Gesellschaft | 23.12.2007

„Die Bibel ist topaktuell“

Text von Rosa Stucki
Im Ventil, einem Jugendtreff in Baden, traf Tink.ch zwei junge Christen. Simeon Meder und Dominic F.* sind seit der Gründung in 2001 in einer Jugendgruppe der Freikirche Baden aktiv. Mit Tink.ch sprachen sie über ihren Glauben und Homosexualität.
"Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiterzuwandeln.", sagte einst der Dichter Christian Morgenstern. Fotos: Rosa Stucki Simeon Meder, 18, macht eine Lehre als Bankangestellter. Dominic F.*, ebenfalls 18, lässt sich zum ABB KV-Lehrling ausbilden.

 

Was denkt man, wenn man einen Hiphopper mit weiten Hosen und Kapuze sieht? Oder einen Teenager mit Skateboard unter dem Arm? Wohl eher nicht an Jesus, Gott und die Bibel. Beim Betreten des Jugendtreffs Ventil überrascht einem die Verschiedenheit der anwesenden Jugendlichen: Metalheads, Skaters und Hiphoper sind in einem Raum versammelt. Alle mit dem gleichen Glauben an Jesus und Gott. 

Dominic und Simeon von der Gruppe „Freaks at Work“ sind schon lange in der Freikirche aktiv. Obwohl auch christlich, grenzt die sich bewusst von der katholischen Kirche ab, denn sie ist unabhängig vom Staat und setzt sich zusammen aus freiwilligen Mitarbeitern (ausser dem Pfarrer). Die Grundlage der Freikirche ist die Bibel. „Wir legen grossen Wert auf eine persönliche Entscheidung zum Glauben, sowie auch zur Kirche. Jeder ist willkommen in unserer Gemeinde.“, erklärt Simeon zu Beginn des Interviews.

 

Das Wort „Glauben“ ist die Übersetzung des griechischen „pisteuein“, was „Vertrauen“ bedeutet (Quelle: wikipedia). Was stellt für dich der Glaube dar?

Simeon: Glaube ist für mich genau dieses Vertrauen! Ich habe eine Sicherheit, eine Gewissheit des ewigen Lebens, aber auch dass Gott mich hört wenn ich zu ihm bete und dass er mir hilft wenn die Bitte aufrichtig ist. Glaube bedeutet für mich auch ein Auftrag, zum Beispiel von Jesus zu erzählen und das Leben zur Ehre Gottes zu leben. Der Glaube gibt mir Motivation, da ich weiß, dass Gott meine Probleme erkennt und mir helfen kann, diese zu lösen.

 

Was gibt dir Gott?

Simeon: Gott schenkt mir Trost, Liebe und Kraft! Ich habe Gott erlebt und möchte ihm zum Dank mein Leben hingeben, meine Pläne auf ihn ausrichten, denn er (mein Schöpfer) weiß was gut ist für mich. Ich kann darauf vertrauen, dass er das Beste für mich will und dass ich das Beste erhalten werde, auch wenn es manchmal nicht danach aussieht. Wir stammen alle von Gott ab und er hat uns Gaben gegeben wie zum Beispiel die Heilkraft. Nicht jeder hat diese Gaben, aber es gibt wirklich Leute die sie besitzen.

Dominic: Es ist jetzt nicht so, dass du zu jemand gehen kannst, der ein gebrochenes Bein hat, die Finger schnippst und das Bein ist geheilt. Sondern das geht so:

Meine Mutter hatte Brustkrebs bekommen und hatte Knoten in der Brust. In der Bibel steht „wenn du krank bist, geh zu den älteren Menschen in der Gemeinde.“ Damit gemeint sind nicht die ältesten, sondern diejenigen, welche die Gemeinde leiten. Meine Mutter ist zu ihnen gegangen und sie haben für sie gebetet. Am nächsten morgen waren alle Knoten weg. Sie ging nochmals zum Arzt, der die Heilung bestätigte.

