Kultur | 12.11.2007

Steinzeitlich

Text von Rick Noack | Bilder von Nathalie Kornoski
Die Welt läuft nicht mehr rund. Es fehlen einige Schrauben. Welche, das sagt der Tink-Kolumnist.
Bild: Nathalie Kornoski

Es gibt es doch – das Paradies. Es befindet sich in der kalifornischen Stadt Belmont. Schön muss es dort sein, ruhig und vor allem: Rauchfrei. Denn der Stadtrat von Belmont betreibt bald eine Null-Toleranz Politik gegenüber Rauchern. Wer an Bushaltestellen, Parks, Freiluft-Restaurants oder in der Nähe von Hauseingängen raucht, muss zahlen. Während Blogger sich lauthals darüber beschweren, wird wohl kaum jemand verhindern können, dass das Gesetz in 14 Monaten in Kraft tritt. Vielleicht kommt demnächst ja jemand auf die Idee, Raucherstädte und Nichtraucherstädte einzuführen. Afrika wird demnächst Raucher anwerben und die zivilisierten Länder schmeißen Leute mit einer unglücklichen Nikotinsucht raus. Laut Lachen wird wohl bald ebenfalls verboten sein, schließlich stört es doch das Gleichgewicht der Ruhe Europas. Und Handys strahlen doch diese gefährlichen Strahlen ab, also: Alle mit Handy raus aus Europa! Wenn man das Rauchen verbieten will, dann muss man auch Handys verbieten und Autos ja sowieso. Zurück in die Steinzeit!

Auch das nächste Beispiel menschlichen Schwachsinns kommt aus den USA. Dort hatte der Fernsehsender CBS eine schöne Idee. In der Reality-Show „Kid Nation“ wollte nervige Kinder zwischen acht und fünfzehn Jahren einfach in eine Geisterstadt verbannen – für 40 Tage. Na ja, ganz durchdacht war das dann wohl doch nicht, denn um überhaupt dort überleben zu können, mussten die Kids 14 Stunden am Tag arbeiten. Gestorben ist bis jetzt zum Glück noch niemand, aber wie nicht anders zu erwarten gab es mehrere Verletzte. Vor Verzweiflung hatten einige sogar Seifenlauge getrunken. Der Fernsehsender sollte sich vielleicht mal Sorgen um sein eigenes Überleben anstatt jenes von netten Kindern machen.