Das Beste von uns

Der Januar ist nicht unbedingt ein beliebter Monat. Meistens beginnt er mit einem Kater und einem leeren Konto. Von den bereits gebrochenen Vorsätzen gar nicht zu sprechen. Tink.ch hat es da zum Glück leichter: Uns gehen auch zum Jahresanfang weder die Ideen noch die Energie aus. Das hat natürlich vor allem mit unseren engagierten Schreiberinnen und Schreibern zu tun. Sie sind es, die bestimmen, was bei uns auf die Front kommt, sei dies nun ein Interview mit einer neuen Schwedischen Band oder ein Kommentar zur Schweizer Politik. Dank unserem stetig wachsenden und neugierigen Team schaffen wir es, auch unbekannte Themen gross herauszubringen.

Doch diese Aufgabe wäre nicht so schön, wenn es nicht auch Leute gäbe, die uns lesen. Deswegen ein grosses Dankeschön an euch, verehrte Leserinnen und Leser. Ihr seid neben unserem Team der andere Grund, warum wir auch im neuen Jahr genauso frisch ans Werk gehen wie bisher. Wir hoffen, dass unsere Reportagen, Kolumnen, Interviews und Bildbeiträge euch auch im 2008 so viele Klicks wert sind wie im vergangenen Jahr.

Mit besten Grüssen

Euer Tink.ch-Team

Music First statt DJ Radio

Wie hast du vom Entscheid erfahren?

Am Donnerstagnachmittag per Fax.

Und bist du überrascht, dass nun Music First bevorzugt wird, nachdem ursprünglich dein Konzept von DJ Radio das Rennen gemacht hatte?
Ja, sehr. Das ist medienpolitisch vom Uvek (Eidgenössisches Departement für Verkehr, Energie und Kommunikation; Anm. d. Red.) entschieden worden.

Das Uvek führt den Entscheid darauf zurück, dass Music First “eine breit abgestützte Zusammenarbeit mit jugendbezogenen Institutionen und Organisationen vorlegen konnte”. Ist euer Projekt schlussendlich doch abgelehnt worden, weil die FH Winterthur nicht mehr bei euch im Boot war?

105 arbeitet bereits mit dem Institut für angewandte Medienwissenschaft von der Zürcher Hochschule zusammen. Nun wurde dieser Zustand genommen und mit unseren vordefinierten Konzepten mit dem Medienausbildungszentrum in Luzern sowie der Hochschule für Kunst und Gestaltung verglichen. Das ist nicht richtig so!

Siehst du weitere Gründe für die Ablehnung?

Music First hatte ein paar Testimonials, sogenannte Schreiben von Befürwortern aus dem Partyumfeld. Dieser Unwichtigkeit wurde Gewicht gemessen. Absurd!

Legt ihr gegen den neuen Entscheid Beschwerde ein?

Wir prüfen eine Einsprache und werden gegebenenfalls im Januar orientieren.

Wie geht es mit DJ Radio weiter?

Wir haben sicher noch ein paar andere Projekte. Konkret mache ich mir jedoch Gedanken, wie lange ich das persönlich noch mitmachen möchte. Das Bakom bringt es nicht zu Stande, einem Jugendradio die Konzession zu erteilen und dann diesen Entscheid aufrechtzuerhalten.

Und wo steht die Idee von DJ TV?

Im Moment noch die der Schublade. Wir werden dieses Vorgehen auch prüfen.

DJ Radio versus Music First


Das Uvek hat der Music First GmbH eine UKW-Konzession für ein Jugendradio in der Region Zürich erteilt. Damit revidiert das Uvek seinen früheren Entscheid aus dem Jahre 2004. Damals hatte es die Konzession dem Konkurrenten von Music First, DJ Radio, zugesprochen. 

 

 

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Schnell gemacht, schnell gegessen

Sie sind zwar schnell gemacht, haben es aber in sich: Die Baileys-Kugeln. Das Beste an Ihnen ist jedoch, dass man weder besonders geschickt noch besonders reich sein muss, um sie herzustellen. Komplimente erntet man mit diesen Pralinen auf jeden Fall.