Simeon: Ich kenne einen, der einen Snowboardunfall hatte, bei dem sein rechter Arm gelähmt wurde. Sie hatten auch alle gebetet, aber er wurde nicht geheilt. Ich glaube Gott hat einen anderen Plan mit ihm vor. Vielleicht kann er jetzt anderen Leuten zeigen, dass er trotzdem Freude hat, da Gott ihm Kraft schenkt und ihm in dieser Situation hilft.

 

Ist es nicht unfair, dass Gott ihm zwar Kraft gibt aber ihn nicht heilt?

Simeon: Unfair ist es nicht, aber es ist natürlich schon schwer. Wenn dir so etwas passiert dann zweifelst du. Ich würde auch zweifeln. Aber ich glaube, Gott kann genau dann Beziehungen wieder stärken. Zum Teil lässt er vielleicht auch solche Dinge zu, damit wir sehen, dass wir vielleicht auf dem falschen Weg waren.

 

Richard Dawkins ist ein britischer Biologe, wissenschaftlicher Autor und ein bekennender Atheist. In seinem Buch „Gotteswahn“ sagt er den Religionen ganz direkt den Kampf an. Nur ein Ende des Glaubens erlaube den Fortschritt der Menschheit, schreibt er. Ist Religion altmodisch?

Simeon: Die Bibel ist zwar alt aber ich glaube wenn du die Bibel liest merkst du, dass die Aussaugen auch auf heute zutriffen. Deshalb glaube ich, dass die Bibel topaktuell ist. Gott ist ein lebendiger Gott. Er sieht die Welt und stellt sich uns nicht in einer anderen Welt vor. Richard Dawkins sagt, dass der Mensch sich von der Religion abtrennen muss nur so kann er Fortschritt haben. Ich finde das ist falsch. Wir glauben auch, dass Gott uns die Fähigkeit gegeben hat etwas zu erforschen und uns so weiter zu entwickeln.

 

In der Bibel steht, dass Homosexualität eine Sünde sei. Warum ist das so?

Dominic: Also ich glaube das kann man so erklären: Stell dir vor du hast einen Käfig mit Mäusen. Du denkst du machst deinen Tieren eine Freude und kaufst ihnen ein Laufrad. Du bist glücklich, dass du Ihnen eine Freude gemacht hast. Nachher benutzen sie es aber als Toilette (lacht). Ich glaube, so ist es mit der Homosexualität. Gott hat uns geschaffen und gesagt, dass Mann und Frau zusammen gehören. Homosexuelle machen aber genau etwas anderes als er es sich vorgestellt hat und das mag er nicht.

 

Wie kann Gott einen Menschen, den er geschaffen hat, für etwas bestrafen, das er ihm selbst gegeben hat?

Dominic: Ich glaube nicht, dass jemand auf die Welt kommt und von Anfang an schwul ist.

 

Also ist er enttäuscht?

Simeon: Er ist vielleicht nicht enttäuscht aber es tut ihm weh wenn er sieht, dass Leute nicht das machen was er eigentlich plante.

 

Seid ihr gegen Homosexuelle?

Dominic: Nein.

Simeon: Nein, nein. Ich denke man kann weder sagen, dass wir etwas gegen Homosexuelle haben, noch dass wir es für richtig halten. Wir wollen niemanden verurteilen, sondern schauen sie genau gleich an wie auch Gott sie sieht.

 

Ist die Wahrscheinlichkeit, in den Himmel zu kommen für einen Homosexuellen geringer als für einen Heterosexuellen?

Dominic: Es ist wie bei einem Raucher. Suchtrauchen ist für mich eine Sünde, trotzdem rauchen sehr viele Christen, die dennoch in den Himmel kommen. Ich glaube, auch eine homosexuelle Person kommt in den Himmel wenn er oder sie das Geschenk Gottes angenommen hat. Es kommt überhaupt nicht auf die Sexualität dieser Person an.

 

Gibt es etwas, das ihr unbedingt noch sagen möchtet?

Simeon: Ich habe mal etwas Tolles gehört. In der Forschung ist es ja so, dass man experimentiert um zum Beispiel die Lösung eines Problems zu finden. Genau gleich ist es mit dem Glauben. Man kann es ausprobieren. Wenn man es wirklich von Herzen versucht, dann wird Gott sich zeigen.

 

*Name der Redaktion bekannt.

Links