Gesellschaft | 17.12.2007

„Die Menschen hier sind grösser“

Der thailändische Jugendliche Ben, der mit vollem Namen Raiwin Kiatwankul heisst, wohnt für ein Jahr bei einer YFU-Gastfamilie im St. Gallischen Vilters. Tink.ch hat ihn besucht.
Entdeckt mit dem Postauto die Schweiz: Austauschschüler Raiwin aus Thailand. Fotos: Tanja Zimmermann Raiwin im Kreis seiner Schweizer Gastfamilie.

Wieso hast du dich für ein Austauschjahr in der Schweiz entschieden?
Ich wollte Deutsch lernen und neue Erfahrungen sammeln, um mein Selbstvertrauen zu stärken. Weiter wollte ich  die Kultur der Schweiz besser kennen lernen.

Obwohl du erst seit Kurzem hier bist: Würdest du sagen, dass du die Schweiz magst?

Ich war vor fünf Jahren schon mal hier und denke, dass die Schweiz ein sehr guter Ort ist, um einen Sprachaufenthalt zu machen. Ich habe mich sehr freut, hierher zu kommen

Was sind die grössten Unterschiede zwischen Thailand und der Schweiz?

Alles ist total unterschiedlich. Die Kultur, das Essen, die Sprache, das Wetter. Selbst die Menschen sind hier grösser als in Thailand.

Gibt es Dinge, die du hier vermisst?
Ja, meine Familie und meine Freunde. Ausserdem fehlt mir hier das thailändische Essen, das bekommt man hier fast nirgends.

Gibt es einen Grund, warum du ausgerechnet Deutsch lernen willst?

Das weiss ich gar nicht so genau. Ich dachte einfach, dass man Deutsch immer gut gebrauchen kann, da man in vielen Ländern Deutsch spricht.

Was hältst du von Schweizerdeutsch?

Als ich das Schweizerdeutsch zum ersten Mal hörte, dachte ich, dies sei eine vollkommen andere Sprache! Doch mit der Zeit merkte ich, dass es doch gewisse Parallelen zum Deutschen gibt.  

Kannst du deinen Tagesablauf in der Schweiz beschreiben?

Ich gehe täglich zur Schule, die beginnt fast zur gleichen Zeit wie in Thailand. In meiner Freizeit bin ich viel mit dem Postauto unterwegs um die Schweiz besser kennen zu lernen. In Bern, Freiburg, Basel und im Appenzell sind ausserdem noch einige andere thailändische Jugendliche mit denen ich mich oft treffe.

Hast du hier in der Schweiz schon Freunde gefunden?

Ja, aber den meisten Kontakt habe ich mit den anderen Jugendlichen aus der Organisation.

Du warst ja in einem Camp das YFU organisiert hat. Was habt ihr alles unternommen?  
Wir waren eine Woche in einem Dorf im Greyerzertal, das wunderschön gelegen war. Wir haben viele Spiele gemacht, waren wandern, besuchten eine Schokoladenfabrik und besichtigten das Schloss Greyerz. Es hat mir sehr gut gefallen.

Wie sieht dein Leben in Thailand aus?
Ich stehe um sechs Uhr auf und mache mich auf den Weg zur Schule. Dort habe ich bis etwa um drei Uhr Unterricht, danach geniesse ich mit meinen Freunden meine Freizeit. Wir besuchen Karaokebars, gehen shoppen, ins Kino oder spazieren. An manchen Tagen besuche ich spezielle Intensivkurse die von der Schule organisiert werden. Diese finden je nach Fach an verschiedenen Orten ausserhalb der Schule statt. Weil wir in Thailand immer bekommen sehr viele Hausaufgaben bekommen, gehe ich am Abend erst zwischen zehn und Mitternacht ins Bett.

Wie haben deine Freunde und deine Familie reagiert als du ihnen mitgeteilt hast, dass du in die Schweiz gehst?
Meine Freunde und die Familie hielt dies für eine sehr gute Idee. Sie sagten mir dies eine sehr grosse Chance sei und ich sie unbedingt nutzen sollte. Als es dann aber um den Abschied ging, waren sie doch sehr traurig. Natürlich war  auch ich sehr traurig, doch ich dachte an meine Zukunft.

Gibt es noch andere Länder, die du gerne bereisen möchtest?

Sehr viele! Zum Beispiel Skandinavien, Russland, Ägypten, Neuseeland, Spanien und Frankreich.

Steckbrief


Ben der mit vollen Namen Raiwin Kiatkwankul heisst, kommt ursprünglich aus Bangrak, einem Bezirk der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Für ein Jahr wohnt er mit der Austauschorganisationen YFU ("Youth For Understanding") bei einer Gastfamilie in der Gemeinde Vilters in St. Gallen.

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