Was du für die Baileys-Kugeln brauchst:

½ Pack Petit Beurre Guetzli

350g weisse Schokolade

50 ml Baileys

50 ml Rahm

100g Kokosraspeln

Praliné-Förmchen aus Papier

Dauer: Etwa 1 Stunde mit einer halben Stunde Wartezeit dazwischen, weil die Pralinemasse kaltgestellt werden muss.

Die Zutaten ergeben ungefähr 50 Baileys-Kugeln.

Schritt eins

Schokolade fein reiben. Das klappt am besten mit einer feinen Raffel. Wichtig ist, etwa 50 g der feinen Schoko-Späne auf die Seite zu stellen, da diese am Schluss noch gebraucht werden.Die Guetzli müssen ebenfalls zerrieben werden, was man entweder mit der blossen Hand oder mit einem Wallholz machen kann.

Schritt zwei

Die Schokolade- und Guetzlikrümel werden jetzt zusammen mit dem Baileys und dem Rahm vermischt. Falls auch nach einigem Umrühren noch immer etwas trocken ausschaut, kann man einen Schuss Baileys oder Rahm (Je nach Geschmack) dazugeben. Nun muss die Masse für eine halbe Stunde kaltgestellt werden.

Schritt drei

Die Masse ist nun fest genug und kann zu Pralinekugeln geformt werden. Wenden kann man die Kugeln danach entweder in noch mehr weisser Schokolade (Jene gehobelte Masse, die man am Anfang zur Seite gestellt hat) oder aber in Kokosraspeln, was ziemlich gut zum Baileys-Geschmack passt.


Schritt vier

In Praliné-Förmchen einpacken, mit Cellophanpapier überziehen und Verschenken – oder gleich selber essen.

Karikaturen gegen Armut

Fünf bekannte Schweizer Zeichner – Schaad (bekannt aus: Tagesanzeiger), Orlando (Bund / Südostschweiz), Chappatte (International Herald Tribune / NZZ am Sonntag), Mix&Remix (Blick) sowie Burki (24heures) – äussern sich mit einer Karikatur zur Frage, ob sich die Schweiz eine Erhöhung der Entwicklungshilfe leisten kann. Die Karikatur ist ein Beitrag der Zeichnenden an die Kampagne “0,7% – Gemeinsam gegen Armut”.

“0,7% – Gemeinsam gegen Armut” ist die Kampagne von über 70 schweizerischen Hilfswerken, Frauen- und Jugendorganisationen, Umweltverbänden, Kirchen und Gewerkschaften. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, dass die Schweiz sich als eines der reichsten Länder der Welt stärker für die Millennium-Entwicklungsziele der Uno einsetzt. Diese wollen die Armut und die Zahl der Hungernden weltweit bis im Jahr 2015 um die Hälfte reduzieren. Alle Menschen dieser Welt sollen unter würdigen Bedingungen leben können.

Der Schweizer Bundesrat hat versprochen, sich für die Millenniumsziele zu engagieren und die Entwicklungshilfe auszubauen. Leider hat er sich bisher nicht an diese Worte gehalten. Mit einer Petition fordern die Organisationen deshalb Bundesrat und Parlament auf, den Worten nun endlich Taten folgen zu lassen: Die öffentliche Entwicklungshilfe der Schweiz soll bis 2015 schrittweise auf 0,7% des Bruttonationaleinkommens erhöht werden. Und die Mittel sollen verstärkt für die Erreichung der Ziele sowie die Bekämpfung der Armut eingesetzt werden.

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Gebete und Geschenke

Jedes Jahr im Dezember ist es soweit: Wir feiern Weihnachten. Obwohl das Fest auf der ganzen Welt unterschiedlich gestaltet ist, feiern doch alle am 24. und 25. Dezember eine besondere Geburt – die Geburt von Jesus. Weihnachten scheint manchmal nur noch dazu zu dienen, Geschenke zu verteilen, wobei der religiöse Gedanke oft verloren geht. In Ecuador ist das nicht so. Da in unserem Land eine Mehrheit der Menschen der katholischen Religion angehören und diese auch einen hohen Stellenwert hat, ist das Fest für uns ein Ausdruck unseres Glaubens und als solches heilig.

