Gesellschaft | 05.11.2007

Schuhe für die Hände

Text von Daniela Dambach | Bilder von Daniela Dambach
Im den Herbst- und Wintermonaten werden sie nach langer Ruhezeit wieder aus der Schublade gekramt, um über die Hände gestülpt zu werden: die Handschuhe. Sie sind nicht nur funktionale Kältekiller, sondern auch modisch kombinierbare Accessoires.
Egal ob lang oder kurz, Hauptsache warm.
Bild: Daniela Dambach

Die händeverhüllende Fingerbekleidung war früher nicht nur ein Schutz vor Kälte, sondern ein Prädikat für Macht, Würde und Reichtum.  Früher konnte Frau gar Frauenhelden den Handschuhen ausfindig machen; Bis zum Zweiten Weltkrieg schrieb die strenge Etikette vor, dass Frauenhelden sich in der Öffentlichkeit stets mit verhüllten Händen zu zeigen hatten – auch bei sommerlichen Temperaturen! Heute wäre es kaum denkbar, frauenverschlingende Mannsbilder an einem solchen Merkmal zu erkennen. Die Urform der Handschuhe stammt allerdings aus der Antike. Ein damals eher sackartiges Stoffstück schützte die Hände bei Feld- und Gartenarbeiten vor Verletzungen und Abnutzungen. Die Griechinnen und Römerinnen benutzen feine Handschuhe überdies als Ersatz für Messer und Gabel, um sich beim Essen die Hände nicht zu beschmutzen. Zum Glück können wir heute auf Besteck zurückgreifen!

Macht und Reichtum
Den Weg in die breite Masse fand der Handschuh erst im 16. Jahrhundert.
Gleichwohl gab es beachtliche Unterschiede, was die gesellschaftlichen Schichten anbetraf. Das Fussvolk durfte nur Fausthandschuhe tragen. Die kostbaren, aus teueren Materialien gearbeiteten Fingerhandschuhe waren dem Adel und der noblen Gesellschaft vorbehalten. Die Gutbetuchten veränderten ihre Handgarderobe mehrmals am Tag, was Distanz zu untergeordneten Gesellschaftsschichten und Wohlstand signalisierte. Die Handschuhe waren damals aus Ziegenleder, Kalbsleder oder aus empfindlicher, feiner Seide genäht, wobei die Passform nicht mit dem modernen Standard der Schneiderkünste vergleichbar ist.

Vielerlei Funktionen und Materialien
Beim Sport, in der Medizin und in der Industrie nehmen die Handschuhe eine wichtige Schutzfunktion ein. Teilweise gehören sie zur Pflichtgarderobe oder sind Teil einer Berufsuniform. Zudem haben Handschuhe, nicht die vorher genannten selbstverständlich, einen hohen modischen Wert. Es gibt sie in allen erdenklichen Längen und Farben. Ebenso im Bezug auf die Materialien bietet sich eine riesige Palette: Wolle, Seide, Leder, Fell, Kunstfaser, Netz, Samt und Baumwolle sind die Stoffe, aus denen die Traumhandschuhe gemacht sind. Die gerade moderne Mantelärmellänge schreit geradezu nach halblangen bis langen Handschuhen, welche bis zum Ellenbogen reichen. Aparte Wirkung garantiert!    

Nicht bibbernd modisch sein
Ausser dünnhäutigen, bleichen Popstars kommt es heutzutage wohl keinem mehr in den Sinn, Handschuhe auch im Sommer zu tragen. So dienen die Handschuhe vorwiegend als Kälteschutz, wobei der modische Aspekt nicht ausser Acht gelassen werden soll. Schade, dass viele die Handschuhe immer noch als kälteschutztechnischen Gründen tragen und ihre wahre modische Bedeutung noch nicht erkannt haben. Insbesondere Frauen sollten Ihre Samthandschuhe vermehrt anfassen, falls an kalten Tagen gerade keine warme Hand zu finden ist. Wurden Handschuhe vom männlichen Geschlecht früher ausschliesslich bei der Jagd oder im Kampf getragen, sind sie heute übrigens für Männer ebenso ein modisches Muss.