Gesellschaft | 03.12.2007

Chips zum Frühstück, Fussball zum Mittagessen

Text von Jessica Hefti
Zwei Fussballteams konnten sich in Zürich am Cup-Finale der Buntkickgut-Liga vergangenen Oktober durchsetzen und nach München an ein internationales Zusammentreffen des erfolgreichen Integrationsprojektes fahren. Ein Erlebnisbericht.
Die Jugendlichen aus Zürich bestaunen die Allianz-Arena in München. Unter diesem Motto spielen junge Migrantinnen und Migranten zusammen Fussball. Auch wenns hier "nur" um Strassenfussball geht, Körpereinsatz brauchts trotzdem. Die begehrten Wanderpokale, die es am Cup-Final in Feldmoching zu gewinnen gibt. Wann gibts das nächste Mal zu essen? -“ die jungen Spieler mögen am liebsten Kebap.

 „Krschsch“ – Die Chipspackung ist geöffnet. Das richtige Frühstück Samstags um halb sieben, finden die Jugendlichen, die es sich soeben in zwei Kleinbussen bequem gemacht haben und den Car-Parkplatz neben dem Zürcher Hauptbahnhof verlassen. Sie sind alle zwischen 15 und 16 Jahren alt, besuchen eine Sekundarschule in Zürich, haben ausländische Wurzeln und im Gepäck neben frittierten Snacks auch Sportbekleidung. Doch bis diese zu ihrem Einsatz in München kommt, liegt zuerst eine gut dreistündige Fahrt vor ihnen. Angelo aus den Philippinnen nutzt die Zeit, um schnulzige R’n’B-Balladen vor sich her zu singen, Xhelil aus dem Kosovo kommentiert die vorbeifahrenden schnittigen Autos und Daniel aus Kroatien möchte am liebsten bei jedem MacDonalds auf der Strecke gleich anhalten. Andere tauschen Songs per Handy aus, schlafen noch eine Runde oder lösen Psycho-Tests in Klatschzeitschriften. Und nebenbei wird auch noch besprochen, wer das Goal besetzen soll, denn am Zielort, der städtischen Mehrzweckhalle von Feldmoching, wartet ein Fussballturnier auf die Jugendlichen aus der Schweiz und Deutschland. Die Gegner in der U19-Kategorie kommen aus Leipzig, München oder Stuttgart und haben fast alle zwei Nationalitäten oder einen ausländischen Elternteil.

Das Spiel beginnt

Die beiden Teams aus Zürich heissen „Schüka Stars“ und „K-10“ und spielen diesmal nicht wie bei der Vorausscheidung im Oktober dieses Jahres auf der Strasse, sondern in der warmen Halle am „Intercity-Cup“ um die begehrten Wanderpokale. In der Halle riecht es nach Schweiss, denn der Spielbetrieb ist bereits in vollem Gange. Der Startschuss für das erste zehnminütige Gruppenspiel fällt für die Zürcher Teams um ein Uhr. Die Jungs, wie Rebecca Müller, die zusammen mit Pascal Pauli den zweitägigen Ausflug leitetet, sie nennt, machen sich gut. In packenden Spielen, in denen gezittert, die Uhr und der Schiedsrichter verflucht und in laute Jubelschreie ausgebrochen wurde, geht Gruppenspiel um Gruppenspiel vorbei. Im Gegensatz zu den „Schüka Stars“, die leider nicht weiterkommen, ziehen „K-10“ in die Viertelfinals ein. Dort können sie niveaumässig mit den teilweise um einen Kopf grösseren Gegnern zwar ganz gut mithalten, aber die „Harras Bulls“ siegen mit einem Quäntchen mehr Glück und können sich zum Schluss bis auf den zweiten Platz vorspielen. „K-10“ schaffen den fünften Rang, können jedoch noch eine Auszeichnung für den besten Stürmer einheimsen.

Müde und hungrig machen sich die beiden Zürcher Mannschaften auf den Weg zum Hotel. Dieser endet erst nach langen Umwegen quer durch die Stadt, dank einigen Tipps von hilfsbereiten Passanten und der Einsicht, dass es in München viele Kebabstände gibt, nach denen sich die hungrigen Bäuche sehnen. Im Hotel wird dann trotz der schon vorgeschrittenen Stunde noch ein Nachtessen serviert und die sportlichen Helden erkundigen gestärkt das Nachtleben.

Eine weitere Irrfahrt

Sonntags verlässt die Truppe mehr oder weniger ausgeschlafen, und am Frühstücksbuffet reichhaltig bedient, das Hotel um in einer weiteren Irrfahrt die Allianz-Arena zu erreichen. Für die Jugendlichen eine schöne Überraschung: Sie werden zum Spiel tsv 1860 gegen Paderborn eingeladen. Nach der Irrführung vieler Verkehrspolizisten wohin die Busse nun gestellt werden dürfen, einem hartgesottenen, schon angetrunkenen Fan der alle in die falsche Sektion führt und einer Sicherheitskontrolle die klar macht, dass die sich in den Lunchpaketen befindenden Eier im Stadion verboten sind, können die rund zwölf Jugendliche ihre Vorbilder von der Zuschauertribüne bewundern. Da kommen Fotokameras, Expertenmeinungen und Snacks aller Art zum Einsatz. Tore dafür keine. Doch die vielen Erlebnisse der zwei Tage sind Anlass genug, um mit zwei Bussen glücklich schlafender Jungs wieder Richtung Zürich aufzubrechen.

Buntkicktgut


Buntkicktgut ist eine offene, interkulturelle Strassenfussballliga, die mit Hilfe des Sports die Integration von jungen Migranten und Migrantinnen fördert.
Das Projekt wird in München seit mehreren Jahren erfolgreich durchgeführt. In der Schweiz wird momentan in Zürich und Basel gespielt. Ab nächstem Jahr ist eine Ausweitung des Projekt nach Bern und ins Wallis geplant

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