Kultur | 03.12.2007

„Ein Hip-Hop Album wäre doch total blöd“

Jamie Reynolds, der Sänger der Klaxons, erzählt Tink.ch von seinem gebrochenen Bein, der Arbeit am neuen Album und warum es nicht lustig ist, für Björk als Support zu spielen.
Hat genug von den vielen Exzessen: Jamie Reynolds (mitte) von den britischen Indierockern Klaxons.
Bild: www.klaxons.net Jamie mit den beiden Tink-Journalistinnen. Tatjana Rüegsegger

Die Erfolgsgeschichte von Klaxons scheint kein Ende zu nehmen: Mit dem Bestselleralbum „Myths of the near future“ räumten sie nicht nur den Preis für die beste Band des Jahres (NME) ab, sondern auch noch den begehrten englischen Mercury Prize. Durch die Euphorie beflügelt, glichen die Shows der letzten Monate eher einem Zirkus als einem Konzert. Dies durfte das Schweizer Publikum auch miterleben, als Sänger Jamie Reynolds am Open Air St.Gallen sturzbetrunken während dem Auftritt auf den Boden plumpste und dort einfach weiterspielte. Der Höhepunkt dieser Sauftour spielte sich allerdings in Frankreich ab, wo Jamie, erneut betrunken, von der Bühne fiel und sich das Bein brach. Dies hinderte ihn natürlich nicht daran, volle Power zu geben und die Show zu Ende zu spielen. Durch die Folgen ihrer Exzesse etwas schockiert, scheinen es die Klaxons nun ein wenig ruhiger anzugehen. So ruhig, dass anstelle von Bailey’s im Tourbus nur noch Fruchtsäfte mitgeführt werden, wie uns ein Insider verriet.

Vor dem Konzert traf Tink.ch zum zweiten Mal dieses Jahr den sympathischen und nüchternen Jamie der ein bisschen verschlafen und ungewaschen (wie er sagte) über die letzten Monate und das neue Album sprach.

Wie gehts deinem Bein?

Ach, ganz gut. Ich war in letzter Zeit ein wenig faul. Aufgrund der mangelnden Bewebung haben sich meine Muskeln abgebaut, so dass ich sogar einzelne Gigs im Rollstuhl spielen musste. Zurzeit mache ich Physiotherapie.

Hast du einen Gips?

Nein. Aber ich habe jetzt eine Metallplatte mit Schrauben im Fuss.

Ihr wart vor kurzem in Amerika. War das eine gute Erfahrung?

(überlegt) Amerika ist kompliziert. Die Konzerte sind genial, die Leute gehen voll ab. Das Problem ist, dass unser Label, das uns dort vertritt, nicht weiss wie sie unser Album verkaufen sollen. Die kratzen sich am Kopf und wissen nicht was zu tun ist.

In Amerika hattet ihr die Ehre, als Support für Björk im Madison Square Garden zu spielen. Wie war das?

Wir fühlten uns geehrt, es war theoretisch eine tolle Sache. Nur in der Praxis war es furchtbar, weil nur Björk-Fans anwesend waren. Wir spielten eine halbe Stunde und es war einfach komisch.

Wie läuft die Arbeit am zweiten Album?

Im Moment sind wir nur am touren und haben nicht viel Zeit daran zu arbeiten. Im Dezember haben wir dann ein bisschen Ferien und wir haben uns vorgenommen, im Januar mit den Aufnahmen zu beginnen. Voraussichtlich wird im Mai eine EP erscheinen und im September dann das Album.

Bei euren Konzerten sah man euch oft mit T-Shirts mit Dr. Dre vorne drauf.  Ihr sagtet, dass ihr dies tut, um ihn dazu zu bringen, euer zweites Album mitzuproduzieren. Wird daraus jetzt etwas?

Wir können nur mit Dr. Dre arbeiten wenn wir beim gleichen Label sind. Das sind wir nicht. Wir arbeiten zwar mit einigen Leuten aus seiner Crew jedoch nicht mit ihm selber. Und eigentlich haben wir so oder so nicht im Sinn ein Hip-Hop Album zu produzieren. Das wäre doch total blöd.

Da sind wir aber froh! Macht ihr euch eigentlich nie Sorgen um eure Gesundheit? Ihr feiert ja ziemlich oft.

Nein, eigentlich nicht. (lacht)

Nicht einmal, wenn es so endet wie beim Open Air St.Gallen? (alle lachen)

(Verlegen) War das dieses Festival? Ich fiel zu Boden und wusste nicht mehr wirklich was los war.

Ein Wunder, dass du noch spielen konntest.

Ja, solche Sachen tendieren dazu öfters zu passieren. (grinst)

Aber jetzt habt ihr euch ein wenig gezügelt, oder?

Ja schon ziemlich. Bevor wir den Mercury Prize gewonnen haben, waren unsere Exzesse extrem schlimm. Dann waren wir fast ein bisschen schockiert über uns selbst und daraufhin haben wir beschlossen, eine kleine Pause einzulegen.

Ist es noch möglich bei so grossem Erfolg diese Do-it-yourself-Mentalität zu bewahren? Euer erstes Album habt ihr ja grösstenteils selber produziert und illustriert.

Unser Label hat so oder so noch nie etwas für uns gemacht. Die lassen uns tun und lassen was wir wollen. Wir wissen eigentlich nie was am Ende herauskommt. Und sie auch nicht. Die haben keine Ahnung was genau läuft.

Setzt euch die Plattenfirma nie unter Druck?

Ein bisschen. Wir müssen noch zwei Singles veröffentlichen bevor das Album herauskommt.

Wie werden die Texte auf dem zweiten Album? Denn die vom ersten Album waren ja ziemlicher…

Schwachsinn. (alle lachen) Nun, wir können nicht unser ganzes Image umkrempeln. Denn so würden wir aufgeben, was wir sind. Aber es würde uns schon zugute kommen, wenn die Texte ein wenig mehr Sinn ergeben würden.

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