Etwas, das ich bei uns speziell finde, ist, dass wir uns am Abend vor Weihnachten um neun Uhr alle bei Freunden oder zu Hause treffen. Dort sprechen wir über die Geschichte von Jesus’ Geburt und beten zusammen. Danach trinken wir einen Kaffee und gehen dann schlafen. Der 24. Dezember ist in Ecuador der offizielle Weihnachtstag. Die Familien beginnen schon am frühen Morgen mit dem Kochen des Menüs für den Abend. Das Menü ist meist etwas anderes als im Jahr zuvor und obwohl es kein traditionelles Weihnachtsmenü gibt, wird häufig Truthahn gekocht.
Natürlich darf auch die typische Weihnachtsdekoration nicht fehlen. Wir schmücken unsere Häuser mit Lichtern und Weihnachtsfiguren. Vor allem der Weihnachtsbaum und die Krippe sind sehr wichtig. Lustig finde ich, dass es bei uns in Ecuador im Unterscheid zur Schweiz keine Tannenbäume gibt, weil es bei uns ist. Als Ersatz benutzen wird eine andere Baumsorte oder auch Plastikbäume. Natürlich gehören zu unserem Weihnachtsfest auch Geschenke, damit warten aber jeweils bis nach dem Essen. So ist die Spannung für die Kinder noch grösser.

Das Wichtigste an Weihnachten ist für uns einfach, eine gute Zeit mit der Familie zu haben. Ausserdem ist Weihnachten das Fest, an dem man an jene Dinge denkt, die einem im eigenen Leben wichtig sind. Ganz allgemein glaube ich, dass Weihnachten, egal ob in Ecuador oder in der Schweiz, dazu da ist, uns grosszügig und dankbar zu machen.

Steckbrief


Mary Paz Bueno-Cadena wurde in Quito, der Hauptstadt von Ecuador geboren und verbringt zurzeit ein Austauschjahr in der Schweiz. Genauer, in der Zuger Gemeinde Hünenberg. Ihre Freizeit verbringt die 16-Jährige am liebsten mit Schreiben, Musik, Tanzen und ihren Freunden.

“Die Bibel ist topaktuell”

 

Was denkt man, wenn man einen Hiphopper mit weiten Hosen und Kapuze sieht? Oder einen Teenager mit Skateboard unter dem Arm? Wohl eher nicht an Jesus, Gott und die Bibel. Beim Betreten des Jugendtreffs Ventil überrascht einem die Verschiedenheit der anwesenden Jugendlichen: Metalheads, Skaters und Hiphoper sind in einem Raum versammelt. Alle mit dem gleichen Glauben an Jesus und Gott. 

Dominic und Simeon von der Gruppe “Freaks at Work” sind schon lange in der Freikirche aktiv. Obwohl auch christlich, grenzt die sich bewusst von der katholischen Kirche ab, denn sie ist unabhängig vom Staat und setzt sich zusammen aus freiwilligen Mitarbeitern (ausser dem Pfarrer). Die Grundlage der Freikirche ist die Bibel. “Wir legen grossen Wert auf eine persönliche Entscheidung zum Glauben, sowie auch zur Kirche. Jeder ist willkommen in unserer Gemeinde.”, erklärt Simeon zu Beginn des Interviews.

 

Das Wort “Glauben” ist die Übersetzung des griechischen “pisteuein”, was “Vertrauen” bedeutet (Quelle: wikipedia). Was stellt für dich der Glaube dar?

Simeon: Glaube ist für mich genau dieses Vertrauen! Ich habe eine Sicherheit, eine Gewissheit des ewigen Lebens, aber auch dass Gott mich hört wenn ich zu ihm bete und dass er mir hilft wenn die Bitte aufrichtig ist. Glaube bedeutet für mich auch ein Auftrag, zum Beispiel von Jesus zu erzählen und das Leben zur Ehre Gottes zu leben. Der Glaube gibt mir Motivation, da ich weiß, dass Gott meine Probleme erkennt und mir helfen kann, diese zu lösen.

 

Was gibt dir Gott?

Simeon: Gott schenkt mir Trost, Liebe und Kraft! Ich habe Gott erlebt und möchte ihm zum Dank mein Leben hingeben, meine Pläne auf ihn ausrichten, denn er (mein Schöpfer) weiß was gut ist für mich. Ich kann darauf vertrauen, dass er das Beste für mich will und dass ich das Beste erhalten werde, auch wenn es manchmal nicht danach aussieht. Wir stammen alle von Gott ab und er hat uns Gaben gegeben wie zum Beispiel die Heilkraft. Nicht jeder hat diese Gaben, aber es gibt wirklich Leute die sie besitzen.

