Kultur | 26.11.2007

„Wollen Sie sich nicht setzen?“

Text von Moritz Noser | Bilder von Theater Marie
Das Zücher Theater an der Winkelwiese zeigte "Der Platz des Anderen" von Jean-Luc Lagarce. Obwohl die Ausgangsituation spannend ist, war das Stück nur schwer zugänglich.
Nils Torpus und Mona Petri in "Der Platz des Anderen".
Bild: Theater Marie

Wen das Anderssein eine Person wäre, wie würde dieser Mensch aussehen? Solche und ähnliche Fragen gingen einem während Jean-Luc Lagarces Theaterstück „Der Platz des Anderen“ durch den Kopf. Die deutschsprachige Erstaufführung fand im Zürcher Theater Winkelwiese unter der Regie von Anke Bussmann statt. Zu Beginn des knapp einstündigen Stücks hörte man Kontaktanzeigen ab Band: „Thomas, 65, Architekt, wohlhabend, mag Kunst, andere Kulturen, Golf. Wenn jetzt noch Frau, dann perfekt.“ Auf der Bühne sass eine mädchenhaft wirkende Frau (Mona Petri) auf einem Stuhl und isst Karamellbonbons. Nach kurzer Zeit betrat ein seltsam gekleideter Mann (Nils Topus) die Szenerie und die Abstraktion nahm ihren Lauf.

Intellektuelle Überdosis

„Wollen Sie sich nicht setzten?“ war dabei eine der zentralen Fragen in diesem Stück. Die Antwort darauf lautere jeweils: „Wieso nicht? Was kann es schon schaden.“ In „Der Platz des Anderen“ lieferten sich die beiden Protagonisten ein äusserst kompliziertes Psycho-Duell. Zwischendurch erkannte man, wie sich die Rollen von Opfer und Täter wandelten, doch mehr Klarheit hatte man deswegen nicht.  Das gesamte Stück war mit derart vielen Metaphern ausgeschmückt, dass sich so etwas wie ein roter Faden kaum ausfindig machen liess. Immer wenn man eine konkrete Vermutung zur Handlung hatte, wurde man widerlegt. Es schien, als würde das Stück das Publikum nahezu austricksen. Für die Spannung war diese inszenierte Verwirrung nicht unbedingt förderlich. Es erforderte höchste Konzentration von den Zuschauern und wer von einem Theater ein Minimum an Unterhaltung erwartete oder sogar ein bisschen Humor, hatte Pech. Man wurde eine gute Stunde gefordert, um am Schluss genauso ratlos dazu stehen wie am Anfang. Die beiden Schauspieler Mona Petri und Nils Torpus spielten ihre Rollen zwar einwandfrei, doch geniessen konnte man diese Darbietung leider nicht. Dafür machte das Stück einfach zuwenig Spass.

Info


"Der Platz des Anderen" von Jean-Luc Lagarce wurde von Mona Petri auf Deutsch übersetzt. Das Stück ist eine Produktion der Aargauer Gruppe Theater Marie.

Links

  • < link http://www.theatermarie.ch/produktionen/aktuelle-produktionen/der-platz-des-andern/alle-spieldaten.html >Die weiteren Spieldaten des Stücks