Kultur | 13.11.2007

Rocken bis das Cello raucht

Text von Laura Folkers
Am Freitag 9. November traten die vier Cellisten von Apocalyptica zusammen mit ihrem Drummer im Zürcher Volkshaus auf.
Keiner malträtiert sein Cello so schön wie Eicca Toppinen. Fotos: Laura Folkers Die Band im Schatten: Perttu, Mikko und Eicca. Stehend spielen? Für Apocalyptica gar kein Problem.

Neun Uhr und ein paar Minuten Ortszeit, Volkshaus Zürich. Es wird dunkel, die Gespräche verebben, die Fans beginnen die Hälse zu recken um einen guten Blick auf die Bühne zu haben. Plötzlich geht eine Lampe an und leuchtet richtung Menschenmenge. Im Licht bilden sich die Umrisse eines riesigen Cellos mit Totenkopffratze. Langsam erscheinen auch die Umrisse eines Menschen davor. Die Musik setzt ein, die Massen sind gebannt. Immer mehr erkennt man die Cellisten und ihren Drummer, die Musik ist schon in vollem Gange. Aber lange halten es Eicca, Paavo und Perttu nicht auf ihren speziell angefertigten Stühlen aus. Man kann ihnen ansehen, wie viel Spass es ihnen macht zu Spielen. Sie sind vollständig in ihrem Element, spielen das Cello auch problemlos mal über Kopf, animieren das Publikum zum Klatschen und rennen dauernd auf der Bühne hin und her. Einmal geht Eicca auch nach hinten zu Drummer Mikko Sirén und missbraucht seinen Cellobogen um ein bisschen auf den Drums rum zu hauen.

Bittersüss
Was auch nicht fehlen darf an einem solchen Konzert ist natürlich das Headbangen. Ebenfalls eine Disziplin die Eicca, Paavo und Perttu sehr gut beherrschen und
das sogar während des Cellospielens. Allerdings hatten Eicca und Perttu hier eindeutig Vorteile, denn bangen sieht nun mal einfach besser aus wenn man nichts als ein Gewühl aus Haaren sieht die sich im Kreis drehen. Nach einer Weile macht Eicca dann eine Ansage auf die wahrscheinlich alle gewartet haben. „Now we’re playing a song all about the beautiness, hardness and complications of love –  Bittersweet.“ Der Saal wird Ruhig einige Feuerzeuge gehen an, das Licht ist gedimmt und türkis und das Publikum ist ergriffen. „Bittersweet“, eine Hymne an die Liebe! Das Lied verklingt und der Applaus tost bis Perttu das Mikro ergreift. Perttu, der in zwischen seine Weste mit der er anfangs bekleidet war, verloren zu haben scheint, erzählt: „In Finnland one says that Rock’n’Roll means love between boys. And I am a boy, but I never get one.“ Bedröppelt sieht er zu Boden. Die Menge ist erneut ergriffen über das tragische Schicksal des Cellisten und vereinzelt hört man auch mitfühlende „Och’s“. Ebenso mitgerissen über die Geschichte seines Kollegen wie die Zuhörer, stellt Eicca sein Cello zur Seite und flitzt beherzt über die Bühne und nimmt Perttu in die Arme. Jetzt sind alle wieder glücklich und die Show kann weiter gehen.

Schwiizertüsch
Nach einigen weiteren Songs  ergreift Eicca wieder das Mikrofon. „So now we’re starting to play our last song and because we’re all stupid we can’t tell that in an other way“. Allerdings ist das Publikum damit nicht einverstanden und Eicca lenkt ein: „Okay if you can jump higher than Paavo we will play some other songs. I will count to four and then you jump.“ Man glaubt es kaum, Schweizerdeutsch und Finnisch liegen wohl doch näher an einander als angenommen, denn Eicca zählt: „Eis, zwöi, drü, und eis, zwöi, drü!“ Und die Menge hüpft. „Okay were playing more“, sagt Eicca nur und schon geht es weiter.

Irgendwann hat es sich, dann aber doch ausgefiedelt und die fünf Jungs ziehen ab. Aber sie haben nicht mit dem Zürcher Publikum gerechnet. Es wird geklatscht, gerufen und gesungen bis zumindest die vier Cellisten wieder kommen und einen ihrer Klassiker spielen. „Nothing else matters“. Ein hammermässiger Song. Kaum ist der Song fertig, versuchen die Vier noch einmal abzuschleichen aber nein, nix da, Zürich lässt sie nicht gehen. Tatsächlich kommen dann noch einmal alle zu ihrem wirklich letzten Song. Danach kommen alle nach vorne um sich zu verbeugen und sich beim Publikum zu bedanken. „We had a wonderful evening and we thank you so much that youre here.“ und ganz zuletzt fallen sie sich gegenseitig in die Arme. Dann ist der ganze Spuk vorbei und die Massen strömen glücklich aber erschöpft aus dem Saal.