Dominic: Es ist jetzt nicht so, dass du zu jemand gehen kannst, der ein gebrochenes Bein hat, die Finger schnippst und das Bein ist geheilt. Sondern das geht so:

Meine Mutter hatte Brustkrebs bekommen und hatte Knoten in der Brust. In der Bibel steht “wenn du krank bist, geh zu den älteren Menschen in der Gemeinde.” Damit gemeint sind nicht die ältesten, sondern diejenigen, welche die Gemeinde leiten. Meine Mutter ist zu ihnen gegangen und sie haben für sie gebetet. Am nächsten morgen waren alle Knoten weg. Sie ging nochmals zum Arzt, der die Heilung bestätigte.

Simeon: Ich kenne einen, der einen Snowboardunfall hatte, bei dem sein rechter Arm gelähmt wurde. Sie hatten auch alle gebetet, aber er wurde nicht geheilt. Ich glaube Gott hat einen anderen Plan mit ihm vor. Vielleicht kann er jetzt anderen Leuten zeigen, dass er trotzdem Freude hat, da Gott ihm Kraft schenkt und ihm in dieser Situation hilft.

 

Ist es nicht unfair, dass Gott ihm zwar Kraft gibt aber ihn nicht heilt?

Simeon: Unfair ist es nicht, aber es ist natürlich schon schwer. Wenn dir so etwas passiert dann zweifelst du. Ich würde auch zweifeln. Aber ich glaube, Gott kann genau dann Beziehungen wieder stärken. Zum Teil lässt er vielleicht auch solche Dinge zu, damit wir sehen, dass wir vielleicht auf dem falschen Weg waren.

 

Richard Dawkins ist ein britischer Biologe, wissenschaftlicher Autor und ein bekennender Atheist. In seinem Buch “Gotteswahn” sagt er den Religionen ganz direkt den Kampf an. Nur ein Ende des Glaubens erlaube den Fortschritt der Menschheit, schreibt er. Ist Religion altmodisch?

Simeon: Die Bibel ist zwar alt aber ich glaube wenn du die Bibel liest merkst du, dass die Aussaugen auch auf heute zutriffen. Deshalb glaube ich, dass die Bibel topaktuell ist. Gott ist ein lebendiger Gott. Er sieht die Welt und stellt sich uns nicht in einer anderen Welt vor. Richard Dawkins sagt, dass der Mensch sich von der Religion abtrennen muss nur so kann er Fortschritt haben. Ich finde das ist falsch. Wir glauben auch, dass Gott uns die Fähigkeit gegeben hat etwas zu erforschen und uns so weiter zu entwickeln.

 

In der Bibel steht, dass Homosexualität eine Sünde sei. Warum ist das so?

Dominic: Also ich glaube das kann man so erklären: Stell dir vor du hast einen Käfig mit Mäusen. Du denkst du machst deinen Tieren eine Freude und kaufst ihnen ein Laufrad. Du bist glücklich, dass du Ihnen eine Freude gemacht hast. Nachher benutzen sie es aber als Toilette (lacht). Ich glaube, so ist es mit der Homosexualität. Gott hat uns geschaffen und gesagt, dass Mann und Frau zusammen gehören. Homosexuelle machen aber genau etwas anderes als er es sich vorgestellt hat und das mag er nicht.

 

Wie kann Gott einen Menschen, den er geschaffen hat, für etwas bestrafen, das er ihm selbst gegeben hat?

Dominic: Ich glaube nicht, dass jemand auf die Welt kommt und von Anfang an schwul ist.

 

Also ist er enttäuscht?

Simeon: Er ist vielleicht nicht enttäuscht aber es tut ihm weh wenn er sieht, dass Leute nicht das machen was er eigentlich plante.

 

Seid ihr gegen Homosexuelle?

Dominic: Nein.

Simeon: Nein, nein. Ich denke man kann weder sagen, dass wir etwas gegen Homosexuelle haben, noch dass wir es für richtig halten. Wir wollen niemanden verurteilen, sondern schauen sie genau gleich an wie auch Gott sie sieht.

