Kultur | 23.12.2007

Gebete und Geschenke

Die 16-jährige Mary Paz Bueno-Cadena verbringt ein Austauschjahr in der Schweiz und erzählt Tink.ch, wie Weihnachten in ihrer Heimat gefeiert wird.
Feiert für einmal Weihnachten in der kalten Schweiz: Mary Paz aus Ecuador.
Bild: Andrea Scherrer

Jedes Jahr im Dezember ist es soweit: Wir feiern Weihnachten. Obwohl das Fest auf der ganzen Welt unterschiedlich gestaltet ist, feiern doch alle am 24. und 25. Dezember eine besondere Geburt – die Geburt von Jesus. Weihnachten scheint manchmal nur noch dazu zu dienen, Geschenke zu verteilen, wobei der religiöse Gedanke oft verloren geht. In Ecuador ist das nicht so. Da in unserem Land eine Mehrheit der Menschen der katholischen Religion angehören und diese auch einen hohen Stellenwert hat, ist das Fest für uns ein Ausdruck unseres Glaubens und als solches heilig.

Etwas, das ich bei uns speziell finde, ist, dass wir uns am Abend vor Weihnachten um neun Uhr alle bei Freunden oder zu Hause treffen. Dort sprechen wir über die Geschichte von Jesus‘ Geburt und beten zusammen. Danach trinken wir einen Kaffee und gehen dann schlafen. Der 24. Dezember ist in Ecuador der offizielle Weihnachtstag. Die Familien beginnen schon am frühen Morgen mit dem Kochen des Menüs für den Abend. Das Menü ist meist etwas anderes als im Jahr zuvor und obwohl es kein traditionelles Weihnachtsmenü gibt, wird häufig Truthahn gekocht.
Natürlich darf auch die typische Weihnachtsdekoration nicht fehlen. Wir schmücken unsere Häuser mit Lichtern und Weihnachtsfiguren. Vor allem der Weihnachtsbaum und die Krippe sind sehr wichtig. Lustig finde ich, dass es bei uns in Ecuador im Unterscheid zur Schweiz keine Tannenbäume gibt, weil es bei uns ist. Als Ersatz benutzen wird eine andere Baumsorte oder auch Plastikbäume. Natürlich gehören zu unserem Weihnachtsfest auch Geschenke, damit warten aber jeweils bis nach dem Essen. So ist die Spannung für die Kinder noch grösser.

Das Wichtigste an Weihnachten ist für uns einfach, eine gute Zeit mit der Familie zu haben. Ausserdem ist Weihnachten das Fest, an dem man an jene Dinge denkt, die einem im eigenen Leben wichtig sind. Ganz allgemein glaube ich, dass Weihnachten, egal ob in Ecuador oder in der Schweiz, dazu da ist, uns grosszügig und dankbar zu machen.

Steckbrief


Mary Paz Bueno-Cadena wurde in Quito, der Hauptstadt von Ecuador geboren und verbringt zurzeit ein Austauschjahr in der Schweiz. Genauer, in der Zuger Gemeinde Hünenberg. Ihre Freizeit verbringt die 16-Jährige am liebsten mit Schreiben, Musik, Tanzen und ihren Freunden.