Kultur | 06.11.2007

Outing in der Kleinstadt

Text von Lena Tichy
Mit "Sonja" und "Fashion Victims" zeigt das Pink Panorama Luzern zwei eindrückliche Filme zum Thema Coming-Out und Selbstfindung.
Sonja (Sabrina Kruschwitz) und ihre Freundin Julia (Julia Kaufmann) sind unzertrennlich. Wenn nur Sonja sich nicht in Julia verliebt hätte. Fotos: Pink Panorama Steven (Roman Knizka) hat es auf Karsten (Florian Barholomäi abgesehen. Und dieser wehrt sich keineswegs.

Unterschiedlicher könnten die beiden Werke nicht sein. Während „Sonja“ das schwierige Coming-Out einer Sechzehnjährigen erzählt, kommt „Fashion Victims“ als lockere Familienkomödie daher, bei der die Homosexualität fast nur in witzigen Situationen zur Sprache kommt.

Ein „Findling“

Sonja (Sabrina Kruschwitz) lebt mit ihrer Mutter in einer Berliner Plattenbauwohnung. Die einzige und beste Freundin der verschlossenen jungen Frau ist ihre Freundin Julia (Julia Kaufmann). Schon bald merkt Sonja, dass sie von Julia mehr möchte als blosse Umarmungen und flüchtige Küsse auf den Mund. Bis sie sich jedoch ihren eigenen Gefühlen und Wünschen stellen kann, braucht es einen heissen schmerzhaften Sommer. Die Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen gewann mit diesem Film letztes Jahr den „Findling“ am Filmkunstfest Schwerin, ein Preis, der sehr gut zu diesem Werk passt. Denn gefunden werden muss diese Geschichte: Statt aufgeregten Dialogen zeigt uns die Regisseurin Blicke und Gesten, jene Zwischenräume, in denen eigentlich alles gesagt wird, ohne es jemals auszusprechen.

Gutbürgerlich schwul

Ganz anders die Situation bei „Fashion Victims“. Ingo Raspers Komödie um einen kleiderverkaufenden Vater (Edgar Selge) und seinen insgeheim schwulen Sohn (Florian Bartholomäi) erzählt viele verschiedene Geschichten gleichzeitig und das immer mit viel Ironie und Situationskomik. So beschreibt „Fashion Victims“ nicht nur glaubwürdig eine Ehekrise, sondern zeigt nebenbei auch auf ganz selbstverständliche Weise, wie ein junger Mann herausfindet, dass er homosexuell ist. Das Klischee verlangte es bisher, dass die Eltern ob so einer Nachricht geschockt und verunsichert sein müssen. Doch Ingo Raspers Figuren lassen sich von Homosexualität nicht wirklich aus dem Konzept bringen, auch nicht, wenn es um den eigenen Sohn geht. Dies ist angesichts des gutbürgerlichen Millieus, in dem der Film spielt, bemerkenswert und zeigt, wie weit die Liberalisierung, wenigstens auf der Leinwand, heute geht.

„Sonja“ ebenso wie „Fashion Victims“ zeigen mit viel Gefühl für Stimmung und Situation, was es heisst, anders zu sein und dies zu akzeptieren. Die beiden deutschen Filme werden zwischen dem 15. Und 21. November am Pink Panorama, dem „lesbischwulen Festival“ in Luzern gezeigt.

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