Kultur | 17.12.2007

„Ohne Revolution bin ich ledig“

Text von Moritz Noser | Bilder von tommyvercetti.ch
Von den einen geliebt, von den anderen gehasst: Rapper Tommy Vercetti veröffentlicht seine EP "Heaven" pünktlich zur Weihnachtszeit. Seine sechste Veröffentlichung gehört definitiv zu seinen besten.
Das Cover der "Heaven"-EP.
Bild: tommyvercetti.ch

Seit Mitte Dezember gibt es auf der Website von Tommy Vercetti ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk: Der Ostberner Rapper bietet seine neue EP „Heaven“ graits zum Download an. Darauf zeigt sich Tommy von seiner besten Seite. Gerade wem sein letztes Mixtape „Radiosessions“ zu verspielt und zu wenig ernsthaft war, wird mit „Heaven“ ziemlich sicher glücklich.

Der Rapper schafft es, politische Themen anzusprechen ohne peinlich oder oberflächlich zu wirken. Seine Botschaft bringt er ohne erhobenen Zeigefinger rüber.

Im Vergleich zu Rappern wie Greis oder Sektion Kuchikäschtli ist Tommy Vercetti jedoch um Einiges radikaler. Der Track „Down“ ist allen Leuten gewidmet, die im Club abstürzen und nur fürs Weekend leben. Thematisch liegt der Track irgendwo zwischen Clubtrack und einer Ode an den Schwarzen Block. Man wird aufgefordert sein Geld zu verbrennen, da es nur Papier ist. „Proletarier Move, wir kommen mit roten Fahnen in den Club“. Warum auch nicht?

Ernsthafter

Der typische Tommy-Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Herrlich ironisch und liebenswürdig arrogant trifft es wohl am besten. „Ich bin das Gegenteil von Pelzträgern, ich bin nackt einfach am schönsten“ oder „Bunnys findens nicht schön, wenn du sie Bunny nennst, vielleicht hast du mehr Chancen, wenn du sagst, dass du Tommy kennst“.  Aber eben, der Rapper bleibt thematisch nicht nur bei Oberflächlichem. „Zirkus“ kommt als ziemlich sachlicher Polit-Track daher. Das Lied lebt von Aussagen wie: „SVPler haben vergessen wer ihr Klo putzt“ und „Wie kann man den Weg ins Büro finden, wenn man seit Jahren nicht mehr weiss wo Links ist?“

Vercetti scheint wenig bis gar nichts von der Schweizer Politik zu halten: „Politiker von Heute haben keine Programme, nennen dies realistisch und verdienen hunderttausend Franken für ein bisschen Sitzen“. Klarer Höhepunkt der EP ist der Titeltrack „Heaven“. Über den von Onur wunderschön produzierten Pianobeat gibt sich Tommy sehr philosophisch. Er redet über Revolution, Liebe und Gott, ohne peinlich zu wirken. „Ein Mensch ist kein Produkt, er braucht keinen Grund für die Liebe“, oder „Ich habe einen Ring am Finger, doch ohne Revolution bin ich ledig“. Tommys hohe, leicht krächzende Stimme ist zwar ungewöhnlich, doch als Markenzeichen taugt sie absolut. Rapliebhaber sollten sich „Heaven“ jedenfalls nicht entgehen lassen, denn man hört Tommy Vercetti in Hochform. Und dass man die EP kostenlos herunterladen kann ist sicher auch kein Nachteil.

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