11.11.2007

„Wir haben einen französischen Touch“

Fünf Studenten die eine Band gründen. Vorbilder sind New Yorker Bands wie The Strokes, Interpol und Sonic Youth. Geile Musik, schöne Texte. Doch die Indieband Private Garden kommt werder aus Birmingham noch aus London, sondern aus Genf.

Man kennt euch  noch nicht so gut. Kannst du mir eure Geschichte erzählen?

Mathieu: Wir haben uns schon vor einer Weile kennen gelernt. Damals waren wir 15 Jahre alt und hatten schon eine andere Band die „Special Case“ hiess. Die Band existierte etwa drei Jahre.  Dann haben wir uns dafür entschieden, ein etwas rockigeres Projekt zu starten. Special Case war auch eine Rockband, doch wir wollten mehr den Brit-Indie Weg nehmen. Private Garden entstand August 2006. Im Jahr als wir mit dem Studium anfingen.

Wieso dieser Übertritt zur Indiemusik? Ist es nur eine Stiländerung oder auch ein Wechsel eurer Philosophie?

Mathieu: Es ist nicht wirklich eine Philosophie. Eher ein Begriff für Freiheit und für den Einfluss den man haben kann und wie man diesen umsetzt. Die musikalische Freiheit zu haben, dass zu machen was du willst. Da kannst du von einem extrem rhythmischen und kraftvollen Stück zu einem langsamen Song wechseln. Du kannst von Rock zu Pop wechseln, ohne Skrupel zu haben. Das ist vermutlich der grösste Vorteil des Indierocks. Gleichzeitig ist es auch eine sehr zufällige Musik, die ganz und gar nicht konkret ist.

Habt ihr euch darum dafür entschieden, kein Label zu suchen?

Mathieu: Nein, wir sind schon interessiert einen Vertrag zu unterschreiben. Einfach noch nicht jetzt. Irgendwie gehört es einfach zu einer Band, eine Weile Fehler zu machen, nach ihrem Weg zu suchen. Wir brauchen Erfahrung, bevor wir uns einem richtigen Label unterwerfen. Wenn man alleine unterwegs ist, dann macht man sich mehr Druck, als ein Label es machen würde. Dann spielt einem den Druck des Labels nicht mehr so eine grosse Rolle. Einfach weil er weniger spürbar ist. Wir wollen es schon mal alleine hinkriegen. Und sobald man bei einem Label unterschrieben hat, verliert man ein wenig Freiheit. Bei den aktuellen grossen Labels auf jeden Fall. Und das Problem ist, dass viele kleine Labels von den grossen aufgekauft werden.

Wie schreibt ihr eure Texte? Macht ihr das alle zusammen samt Musik, oder wird da ein wenig aufgeteilt?

Mathieu: Also alle Stücke wurden hauptsächlich von Steve dem Sänger und Gitarristen komponiert. Die meisten Texte werden von mir geschrieben. Aber wir schreiben auch zusammen. Wir sind ein tolles Team. Am Ende bringt jeder noch sein Ding dazu. Wir ergänzen uns total gut, und das Ergebnis wäre längst nicht so gut, wären wir nicht zusammen.

Wieso singt ihr auf Englisch und nicht auf Französisch, obwohl ihr ja aus Genf seid?

Mathieu: Englisch gehört einfach zu dieser Musik. Und Französisch ist eine heikle Sache. Wenn man es wagt, auf Französisch zu singen, dann muss man tiefsinnige, engagierte Songs haben. Und Rock hat nicht so viel mit Ernsthaftigkeit zu tun. Der Text dient mehr dazu, die Melodie einzukleiden. Da ist Englisch geeigneter, es kommt besser rüber. Und es ist einfacher.

Einfacher?

Mathieu: Einfacher, den Text zu schreiben. Man kann sich mit absurderen Sachen befassen. Sogar imaginäre Sachen. Ohne dabei so zu wirken wie der Typ, der meint er sei ein Genie und extrem poetische Texte schreibt. Wenn ich das wollte, würde ich auf Französisch schreiben.

Denkst du denn, es ist schwierig in einer Schweizer Band zu spielen, die dazu noch Indie ist? Da die Indie Szene hier in der Schweiz noch nicht so verbreitet ist.