 

Ist die Wahrscheinlichkeit, in den Himmel zu kommen für einen Homosexuellen geringer als für einen Heterosexuellen?

Dominic: Es ist wie bei einem Raucher. Suchtrauchen ist für mich eine Sünde, trotzdem rauchen sehr viele Christen, die dennoch in den Himmel kommen. Ich glaube, auch eine homosexuelle Person kommt in den Himmel wenn er oder sie das Geschenk Gottes angenommen hat. Es kommt überhaupt nicht auf die Sexualität dieser Person an.

 

Gibt es etwas, das ihr unbedingt noch sagen möchtet?

Simeon: Ich habe mal etwas Tolles gehört. In der Forschung ist es ja so, dass man experimentiert um zum Beispiel die Lösung eines Problems zu finden. Genau gleich ist es mit dem Glauben. Man kann es ausprobieren. Wenn man es wirklich von Herzen versucht, dann wird Gott sich zeigen.

 

*Name der Redaktion bekannt.

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Hiphop für Respekt und Toleranz

Hiphop ist der Weg um Jugendliche ans Thema Rassismusbekämpfung heranzuführen: Das dachten sich Radioleute aus St. Gallen und Luzern und lancierten im Rahmen der Europaratskampagne Alle anders alle gleich kurzerhand gemeinsam ein entsprechendes Projekt mit je vier Workshops in jeder der beiden Städte. Den Ausschlag für die Initiative hätten eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit Gewalt und Rassismus während Eventreportage von Festivals gegeben, sagen Projektleiter Ralph Wirth vom St. Galler Radio toxic.fm und Sendungskoordinatorin Julia Stirnimann vom Luzerner Radio 3fach.

Gimma, Greis und Claud an Bord
An einer Sitzung mit Markus Gander von Infoklick.ch, Kinder- und Jugendförderung Schweiz, wurde ein Konzept entwickelt. Der Startschuss war gefallen für ein Projekt, das die Jugendlichen begeistern sollte. Jetzt liessen Wirth und Stirnimann ihre Kontakte spielen, um für die Workshops namhafte Schweizer Hiphop-Künstler an Bord zu holen. Bald schon hatten sie Zusagen von Gimma und Greis sowie Claud von der Bündner Sektion Kuchikäschtli. “Das sind halt coole Leute, die so etwas gern machen”, sagt Julia Stirnimann. Später seien durch sie gar noch andere Rapper wie Claudio von Breitbild, Lycon, The Wolves, Hyphen & Sir Beni Styles dazugekommen.

Bunt gemischte Gruppe

Im Zentrum der Workshops aber standen die Jugendlichen, die sich dazu bunt gemischt was Alter, Dialekt und Herkunft betrifft, einfanden. Ihre Meinung und Position waren gefragt. Sie sollten texten über die Heimat. Darauf vorbereitet wurden die jeweils vier Teilnehmenden pro Workshop von Christian Wirz, Projektleiter bei Infoklick.ch für den Bereich Respekt & Toleranz.

Was sind Vorurteile? Wie kommen sie zu Stande? Und was genau ist eigentlich Rassismus? Solche Fragen habe er mit den Workshopteilnehmern angeschaut, Definitionen dazu gegeben und schliesslich mit ihnen deren eigene Erfahrungen besprochen, sagt er: “Mir war es bei dieser inhaltlichen Vorbereitung wichtig, dass die Jugendlichen daraufhin persönliche Texte mit Lokalbezug schreiben würden, Geschichten aus ihrem Umkreis.”

Motiviert bis in die Fingerspitzen

Das taten sie denn auch, nachmittags im Workshop mit den Hiphop-Grössen. Ralph Wirth, der selber einmal reingeschaut hat, kann sich noch gut an die motivierte Stimmung erinnern: “Beim Schreiben war es mucksmäuschen still.” Unterstützt wurden die Jungs – nur einmal war eine Frau dabei – je nachdem von Gimma, Greis oder Claud und manchmal auch noch von zusätzlichen Hiphop-Künstlern. Mit solchen Leuten zu arbeiten, sei sicherlich ein grossartiges Erlebnis, sagt Julia Stirnimann. Stolz und Freude der Jugendlichen habe sie jedenfalls deutlich wahrgenommen.

