Gesellschaft | 18.12.2007

„Ein Lerneffekt für alle beteiligten Seiten“

Text von Andreas Renggli
Die schweizerischen Aktivitäten im Rahmen der Europaratskampagne "alle anders - alle alle gleich" sind am 10. Dezember in Bern mit einer Schlussveranstaltung offiziell beendet worden. Thomas Vollmer zieht nun Bilanz.
Alle anders. Alle gleich. Mit dieser Bilderserie hat Johannes Bühler beim Fotowettbewerb Regardeux von Tink.ch den dritten Platz erreicht.

Sie haben die jüngste Europaratskampagne von Seite des BSV betreut. Was hat die Kampagne bewirkt?
Wir hatten uns im Rahmen der Steuergruppe das Ziel gesetzt, bestehende Angebote zur Thematik der Kampagne einem breiteren Publikum bekannt zu machen und damit die Sensibilisierung und Aktivitäten zu den Themen Vielfalt, Menschenrechte und Partizpation zu steigern  zu steigern. Gemessen an der Nachfrage nach Materialien (Broschüren, Lehrmittel usw.) nach Fachleuten und Weiterbildungsangeboten wurde dieses Ziel bestens erreicht. Etwas kritischer reflektieren muss man die Frage der Nachhaltigkeit. Wenn in einem Projekt alle Aktivitäten geklappt haben und alle sehr motiviert mitgearbeitet haben, ist das zwar ein Erfolgsmoment, dies heisst aber noch nicht, dass dadurch auch eine nachhaltige Wirkung erzielt wird. Nachhaltigkeit entsteht, wenn das im Rahmen von Projekten aufgebaute Know-how sowie Erfahrungen und in die spätere Arbeit eingebracht wird.  Die engagierte und motivierte Projektarbeit hat funktioniert, auf die Frage der Nachhaltigkeit müsste man in ein, zwei Jahren nochmals schauen.

Welches waren der Höhepunkte der Kampagne?
Im Rahmen einer Auswertungsveranstaltung wurden als besonders wertvolle Erfolgsmomente bei Projektträgern und der Kampagnenleitung die Erfahrung eingestuft, Menschen und Organisationen für eine gemeinsame Angelegenheit – also Vielfalt, Menschenrechte und Partizipation – zu gewinnen, zusammenzubringen und eine Vernetzung herzustellen. Hier wurden auch sehr positive Erfahrungen mit dem institutionellen Umfeld gemacht. Die so entstandenen Partnerschaften und Formen der Zusammenarbeit erscheinen mir als das herausragende Erfolgselement dieser Kampagne.

Insgesamt wurden 130 Jugendprojekte realisiert. Ein Zeichen, dass junge Leute doch nicht nur konsumieren?

Ja, die Kampagne hat gezeigt, dass sich junge Menschen in der Schweiz – und zwar in allen Landesteilen – engagieren. Und zwar oft mit wenigen Mitteln. Sie haben diese Kampagne getragen und sich für gelebte Vielfalt und Chancengleichheit eingesetzt und zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen, in der Schule, in der Freizeit, im Alltag. Dies ist eine klare Botschaft. Junge Menschen haben ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten und machen davon Gebrauch. Das zeigt die Vielfalt der Projekte: Musik, Tanz, Kunst, Sport. Dies gilt es weiter zu fördern.

Gibt es vom BSV unterstützte Projekte, die ohne Kampagne nicht initiiert worden wären?
Das ist schwer zu beurteilen. Denn prinzipiell hätten alle vom BSV unterstützten Projekte auch ohne Kampagne Finanzierungshilfen im Rahmen Kredits zur Förderung der ausserschulischen Jugendarbeit beantragen können. Insgesamt förderte das BSV 15 Projekte unter dem Label der Kampagne. Dabei wurden 13 Projekte in 2006 genehmigt und 2 Projekte in 2007. Es gilt also festzustellen, dass vor allem in den ersten sieben Monaten der Kampagnelaufzeit ein sehr hohes Interesse bestand, Projektgesuche im Zusammenhang mit der Kampagne einzureichen. Dies ist sehr stark auf die Begleitung vor und während der Antragstellung durch die Kampagneleitung zurückzuführen sowie auf die Durchführung verschiedener Workshops und Schulungsmassnahmen. Ein solch hohes Betreuungsmass wäre ohne die Unterstützung durch die Kampagneleitung rein personell nicht zu leisten gewesen. Zweifellos wurden also durch die Kampagne eine Reihe von qualitativ sehr guten Projekteingaben erst motiviert. Für den Jugendförderungskredit kann deshalb festgestellt werden, dass eine De-facto-Schwerpunktsetzung, wie sie während der Laufzeit der Kampagne stattgefunden hat, ohne jedoch andere Projekteingaben auszuschliessen, durchaus sehr positive Ergebnisse auf die Qualität der Gesuche hatte.

Welche Erkenntnisse zieht die Steuergruppe aus der Kampagne in Bezug auf das Thema der Kampagne?
Die Frage lässt sich aufgrund von Aussagen während dem Auswertungsworkshop der Fachstelle für Rassismusbekämpfung beantworten: Viele Projektträger sahen sich durch die Kampagne ermutigt, Teil einer grossen, europaweiten Aktivität zu sein. Es erzeugte gegenüber anderen und sich selbst eine gewisse Legitimation und natürlich eine sehr starke Motivation sich zu beteiligen. Die Jugendkampagne des Europarats wurde deshalb von Projektträgern überwiegend als Erfolg bewertet. Es wurde auch das Interesse an weiteren Kampagnen geäussert, welche der Arbeit der Projektträger vor Ort einen Bezugsrahmen und ein gemeinsames Label geben, als Ideenpool für Projekte dienen und die Zusammenarbeit sowie das Auftreten nach aussen befördern.

Gibt es Bestrebungen, die Idee von „alle anders – alle gleich“ über das Kampagnenende hinaus aufrechtzuerhalten?
Auf Ebene des Europarats gibt es diese Überlegungen. Aus unserer Sicht ist es aber nicht sinnvoll, eine Kampagne mit offenem Ende zu führen. Unsere Bestrebungen sind vielmehr, dass die Themen der Kampagne, also Vielfalt, Menschenrechte und Partizipation auch zukünftig in Jugendprojekten aufgegriffen werden. Die Projektfonds der Fachstelle für Rassismusbekämpfung sowie des BSV können hierzu sicher genutzt werden. Wichtig wäre es auch, wenn sich vermehrt Projekte mit Fragen der Integration auseinandersetzen würden.

Weiter wurden im Rahmen der Kampagne auf Elemente wie Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Nachhaltigkeit von Projekten verstärkt geschaut. Es sind viele Lerneffekte entstanden, an dem man sicher anknüpfen kann. Die Schlusspublikation bietet hierfür gute Anhaltspunkte.

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