Mathieu: Ja, es ist ganz und gar nicht einfach, sich hier durchzuschlagen. Vor allem hier in der Romandie, wo die Promotion von lokalen Bands, im Gegensatz zur Deutschschweiz, sehr gering ist. Wir sind uns seit einiger Zeit bewusst, dass es sehr wenige Möglichkeiten für uns gibt wenn wir uns auf die Schweiz fokussieren. Darum haben wir uns dazu entschieden, uns von der Schweiz so gut es geht zu lösen. Wir haben schon ein paar Mal in Frankreich gespielt und uns so einen kleinen Namen gemacht. Nur so können wir nachher zurückkommen und hier auf etwas wichtigeren Bühnen spielen. Solange es keinen Wirbel um die Band gibt, kann man sich nichts erlauben. Und in der Schweiz ist es so oder so extrem schwierig mit dem Indie.

Da kommt Myspace gerade richtig. So kriegt man Konzertangebote und man lernt Leute kennen. Und andere Länder helfen einem. Wir spielen im Januar in Berlin. Die einzige Lösung ist, sich soviel wie möglich in anderen Ländern zu bewegen und dann zurückzukommen. Es gibt sehr wenige Bands die es hier schaffen. Eine von denen The Mondrians, die machen dasselbe, und bei ihnen klappt das hervorragend. Wenn du das nicht machst dann wirst du dein Leben lang in kleinen schäbige Bars für Freunde spielen. Und das ist es nun auch wieder nicht.

Also euer Ziel ist es wirklich erfolgreich zu sein, und damit euer Geld zu verdienen.

Mathieu: Oh nein, nein, wir bleiben da sehr realistisch. Uns geht es im Moment wirklich darum Erfahrungen zu sammeln. Wenn’s mit der Band klappt dann klappt’s und sonst ist es auch nicht tragisch. Es geht hier lediglich um den Spass. Und wenn wir einmal keinen Spass mehr daran haben… Die anderen scheinen nicht meiner Meinung zu sein. Vielleicht wollen sie auch einen Kommentar abgeben.

Steve: Also ich finde, klar geht es um das Vergnügen, aber wenn wir uns schon solche Mühe geben, dann schon, um am Schluss irgendwo anzukommen. Nicht sofort, da bin ich auch realistisch, aber in drei bis fünf Jahren wollen wir schon Einiges erreicht haben. Wir haben ein Ziel.

Was macht ihr denn neben der Musik?

Steve: Also ich bin immer noch im letzten Jahr des Gymnasiums.

Ach, ihr seid noch so jung? Eure Musik wirkt viel erwachsener.

Steve: Eigentlich sind wir alle 19 Jahre alt ausser Mathieu, er ist 20. Das stimmt schon, wir sind ziemlich jung. Mathieu ist an einer Kunstschule in Lausanne. Jérôme ist Bäcker. Mathias macht momentan die RS und macht dann an der EPFL in Lausanne sein Studium weiter und Nick fängt bald sein Literaturstudium an. Wir sind alle im Studium-Stadium. Also wir werden nicht einfach alles abbrechen.

Ihr scheint echt eine Indieband zu sein, alle im Studium wie die meisten die in England starten.

Steve: Total. Wir werden dann sehen, was nach einigen Jahren Studium auf uns zukommt. Welche Wahl wir dann treffen müssen.

Vorher hat Mathieu Myspace erwähnt. Denkst du Myspace spielt heutzutage eine grosse Rolle für aufkommende Bands wie ihr?

Steve: Absolut! Die Tourdaten die wir bisher hatten, hatten wir meistens Myspace zu verdanken. Vor allem im Ausland. Du machst sehr viele Begegnungen, es ist echt cool. Wir haben durch Myspace viel austauschen können, ich weiss nicht was wir machen würden, wenn es Myspace nicht gäbe. Wir haben 32 000 Leute die sich unsere Songs in diesem Jahr angehört haben, und ich hätte nie gedacht, dass es so viele werden könnten. Ich denke wirklich, dass wenn sich die Band Mühe gibt, und aktiv ist, Myspace eine tolle Plattform ist. Ich finde es ist fast besser als eine eigene Homepage. Du hast hier alles was du brauchst: die Biographie, einige Songs, alle haben den Zugriff zur Page. Fast so, als ob wir ein Demotape veröffentlicht hätten.


Was macht euch unverwechselbar?

Unser Sänger hat keinen englischen Akzent, das macht unsere Band sicher auch ein wenig anders. (lacht) Ein kleiner französischer Touch.

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