09.12.2007

Manson im Dada-Haus

Text von Laura Folkers
Seit dem 29. November kann der geneigte Besucher im Cabaret Voltaire im Zürcher Niederdörfli Marilyn Mansons selbst gemalte Bilder bewundern.
Die Manson-Ausstellung im Zürcher Dada-Haus präsentiert Aquarelle von gequälten und anderen Kreaturen. Fotos: Laura Folkers Ob das ein Selbstporträt ist?

Wer auf diese Ausstellung aufmerksam wird, denkt wohl als erstes: „Wieder so ein Sänger, der meint, malen zu können und mal schnell zum Pinsel greift«.“ Doch dieses Mal sollte man über seinen Schatten springen und sich die entsprechenden Bilder ansehen. Es wird klar, dass sich Manson nicht einfach nur für ein paar Monate hingesetzt und irgendwas zusammengepinselt hat. Das älteste datierte Bild der Ausstellung ist von 1998, man also davon ausgehen, dass Manson schon eine Weile am Üben ist. Eine gewisse Ähnlichkeit zu modernen Künstlern kann man ebenfalls nicht leugnen, was nicht bedeuten soll, das der Musiker kopiert hat, sondern seinen Pinselstrich beherrscht. Auch auffällig ist das konstante Auftauchen einer Person als Zentrum des Bildes. All seine Werke sind in gewisser Weise Portraits. In zwei bis drei dieser Bilder meint man sogar ihn selbst zu erkennen. In einem erkennt man Mansons Ex-Frau Dita von Teese, allerdings ist dieses Bild interessanterweise in einem Raum abseits der anderen Arbeiten ausgestellt. So wirkt die Inszenierung dieses einen Gemäldes beinahe kirchlich. Wenn man die Bilder alle zusammen betrachtet, scheinen sie eine ganze Gallerie voller Stimmungen eines unsicheren Gemüts zu sein.

Trotz allem ist seine Kunst nicht langweilig, nicht immer wieder dasselbe oder gar so modern-verschmiert, dass trotz vieler Interpretationsversuche kein Sinn dahinter zu finden ist. Seine Bilder scheinen mitten aus dem Leben zu stammen. Abwechslung wird durch die Farbzusammenstellungen, manchmal pastellfarben, dunkel und gedeckt, oder nur verschiedene Grautöne, oder die verschiedenen Maltechniken erzeugt. Wenn man die Bildbeschreibungen liest, wird man sogar ein Bild finden in welches Absinth eingearbeitet wurde.Natürlich erfüllt Manson auch das Klischee des düsteren Künstlers. Er setzt sich nun einmal mit seinem Wesen auseinander und versucht wohl seine Gefühle in Bilder und Farben zu verpacken. Seine Bilder sind wahrscheinlich eher für seine Fangemeinde bestimmt, denn man muss ihn schon als Künstler und nicht als bösen Satanisten sehen, um seine Werke zu akzeptieren. Wer dies tut und auch ein gewisses Verständnis für moderne Kunst mitbringt ist in der Ausstellung im Zürcher Dada-Haus aber sicher richtig.

Info:


"Les Fleurs du Mal" mit Bildern von Marilyn Manson ist noch bis am 6. Januar im Cabaret Voltaire in Zürich zu sehen.

 

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