Mit den Cracks im Studio

Den krönenden Abschluss eines jeden Workshops bildete die Studioaufnahme eines gemeinsamen Songs, die Zusammenführung der so unterschiedlichen Typen zu einer kleinen Crew.

Unter der Leitung der Profis sind so insgesamt acht Tracks entstanden, die nun auf einem von Claud produzierten Album vereint sind. “Heimat – Hiphop für Respekt und Toleranz” heisst das Werk, auf dem junge Menschen selbstsicher den Ton angeben. Pointierte Meinungen, knallharte Statements und scharfsinnig reflektierte Erlebnisse kommen in den Raps zum Ausdruck. So zum Beispiel im Track “mini heimat” von Angel, Alesh, Jens und Silvano supported von Claud und Gimma:

“Gwalt, Chrieg und Hass i dr Schwiz

Doch all diä faxä sind jetzä verbi

Chli Vernunft gmischt mit hufä verschtand

Bringt Fridä, Fröid und Liäbi is ganzä Land.”

Die anderen Stücke heissen: “mis land”, “bhalt das im herz”, “null toleranz”, “händ id luft”, “nid i club”, “lass es use” und “chance uf ne änderig” – kurze Titel mit starker Message.

Zu hören im Radio

Da bisher lediglich 200 Exemplare der CD gepresst wurden, für die Beteiligten und interessierte Schulen, die damit arbeiten wollen, gibt es die Tracks für alle anderen Interessierten vorläufig vor allem bei den beiden Radios toxic.fm und 3fach zu hören. Das sei zwar von Anfang an das Ziel gewesen, sagt Julia Stirnimann, dennoch sei für sie das endgültige Resultat die grösste Überraschung am ganzen Projekt: “Es ist der Hammer.” Ralph Wirth schliesst sich ihr an: “Die Texte sitzen sensationell.” Und er folgert daraus: “Es hat sich gelohnt, dass wir mit den Besten zusammengearbeitet haben.” Er meint damit die Hiphop-Grössen. Aber vielleicht gehören ja schon bald auch die Jungs aus den Workshops zu ihnen. Dass sie etwas zu sagen haben, beweisen ihre Texte.

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“Ein Lerneffekt für alle beteiligten Seiten”

Sie haben die jüngste Europaratskampagne von Seite des BSV betreut. Was hat die Kampagne bewirkt?
Wir hatten uns im Rahmen der Steuergruppe das Ziel gesetzt, bestehende Angebote zur Thematik der Kampagne einem breiteren Publikum bekannt zu machen und damit die Sensibilisierung und Aktivitäten zu den Themen Vielfalt, Menschenrechte und Partizpation zu steigern  zu steigern. Gemessen an der Nachfrage nach Materialien (Broschüren, Lehrmittel usw.) nach Fachleuten und Weiterbildungsangeboten wurde dieses Ziel bestens erreicht. Etwas kritischer reflektieren muss man die Frage der Nachhaltigkeit. Wenn in einem Projekt alle Aktivitäten geklappt haben und alle sehr motiviert mitgearbeitet haben, ist das zwar ein Erfolgsmoment, dies heisst aber noch nicht, dass dadurch auch eine nachhaltige Wirkung erzielt wird. Nachhaltigkeit entsteht, wenn das im Rahmen von Projekten aufgebaute Know-how sowie Erfahrungen und in die spätere Arbeit eingebracht wird.  Die engagierte und motivierte Projektarbeit hat funktioniert, auf die Frage der Nachhaltigkeit müsste man in ein, zwei Jahren nochmals schauen.

Welches waren der Höhepunkte der Kampagne?
Im Rahmen einer Auswertungsveranstaltung wurden als besonders wertvolle Erfolgsmomente bei Projektträgern und der Kampagnenleitung die Erfahrung eingestuft, Menschen und Organisationen für eine gemeinsame Angelegenheit – also Vielfalt, Menschenrechte und Partizipation – zu gewinnen, zusammenzubringen und eine Vernetzung herzustellen. Hier wurden auch sehr positive Erfahrungen mit dem institutionellen Umfeld gemacht. Die so entstandenen Partnerschaften und Formen der Zusammenarbeit erscheinen mir als das herausragende Erfolgselement dieser Kampagne.

