Gesellschaft | 18.12.2007

Hiphop für Respekt und Toleranz

Text von Janosch Szabo
Toxic.fm und Radio 3fach haben eine Workshopreihe lanciert, um mit jungen Leuten am Thema Rassismus zu arbeiten. Entstanden ist daraus, unter der Leitung namhafter Schweizer Hiphop-Künstler, ein Album mit acht eindringlichen Tracks. Der Titel ist Programm: "Heimat - Hiphop für Respekt und Toleranz»
Aufnahmen im Studio: Hier gaben die Jugendlichen ihren Texten eine Form. Fotos: hiphopheimat.ch Und immer wieder musste an den Rhymes gefeilt werden.

Hiphop ist der Weg um Jugendliche ans Thema Rassismusbekämpfung heranzuführen: Das dachten sich Radioleute aus St. Gallen und Luzern und lancierten im Rahmen der Europaratskampagne Alle anders alle gleich kurzerhand gemeinsam ein entsprechendes Projekt mit je vier Workshops in jeder der beiden Städte. Den Ausschlag für die Initiative hätten eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit Gewalt und Rassismus während Eventreportage von Festivals gegeben, sagen Projektleiter Ralph Wirth vom St. Galler Radio toxic.fm und Sendungskoordinatorin Julia Stirnimann vom Luzerner Radio 3fach.

Gimma, Greis und Claud an Bord
An einer Sitzung mit Markus Gander von Infoklick.ch, Kinder- und Jugendförderung Schweiz, wurde ein Konzept entwickelt. Der Startschuss war gefallen für ein Projekt, das die Jugendlichen begeistern sollte. Jetzt liessen Wirth und Stirnimann ihre Kontakte spielen, um für die Workshops namhafte Schweizer Hiphop-Künstler an Bord zu holen. Bald schon hatten sie Zusagen von Gimma und Greis sowie Claud von der Bündner Sektion Kuchikäschtli. „Das sind halt coole Leute, die so etwas gern machen“, sagt Julia Stirnimann. Später seien durch sie gar noch andere Rapper wie Claudio von Breitbild, Lycon, The Wolves, Hyphen & Sir Beni Styles dazugekommen.

Bunt gemischte Gruppe

Im Zentrum der Workshops aber standen die Jugendlichen, die sich dazu bunt gemischt was Alter, Dialekt und Herkunft betrifft, einfanden. Ihre Meinung und Position waren gefragt. Sie sollten texten über die Heimat. Darauf vorbereitet wurden die jeweils vier Teilnehmenden pro Workshop von Christian Wirz, Projektleiter bei Infoklick.ch für den Bereich Respekt & Toleranz.

Was sind Vorurteile? Wie kommen sie zu Stande? Und was genau ist eigentlich Rassismus? Solche Fragen habe er mit den Workshopteilnehmern angeschaut, Definitionen dazu gegeben und schliesslich mit ihnen deren eigene Erfahrungen besprochen, sagt er: „Mir war es bei dieser inhaltlichen Vorbereitung wichtig, dass die Jugendlichen daraufhin persönliche Texte mit Lokalbezug schreiben würden, Geschichten aus ihrem Umkreis.“

Motiviert bis in die Fingerspitzen

Das taten sie denn auch, nachmittags im Workshop mit den Hiphop-Grössen. Ralph Wirth, der selber einmal reingeschaut hat, kann sich noch gut an die motivierte Stimmung erinnern: „Beim Schreiben war es mucksmäuschen still.“ Unterstützt wurden die Jungs – nur einmal war eine Frau dabei – je nachdem von Gimma, Greis oder Claud und manchmal auch noch von zusätzlichen Hiphop-Künstlern. Mit solchen Leuten zu arbeiten, sei sicherlich ein grossartiges Erlebnis, sagt Julia Stirnimann. Stolz und Freude der Jugendlichen habe sie jedenfalls deutlich wahrgenommen.

Mit den Cracks im Studio

Den krönenden Abschluss eines jeden Workshops bildete die Studioaufnahme eines gemeinsamen Songs, die Zusammenführung der so unterschiedlichen Typen zu einer kleinen Crew.

Unter der Leitung der Profis sind so insgesamt acht Tracks entstanden, die nun auf einem von Claud produzierten Album vereint sind. „Heimat – Hiphop für Respekt und Toleranz“ heisst das Werk, auf dem junge Menschen selbstsicher den Ton angeben. Pointierte Meinungen, knallharte Statements und scharfsinnig reflektierte Erlebnisse kommen in den Raps zum Ausdruck. So zum Beispiel im Track „mini heimat“ von Angel, Alesh, Jens und Silvano supported von Claud und Gimma:

„Gwalt, Chrieg und Hass i dr Schwiz

Doch all diä faxä sind jetzä verbi

Chli Vernunft gmischt mit hufä verschtand

Bringt Fridä, Fröid und Liäbi is ganzä Land.“

Die anderen Stücke heissen: „mis land“, „bhalt das im herz“, „null toleranz“, „händ id luft“, „nid i club“, „lass es use“ und „chance uf ne änderig“ – kurze Titel mit starker Message.

Zu hören im Radio

Da bisher lediglich 200 Exemplare der CD gepresst wurden, für die Beteiligten und interessierte Schulen, die damit arbeiten wollen, gibt es die Tracks für alle anderen Interessierten vorläufig vor allem bei den beiden Radios toxic.fm und 3fach zu hören. Das sei zwar von Anfang an das Ziel gewesen, sagt Julia Stirnimann, dennoch sei für sie das endgültige Resultat die grösste Überraschung am ganzen Projekt: „Es ist der Hammer.“ Ralph Wirth schliesst sich ihr an: „Die Texte sitzen sensationell.“ Und er folgert daraus: „Es hat sich gelohnt, dass wir mit den Besten zusammengearbeitet haben.“ Er meint damit die Hiphop-Grössen. Aber vielleicht gehören ja schon bald auch die Jungs aus den Workshops zu ihnen. Dass sie etwas zu sagen haben, beweisen ihre Texte.

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