeligen Werven, den sie seiner despotischen Mutter entreisst, und der Tulpenflüsterin Edna begibt sie sich auf eine sonderbare Reise. Das Trio trägt farbenfrohe Uniformen und trinkt zur Stärkung Menstruationsblut aus einem goldenen Kelch.

Mit ihrer Geheimwaffe, die aus unterschiedlichen Farbstreifen besteht, manipulieren sie triste Autoritätspersonen, verhelfen Studenten zu einem Farborgasmus und stellen ein Gourmetrestaurant auf den Kopf.   

Visueller Triumph

Abgefahren, freizügig und hypnotisierend ist der erste Kinofilm von Pipilotti Rist allemal. „So muss es auf einem Drogentrip sein“, meinte eine junge Frau während der Vorführung an den Solothurner Filmtagen. Sie hatte nicht ganz Unrecht. Das Feuerwerk der Farben, die massenhaften visuellen Eindrücke und der wilde Soundteppich können die Sinne vernebeln.

Mit der naiven, kindlichen und zum Brüllen komischen Story gelingt es der Künstlerin durchaus auch ein Publikum ausserhalb der Kunstszene zu gewinnen. Gewisse Elemente aus der konventionellen Filmwelt sind vorhanden, so liefern sich die Protagonisten eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und eine halbwegs normale Liebesgeschichte ist ebenfalls integriert. Gegen den Schluss hin jedoch wird die Geschichte monoton und vorhersehbar.  

Wiederholt geht die Regisseurin auf den weiblichen Körper ein und auch die für Pipilotti Rist typischen Nahaufnahmen von Poren, Nippeln und anderen Körperteilen fehlen nicht. Der Film trumpft vor allem auf visueller Ebene auf. Künstlerisch ist er ein wahres Meisterwerk, gewöhnungsbedürftig und unvergesslich.

Hintergrund


Pipilotti Rist ist die bekannteste zeitgenössische Schweizer Künstlerin. Die Videoarbeiten und Installationen der St. Gallerin sprechen weltweit ein breites Publikum an. Mit dem Film "Pepperminta" hat sie mehrere internationale Preise gewonnen.