Insgesamt wurden 130 Jugendprojekte realisiert. Ein Zeichen, dass junge Leute doch nicht nur konsumieren?

Ja, die Kampagne hat gezeigt, dass sich junge Menschen in der Schweiz – und zwar in allen Landesteilen – engagieren. Und zwar oft mit wenigen Mitteln. Sie haben diese Kampagne getragen und sich für gelebte Vielfalt und Chancengleichheit eingesetzt und zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen, in der Schule, in der Freizeit, im Alltag. Dies ist eine klare Botschaft. Junge Menschen haben ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten und machen davon Gebrauch. Das zeigt die Vielfalt der Projekte: Musik, Tanz, Kunst, Sport. Dies gilt es weiter zu fördern.

Gibt es vom BSV unterstützte Projekte, die ohne Kampagne nicht initiiert worden wären?
Das ist schwer zu beurteilen. Denn prinzipiell hätten alle vom BSV unterstützten Projekte auch ohne Kampagne Finanzierungshilfen im Rahmen Kredits zur Förderung der ausserschulischen Jugendarbeit beantragen können. Insgesamt förderte das BSV 15 Projekte unter dem Label der Kampagne. Dabei wurden 13 Projekte in 2006 genehmigt und 2 Projekte in 2007. Es gilt also festzustellen, dass vor allem in den ersten sieben Monaten der Kampagnelaufzeit ein sehr hohes Interesse bestand, Projektgesuche im Zusammenhang mit der Kampagne einzureichen. Dies ist sehr stark auf die Begleitung vor und während der Antragstellung durch die Kampagneleitung zurückzuführen sowie auf die Durchführung verschiedener Workshops und Schulungsmassnahmen. Ein solch hohes Betreuungsmass wäre ohne die Unterstützung durch die Kampagneleitung rein personell nicht zu leisten gewesen. Zweifellos wurden also durch die Kampagne eine Reihe von qualitativ sehr guten Projekteingaben erst motiviert. Für den Jugendförderungskredit kann deshalb festgestellt werden, dass eine De-facto-Schwerpunktsetzung, wie sie während der Laufzeit der Kampagne stattgefunden hat, ohne jedoch andere Projekteingaben auszuschliessen, durchaus sehr positive Ergebnisse auf die Qualität der Gesuche hatte.

Welche Erkenntnisse zieht die Steuergruppe aus der Kampagne in Bezug auf das Thema der Kampagne?
Die Frage lässt sich aufgrund von Aussagen während dem Auswertungsworkshop der Fachstelle für Rassismusbekämpfung beantworten: Viele Projektträger sahen sich durch die Kampagne ermutigt, Teil einer grossen, europaweiten Aktivität zu sein. Es erzeugte gegenüber anderen und sich selbst eine gewisse Legitimation und natürlich eine sehr starke Motivation sich zu beteiligen. Die Jugendkampagne des Europarats wurde deshalb von Projektträgern überwiegend als Erfolg bewertet. Es wurde auch das Interesse an weiteren Kampagnen geäussert, welche der Arbeit der Projektträger vor Ort einen Bezugsrahmen und ein gemeinsames Label geben, als Ideenpool für Projekte dienen und die Zusammenarbeit sowie das Auftreten nach aussen befördern.

Gibt es Bestrebungen, die Idee von “alle anders – alle gleich” über das Kampagnenende hinaus aufrechtzuerhalten?
Auf Ebene des Europarats gibt es diese Überlegungen. Aus unserer Sicht ist es aber nicht sinnvoll, eine Kampagne mit offenem Ende zu führen. Unsere Bestrebungen sind vielmehr, dass die Themen der Kampagne, also Vielfalt, Menschenrechte und Partizipation auch zukünftig in Jugendprojekten aufgegriffen werden. Die Projektfonds der Fachstelle für Rassismusbekämpfung sowie des BSV können hierzu sicher genutzt werden. Wichtig wäre es auch, wenn sich vermehrt Projekte mit Fragen der Integration auseinandersetzen würden.

Weiter wurden im Rahmen der Kampagne auf Elemente wie Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Nachhaltigkeit von Projekten verstärkt geschaut. Es sind viele Lerneffekte entstanden, an dem man sicher anknüpfen kann. Die Schlusspublikation bietet hierfür gute Anhaltspunkte.

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