Kultur | 10.12.2007

Politik ist kein Thema

Text von Naomi Richner
Eine ägyptisches Polizeiorchester verirrt sich irgendwo in Israel in der Wüste. Zum Glück sind sie dort nicht ganz allein. The Band's Visit ist ein wundervoller Film über zwischenmenschliche Begegnungen jenseits der Klischees.
Die Barbesitzerin Dina (Ronit Elkabetz) leistet den gestrandeten Polizisten Gesellschaft. Fotos: www.thebandsvisit.com Angekommen, aber wo? Das Polizeiorchester mitten in der Wüste.

Das „Alexandria Ceremonial Police Orchestra“ wurde nach Israel eingeladen, um in einer Stadt namens Petah Tikva an der Eröffnung eines arabischen Kulturzentrums zu spielen. Doch irgendetwas läuft bei der Organisation schief, denn am Flughafen wartet die Band vergeblich darauf, abgeholt zu werden. Die Polizisten beschliessen, auf eigene Faust nach Petah Tikva zu fahren. Wegen eines Missverständnisses findet sich die Band nach langer Busfahrt in Bet Hatikva wieder, einem Kaff mitten im Nirgendwo der Wüste. „There is no arab center here.“ sagt die Barbesitzerin Dina (Ronit Elkabetz), als sich Tefiq (Sasson Gabai), General und Dirigent der Band, nach dem arabischen Kulturzentrum erkundigt. „No arab culture, no israeli culture, no culture at all.“ Und da der letzte Bus nach Petah Tikva abgefahren ist, bleibt dem Alexandria Ceremonial Police Orchestra nichts anderes übrig, als über Nacht in Bet Hatikva zu bleiben.

Amüsante Begegnungen
Das Dorf Bet Hatikva, was ironischerweise „Haus der Hoffnung“ bedeutet, ist ein trostloser Ort; durch die Anwesenheit der Band scheint die Einwohnerzahl beinahe verdoppelt zu werden. Im Laufe der Nacht ergeben sich teils absurde, teils witzige oder sogar romantische Begegnungen zwischen den Polizisten und den Einwohnern des Dorfes. Diese werden humor- und liebevoll erzählt, ohne dabei in irgendwelche Klischees zu verfallen: Die Geschichte wird niemals kitschig, das Happy End bleibt aus. Und noch etwas fällt auf: Politik ist nie ein Thema. Genau darin liegt das Überraschende an „The Band’s Visit“. Als gemeinsame Sprache zwischen Ägyptern und Israelis bleibt Englisch. Aber das meiste wird ohne Worte gesagt; das Schweigen sagt mehr, als man in Worten ausdrücken könnte.

Symbolische Leere
In Erinnerung bleibt vor allem die Leere: Die Leere der Wüste, die Leere der nächtlichen Strassen in Bet Hatikva. Die Leere im Leben der Menschen, die nur für eine kurze Weile unterbrochen wird. Regisseur Eran Kolirins wundervolle Erzählweise, die kargen Bilder, und nicht zuletzt ergreifende arabische und israelische Musik entführen in eine andere Welt und machen „The Band’s Visit“ zu einem filmischen Meisterwerk.

Info:


"The Band’s Visit" läuft seit dem 6. Dezember in allen grösseren Schweizer Städten.

Verleih: Xenix Filmdistribution

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